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Wie viele Blindgänger liegen in Leipzig – und wie werden sie gefunden?

Nach Bombenfunden in Wahren und Dresden Wie viele Blindgänger liegen in Leipzig – und wie werden sie gefunden?

Ob in Leipzig-Wahren oder Dresden: Immer wieder werden im Freistaat Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Doch die Suche nach den verborgenen Sprengsätzen und eine exakte Aussage über ihre Anzahl gestaltet sich schwierig.

Die 500-Kilo-Bombe in Wahren hinterließ einen gewaltigen Krater.
 

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig.  Mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs schlummern nach wie vor zahlreiche alte Fliegerbomben in Sachsens Böden. 2014 hatte der Kampfmittelbeseitigungsdienst im Freistaat Sprengkörper mit einem Gesamtgewicht von rund 5000 Kilogramm geborgen. Auch in Leipzig tauchen immer wieder Blindgänger auf. Zuletzt waren die Spezialisten in Wahren im Einsatz, um eine englische 500-Kilo-Bombe kontrolliert zu sprengen. Und auch in Dresden mussten zahlreiche Anwohner am Freitag ihre Wohnungen verlassen. Hier konnte eine Fliegerbombe in der Friedrichstadt nach mehr als 13 Stunden entschärft werden.

Fotos von der Bombensprengung am 14. Januar 2016 in Leipzig-Wahren. Zuvor mussten mehrere hundert Menschen ihre Häuser rund um den Fundort der 500-Kilo-Bombe am Wahrener Bahnhof verlassen.

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Genaue Zahlen gibt es nicht

„Knapp 7000 Tonnen Bomben wurden zwischen 1940 und 1945 auf das gesamte Leipziger Stadtgebiet abgeworfen. Davon sind, je nach Munitionstyp, etwa fünf bis 20 Prozent Blindgänger“, schätzt Alexander Carls. Er wertet mit seinem Unternehmen in der Nähe von Würzburg historische Luftaufnahmen der betroffenen Gebiete aus und versucht so, möglichst präzise belastete Flächen zu benennen. Ein Großteil der Leipziger Blindgänger, schätzt Carls, sei mittlerweile geborgen und unschädlich gemacht worden.

Wie viele Sprengkörper genau sich noch in und um die Messestadt verbergen, kann allerdings niemand mit Sicherheit sagen. „Darüber gibt es leider keine exakten Statistiken“, so Jürgen Scherf, Sprecher des Polizeiverwaltungsamts Sachsen. So seien bombardierte Flächen teilweise schon während des Krieges beräumt worden, nach 1945 seien zudem Russen und Amerikaner aktiv geworden.

Das Problem: Niemand habe damals genau Buch über die Räumungen geführt, große zeitliche Lücken seien so entstanden. „Teilweise finden wir auch Bomben, deren Zünder bereits unschädlich gemacht wurden – die man dann aber im Boden belassen hatte“, erklärt Scherf die komplizierte Lage.

Das gezielte Auffinden von Blindgängern gestaltet sich generell schwierig. Denn oftmals flogen die Bomber mehrere Wellen. Wo nach dem ersten Angriff noch sichere Flächen waren, finden sich später zahlreiche Krater. Die Auswertung von Luftbildern, so Jürgen Scherf, sei daher auch nur eine Komponente der Suche, man könne auf dieser Basis aber „niemals eine todsichere Aussage treffen.“

Spezialisten im Einsatz

Steht ein Bauvorhaben auf Flächen an, die als belastet angesehen werden, wird eine Spezialfirma hinzugezogen – so auch auf der Baustelle in Wahren. „Die Arbeiter führen dann eine Sondierung mit Ferrosonden durch, um im Boden nach Metall zu suchen“, erklärt Scherf. Hundertprozentige Gewissheit bringt allerdings auch diese Methode nicht. Wenn an einer Stelle, an der einst ein Haus stand, der Detektor anschlägt, könne das entweder ein tatsächlicher Blindgänger sein – oder auch nur ein altes Heizungsrohr. In Wahren wurde zur Geländeerkundung eine sogenannte baubegleitende Kampfmittelsondierung durchgeführt. „Dabei sondieren zwei Mitarbeiter den Boden an der Oberfläche und in der Tiefe. Ist der entsprechende Bereich freigegeben, trägt ein Bagger den Boden schichtweise ab“, beschreibt ein Mitarbeiter der Dresdner Spezialfirma, die in Wahren im Einsatz war, den Prozess.

Wird ein Sprengkörper entdeckt, übernimmt der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes. Der Sprengmeister schätzt vor Ort die Lage ein und entscheidet situationsabhängig, ob eine Entschärfung möglich oder eine Sprengung unausweichlich ist. „Handelt es sich, wie in Wahren, um eine Bombe mit Langzeitzünder, wird allerdings in der Regel immer kontrolliert gesprengt“, erläutert Jürgen Scherf. Denn gerade die in solchen Bomben verwendeten chemischen Komponenten werden nach Jahrzehnten zunehmend instabil. Schon die kleinste Erschütterung kann dann die Detonation auslösen. Das letzte Wort bei der Entscheidung hat immer der Sprengmeister.

Der entscheidet auch darüber, ob und in welchem Umfang evakuiert werden muss. „Das kommt immer auf die Sprengkraft der Bombe und die örtlichen Gegebenheiten an“, erläutert Scherf. Je größer der Blindgänger und je dichter bebaut das Gebiet, umso größer der Evakuierungsradius. In Wahren waren die Anwohner in einem Umkreis von 750 Metern um den Fundort aufgefordert worden, ihre Wohnungen zu verlassen.

Von bfi

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