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Wie ein malerisches Schloss – Leipzigs Buchgewerbehaus wird saniert

50-Millionen-Euro-Investition am Gutenbergplatz Wie ein malerisches Schloss – Leipzigs Buchgewerbehaus wird saniert

Gleich hinter dem Haus des Buches im Graphischen Viertel wird Leipzig bald eines der schönsten historischen Gebäude zurückerhalten. Projektentwickler Hildebrand & Jürgens hat soeben mit der Sanierung des Buchgewerbehauses begonnen.

Neben der Gutenberg-Galerie (ganz links) ziehen gerade die ersten Bewohner in den frisch sanierten Schiemichen-Bau (mit dunklen Balkonen an der Fassade sowie Dachterrassen) ein. Am Buchgewerbehaus (rechts) werden schon Baugerüste gestellt.
 

Quelle: Jens Rometsch

Leipzig.  
 

Was sich heutige Generationen vielleicht kaum noch vorstellen können: Auf dem Areal rings um den Gutenbergplatz schlug bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg das Herz des deutschen Verlags- und Druckereiwesens. Inmitten des Graphischen Viertels mit seinen hunderten polygraphischen Firmen hatten sich die wichtigsten nationalen Branchenverbände und Lehranstalten der Schwarzen Zunft angesiedelt. Schon 1888 war das Buchhändlerhaus an der Prager Straße eröffnet worden – als Sitz des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler erinnerte es an ein Schloss aus der Romantik. Bis zur schlimmsten Leipziger Bombennacht am 4. Dezember 1943, in der die Börse komplett in Trümmer fiel. Auf den Tag genau 50 Jahre danach wurde auf ihrem Boden der Grundstein für das Haus des Buches gelegt, in dem seither zum Beispiel das Leipziger Kulturamt residiert.

Gleich nebenan stehen jetzt die ersten Baugerüste am historischen Buchgewerbehaus. Es war 1943 ebenfalls stark geschädigt, nach Kriegsende aber wieder aufgebaut worden. Zuvor befand sich darin der Sitz des Deutschen Buchgewerbevereins – also der Dachorganisation aller Verbände der graphischen Industrie. Architekt Hagberg hatte es als Pendant zur Börse extra in genau demselben malerischen Neorenaissance-Stil entworfen: Etliche Sandstein-Ornamente schmückten eine leuchtend rote Ziegelfassade. Die prachtvolle Gutenberghalle, in der ein drei Meter hohes Standbild an den Erfinder der Druckkunst erinnerte, ging aber beim Wiederaufbau verloren. Nur der Erker, in dem zuvor die Gutenberg-Figur thronte, blieb an der Außenwand bis heute ablesbar.

69 Wohnungen und sieben Gewerbeeinheiten für Büros sollen nun in diesem historischen Komplex entstehen, erläutert Hildebrand. „Von dem eindrucksvollen Portikus samt einer Freitreppe, über der noch immer Messehaus Bugra steht, bis zu den Balkonen oder Fenstergewändern – wir restaurieren alles wieder gemäß dem historischen Vorbild.“ Auch die fulminante Dachlandschaft kehre zurück, ergänzt um zeitgemäße Terrassen für die künftigen Bewohner. Im ersten Stock des Hofes werde ein zu DDR-Zeiten geschaffenes Dach wieder beseitigt. Etliche Büsten, die früher an der Fassade die Bedeutung des Ortes kundtaten, würden jetzt restauriert oder rekonstruiert: so die von Johannes Gutenberg, Albrecht Dürer, Friedrich Schiller oder Johann Wolfgang von Goethe.

Mit welcher Qualität sich der Leipziger Bauprojektentwickler dem traditionsreichen Ort nähert, ist nebenan schon gut zu sehen. Im sogenannten Schiemichen-Bau, wo Hildebrand & Jürgens 2014 mit der denkmalgerechten Sanierung begannen, zogen gerade die ersten Mieter in die 66 neuen Loft-Wohnungen ein. Gleich hinter dem Eingang weisen nun verglaste Fotografien und Plakate auf die Geschichte als Zentrum der Bücherwelt hin. Das Haus, von Architekt Curt Schiemichen noch im Stil der Moderne entworfen, diente ab 1938 als Erweiterung für die großen Ausstellungen polygraphischer Maschinen im benachbarten Buchgewerbehaus. Jedoch stand auch der Schiemichen-Bau nach der Wende mehr als 20 Jahre leer, drohte dem Abriss anheim zu fallen. Dabei grenzt er an den wunderbaren Lene-Voigt-Park. Und auf der anderen Seite an die Gutenberg-Galerie mit ihren Cafés und Läden, welche in den Neunzierjahren samt einer riesigen Tiefgarage für das gesamte Areal erbaut wurde. Sowohl die neuen Bewohner des Schiemichen-Flügels als auch die künftigen Nutzer des Buchgewerbehauses können daher feste Stellplätze in der Tiefgarage nutzen. Auf dem Weg zum jeweiligen Fahrstuhl kommen sie inzwischen an riesigen Original-Graffiti oder Werbetafeln des legendären Gutenbergkellers vorbei, in dem ab 1965 regelmäßig Jazz-Konzerte stattfanden. Hildebrand & Jürgens haben diese Erinnerungsstücke gesichert und geschickt in die Gänge und Treppenhäuser integriert. Reichlich 50 Millionen Euro verschlingt die Sanierung des gesamten Ensembles, erklärt der Firmenchef. Die Kaltmieten liegen zwischen 7,80 und zehn Euro pro Quadratmeter.

Peter Leonhardt, im Amt für Denkmalpflege zuständig für das Graphische Viertel, hatte jahrelang gehofft, dass die Wunden am Gutenbergplatz doch noch geheilt werden könnten. Dank des Engagements und der Erfahrung von Hildebrand & Jürgens entwickle er sich wieder zu einer würdevollen Adresse, lobt er.

Von Jens Rometsch

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