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Lokales Wie angeschlagen ist die Freundschaft zu den USA? - Debatte im Zeitgeschichtlichen Forum
Leipzig Lokales Wie angeschlagen ist die Freundschaft zu den USA? - Debatte im Zeitgeschichtlichen Forum
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23:59 17.07.2014
Diskussion im Zeitgeschichtlichen Forum unter anderen mit Ex-US-Botschafter John C. Kornblum (l.). Quelle: Wolfgang Zeyen

Und diese Frage war Thema einer Veranstaltung von Zeitgeschichtlichem Forum, Deutschlandfunk und LVZ am Mittwoch im Zeitgeschichtlichen Forum.

"Die Krise ist nicht die schwerste in der Nachkriegszeit", meinte Ex-US-Botschafter John Kornblum. Die Zusammenarbeit sei auch im Irak-Krieg auf eine harte Probe gestellt worden. Das deutsch-amerikanische Verhältnis gründe sich auf zwei furchtbaren Kriegen und habe schon viele Krisen durchstanden. "Deutschland ist immer noch mitten in der Verdauung des 20. Jahrhunderts. Es ist immer noch eine Gesellschaft, die kein klares Bild von sich hat." Am deutsch-amerikanischen Verhältnis störe ihn nicht erst seit gestern, "wie schnell die Deutschen bereit sind, es aufzugeben". Zentrales Problem laut Kornblum: "Seit zehn Jahren haben wir keinen strategischen Dialog mehr über den Atlantik." Das liege wohl daran, dass mancher nach dem Fall des eisernen Vorhangs der Meinung gewesen sei, nun werde alles gut, man brauche sich nicht mehr füreinander anzustrengen. Auch die USA hätten sich sehr auf die eigene Sicherheit konzentriert.

Sylke Tempel, Chefredakteurin der Zeitschrift "Internationale Beziehungen", sprach ebenfalls von einer Krise der Vernachlässigung. Und: "Wir waren außenpolitisch sehr abstinent", sagte sie mit Blick auf die Nachkriegszeit. Daher rühre eine gewisse außenpolitische Naivität. Zustimmung von Karsten Voigt, ehemaliger Koordinator für deutsch-amerikanische Zusammenarbeit unter Kanzler Schröder: Er sei überrascht, wie überrascht die Kanzlerin über die US-Spionage gewesen sei. "Von Amerikanern, Franzosen, Briten zu erwarten, dass sie bei uns nicht spionieren, halte ich für naiv."

Dennoch dürften Geheimdienste nicht alles tun, was sie können, betonte Grünen-Politiker Jürgen Trittin. Im Anti-Terror-Kampf sei nicht alles erlaubt: keine Datenausspähung ohne Tatverdacht, kein Töten von Menschen durch Drohnen ohne Gerichtsverfahren. Wer das sage, der sei kein Anti-Amerikaner, sondern der beziehe sich auf gemeinsame Werte.

Außenpolitisch sei die Krise während des Irak-Krieges, als Deutschland den USA die Unterstützung verweigerte, dramatischer gewesen, sagte Karsten Voigt. Psychologisch seien die aktuellen Verwerfungen aber von ebenso starker Wirkung. Es gebe jedoch nicht nur eine Differenz zwischen Deutschland und den USA, sondern auch zwischen Deutschland und den europäischen Partnern, in denen sich der Ärger über Spionage unter Freunden in Grenzen hält.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.07.2014

Björn Meine

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