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Wie die Leipziger Stadtbibliothek die Weichen für die Zukunft stellt

Leipzig wächst – und nun? Wie die Leipziger Stadtbibliothek die Weichen für die Zukunft stellt

Leipzig platzt aus allen Nähten. Jedes Jahr lassen sich über 10 000 Menschen neu nieder; im Jahr 2030 könnten hier rund 720 000 Einwohner leben. Es braucht neue Wohnungen, Kitas, Schulen, Wasser- und Stromleitungen. Die LVZ zeigt in einer Serie, wie Deutschlands größte Boomtown ihre Weichen für die Zukunft stellt. Heute: die Städtischen Bibliotheken.

Die Leipziger Fahrbibliothek in Marienbrunn (v.l.): David Zeisel, Nathalie Rodig und Petra Waßerrab vor dem Bücher-Bus.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Das gute alte Buch hat längst nicht ausgedient. Auch 2030 wird noch Gedrucktes in den Regalen der Leipziger Städtischen Bibliotheken (LSB) stehen. Davon gehen die Bibliothekare aus. Mehr Entleihungen, mehr Besucher, mehr Online-Angebote – dieser Erfolgstrend ist in der Stadtbibliothek und in den 15 Stadtteilzweigstellen in den letzten Jahren zu beobachten. Fast 1,1 Millionen Menschen kamen im Vorjahr, mehr als 3,7 Millionen Besuche gab es virtuell. „Es stimmt. Leipzig wächst. Allein in der Fahrbibliothek wurden im Vorjahr 400 Ausweise mehr als beispielsweise noch 2012 ausgestellt“, nennt Michael Lehmann ein Beispiel. Er fährt mit seinen Kollegen Petra Wasserrab und David Ceisel im Bücherbus viele Stationen in ganz Leipzig an. „Wir merken auch, dass sich unser Publikum verändert. Die Haltestellen Stötteritz und Knauthain werden von immer mehr Familien mit Kindern besucht“, erzählt der 53-Jährige. Das Dreier-Team kümmert sich darum, dass die richtigen Medien im Bus zur Verfügung stehen, dass er technisch einsatzbereit ist. Es organisiert die Touren, erläutert den Nutzern aller Altersgruppen das Angebot, leiht aus, berät .... Lehmann und seine Kollegen haben registriert, wie auf den Schulhöfen, auf denen die Fahrbibliothek an den Vormittagen Station macht, der Andrang zunimmt – an einigen wie den Grundschulen Connewitz und Engelsdorf gibt es schon sechs Parallelklassen. Die LSB reagieren darauf. So werden die Haltezeiten verlängert, einige Schulen häufiger angefahren. In den nächsten Jahren ist geplant, einen zweiten Bücherbus anzuschaffen, um die Situation zu entspannen. Das hat der Stadtrat mit der Bibliotheksentwicklungskonzeption, die zunächst bis 2020 blickt, bereits so beschlossen. Der neue Bus soll nur Kitas und Schulen bedienen, der „Große Blaue“ kann dann zusätzliche Haltestellen einrichten, auch am Stadtrand.

„Die Stadt wächst vor allem bei den Jüngsten, deshalb haben wir in den Kinderbibliotheken aufgerüstet und werden dies weiterhin tun“, erläutert Susanne Metz, die Leiterin der Leipziger Städtischen Bibliotheken. Bemerkbar macht sich das Wachstum auch bei den Angeboten für die Kindergartengruppen und Schulklassen. Die müssen bei der Leseförderung oder der Einführung ins Internet mittlerweile Wartezeiten bis zu einem halben Jahr in Kauf nehmen – zumindest in der Stadtbibliothek am Leuschnerplatz. Die Nachfrage nach Leseausweisen sei ebenfalls gestiegen. Das heißt aber nicht automatisch, dass Leipzig künftig zusätzliche Zweigstellen eröffnen wird. Frankfurt am Main – die Stadt zählt derzeit ungefähr so viele Einwohner, wie für Leipzig 2030 prognostiziert – hat sogar weniger als Leipzig.

