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Lokales Wie die Stiftung „Bürger für Leipzig“ armen Kindern Mut macht
Leipzig Lokales Wie die Stiftung „Bürger für Leipzig“ armen Kindern Mut macht
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16:34 07.06.2017
Angelika Kell (r.) und Katrin Hart von der Stiftung Bürger für Leipzig sammelten erfolgreich für die „Wunderfinder“-Aktion. Quelle: André Kempner
Leipzig

Bildung und Integration – für diese Schwerpunkte setzen sich 129 Stifter und viele Ehrenamtliche ein. „Wir sind keine Reichen-Stiftung, sondern ein Mitmachprojekt“, sagt Vorstand Angelika Kell. Mit LVZ.de spricht die studierte Politikwissenschaftlerin über erfolgreiche „Wunderfinder“ und ein neues „Erzählcafé“ zum Thema Leipzig in den 1960-er-Jahren.

Was hat Sie 2003 auf die Idee gebracht, eine Bürgerstiftung für Leipzig zu gründen?

Das war die Zeit, als Bürgerstiftungen wie Pilze aus dem Boden schossen. Und Leipzig hat eine große stifterische Tradition, wenn man bedenkt, dass es um 1900 über tausend Stiftungen in der Stadt gegeben hat! Mit 46 Leuten und einem Kapitalstock von 25.000 Euro sind wir dann gestartet, und heute haben wir uns als Mitmachstiftung etabliert.

Welche Themen liegen Ihnen am Herzen?

Von Anfang an stand die Chancengleichheit in der Bildung ganz oben. Das Projekt „Musik macht schlau“ war unser erstes Großprojekt. Dabei bekommen Kinder aus Familien, die als arm gelten, Musikunterricht an Instrumenten. 19.000 Kinder unter 15 Jahren sind laut Leipziger Lebenslagenbericht arm, und da wollen wir etwas tun.

Welche Wirkung hat das Musizieren?

Unser Partner war und ist das GeyserHaus, aber wir arbeiten auch mit der Ringelnatz-Schule in Grünau zusammen. Dort konnten wir einen Klassensatz Geigen anschaffen, und die Kinder fühlten sich geehrt, dass man Ihnen das zutraut und so ein Instrument anvertraut. Die Schulleiterin sagt, durch die Wertschätzung hat sich der Ton zwischen den Schülern verbessert. Genau so etwas wollen wir erreichen!

Knapp 300.000 Euro Stiftungsvermögen heute – ist das genug, um was zu bewegen in Leipzig?

Mit der Summe werden wir schon manchmal belächelt. Mit den Großen wie der Sparkassenstiftung etwa können wir uns auch nicht vergleichen. Wir sind keine Reichenstiftung sondern eine Bürgerstiftung, in der jeder willkommen ist. Dafür kann man ab 500 Euro bei uns mitmachen. Die Stiftung lebt vom Engagement der Stifter, die sich mit den Projekten identifizieren, die Gesicht zeigen und auch mal am Infostand stehen.

129 Stifterinnen und Stifter – viel oder wenig für eine Stadt wie Leipzig?

Für eine Stadt wie Leipzig ist das eigentlich zu wenig. Aber wir wollen weiter ganz normale Bürgerinnen und Bürger mit unserer Arbeit ansprechen. Neben den Stiftern spielen bei uns auch die Zeitstifter eine große Rolle, da sind im vergangenen Jahr rund 1000 Engagementstunden zusammengekommen.

Welches Projekt ragt in diesem Jahr heraus?

Mit dem Patenprojekt „Die Wunderfinder“ wollen wir für Kinder aus benachteiligten Familien Fenster zu anderen Lebenswelten und Milieus öffnen. Dafür brauchen wir Paten, die dann über ein Schuljahr eine Reihe von Exkursionen mit je zwei Hortkindern gestalten. Auf der anderen Seite gibt es die Partner der „Wunderorte“ – wie das Naturkundemuseum, eine Backstube, eine urbane Gartenanlage oder die Oper. Wir wollen den Kindern Mut machen, sie auf ihre Stärken hinweisen und zeigen: Schau mal, das gibt es auch noch.

Sie sammeln Spenden dafür, haben fast die Marke von 25.000 Euro erreicht – und die Schweizer Drosos-Stiftung verdoppelt die Summe. Wie kommt das?

Die Drosos-Stiftung ist auf unsere Arbeit aufmerksam geworden und damit haben wir einen großen Schritt in Richtung Professionalisierung gemacht. Wir konnten zum Beispiel eine Koordinatorin für das Projekt einsetzen, denn pro Schuljahr koordinieren wir das Engagement von 70 Paten an fünf Horteinrichtungen. werden. Die meisten Paten machen ein Jahr lang mit, und das ist auch in Ordnung, denn das kostet wirklich auch Kraft. Aber das heißt auch: Wir auch im neuen Schuljahr wieder Verstärkung!

Kleiner Ausblick: Welche neuen Themen schieben Sie an?

Gerade im Aufbau ist das Erzählcafé. Dafür suchen wir Zeitzeugen, die vom Leben der Leipziger in den 1960-er-Jahren berichten. Geplant sind Gesprächsrunden in der Stadtbibliothek, etwa zu Themen wie „Messeabenteuer“, „Familienversorgung“ oder „Tanzen, Lust und Liebe“. Die Gespräche werden dann aufgeschrieben und so die Erinnerungen bewahrt. Wir starten im September mit dem Thema „Meine erste Wohnung“.

Von Evelyn ter Vehn

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