„Wichtig ist vielmehr, öffentliche Bibliotheken an optimal gelegenen Standorten vorzuhalten und größere Einrichtungen anzubieten. Dann können wir sie durch längere Öffnungszeiten attraktiver machen“, erklärt Susanne Metz. Pläne dazu gibt es bereits. Neben einer Konzentration der drei Grünauer Bibliotheken in einem noch einzurichtenden Bürgerzentrum soll es einen neuen Standort im Leipziger Osten geben – einen Neubau auf dem künftigen Campus Ihmelstraße, auf dem eine Oberschule sowie ein Gymnasium errichtet werden. Die Bibliothek in der Südvorstadt, in der besonders viele Familien wohnen, wird als nächstes großes Projekt modernisiert.

Im Kerngeschäft der Bibliotheken sieht Metz – auch mit Blick über den Tellerrand in anderen Ländern – keine Veränderungen. Gerade Jüngere teilen gern, wollen im Zeitalter von share economy längst nicht alle Bücher selbst besitzen. Ihr Motto: Teilen ist das neue Haben. Die Aufgaben werden aber vielfältiger, weil die Bedürfnisse der Nutzer sich verändern – ob nun Buch, E-Book oder andere Medien. „Bibliotheken sind ein angenehmer und inspirierender Ort, werden immer mehr zum Treffpunkt für Bildung, Kultur und Kommunikation. Und vor allem zum Brückenbauer, der in Kooperation mit Partnern Kompetenzen vermittelt. Auch für Menschen, die aus anderen Ländern kommen.“ Deshalb seien Sprachkurse online, Sprachlernplätze in der Bibliothek, fremdsprachige Literatur und Internetarbeitsplätze gefragt wie nie zuvor. Seit März 2015 gibt es die Lernplattform Scoyo speziell für Schüler. Regelmäßig trifft sich ein Computerklub für Senioren sowie ein Schachclub im Domizil Leuschnerplatz.

Auch wenn der Erwerbsetat (derzeit 908 700 Euro; 2014: 858 700 Euro) steigt, kann eine öffentliche Bibliothek nur ausgewählte, vor allem stark nachgefragte Bücher anschaffen. Neue Trends wie Patron-Driven-Acquisition – also eine „kundengesteuerte Erwerbung“ – werden diskutiert. Dabei geht die Entscheidung, welche Medien angeschafft werden, quasi vom Nutzer aus. Bislang ist es lediglich möglich, bei den Bibliothekaren Zettel mit Wunschtiteln zu hinterlassen. Gibt es drei, vier Wünsche für einen Titel, wird das jeweilige Buch besorgt. Bibliothekare sind häufig „Trendscouts“. So öffnen beispielsweise in Leipzig immer mehr Geschäfte und Gaststätten mit veganen Produkten, die Bibliothek reagiert und stellt die entsprechende Literatur zur Ausleihe bereit.

Metz geht davon aus, in der wachsenden Stadt mit vorhandenem Personal (derzeit 122,4 Stellen) auskommen zu müssen. Wenigstens der Etat entwickelt sich dynamisch mit dem Einwohnerzuwachs. Etwa zwei Euro pro Einwohner sind künftig pro Jahr vorgesehen, um Medien anzuschaffen. „Das ist für uns der entscheidende Punkt – und nicht die Zahl der Standorte.“ Ob es wie in Skandinavien üblich bis 2030 eine „Open Library“ – also eine ohne Personal geöffnete Bibliothek – gibt, vermag Metz derzeit nicht zu sagen. Sie sei gern bereit, dies zu testen, um längere Öffnungszeiten anbieten zu können – allerdings eher im ruhigen Wohnumfeld am Stadtrand in einer der drei Ein-Personen-Bibliotheken und bestimmt nicht im Haupthaus Leuschnerplatz. Und das hat 2030 vermutlich bis 20 oder 22 Uhr auf.

Von Mathias Orbeck

Leipzig 51.3396955 12.3730747
Leipzig
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