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Wildkatzen im Auwald eingewandert – doch hier stecken sie in der Sackgasse

Industrieansiedlungen als Barriere Wildkatzen im Auwald eingewandert – doch hier stecken sie in der Sackgasse

Sie war fast ausgerottet, nun breitet sie sich in Teilen Deutschlands wieder aus – die Europäische Wildkatze. Auch im Leipziger Auwald konnten zwölf Tiere sicher nachgewiesen werden. Damit sie weiterziehen und sich neue Reviere erobern können, brauchen die Wildtiere Korridore in verbundenen Wäldern.

Wildkatzen leben sehr scheu und zurückgezogen in den Wäldern und ernähren sich vorwiegend von Mäusen.

Quelle: Foto: Thomas Stephan

Leipzig. Sie war nahezu ausgerottet, nun breitet sie sich in Teilen Deutschlands wieder aus – die Europäische Wildkatze. Auch im Leipziger Auwald ist sie angekommen. Gesichtet wurde sie schon 2013, der sichere Nachwuchs gelang erstmals 2015. Mittlerweile sind zwölf Tiere im nördlichen Auwald eindeutig nachgewiesen – vier weibliche, sieben männliche, bei einem ist das Geschlecht unklar. Auch Jungtiere hat es schon gegeben. „Die Tiere sind aus Sachsen-Anhalt entlang der Elsteraue eingewandert“, erklärt Almut Gaisbauer vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Sachsen.

Die Chance, einer Wildkatze im Wald zu begegnen, schätzt sie allerdings so gering ein „wie einen Sechser im Lotto, so versteckt leben sie.“ Dennoch könne jeder Einzelne zum Schutz der Wildkatzen und anderer Wildtiere seinen Beitrag leisten: „Im Wald auf den Wegen bleiben, Hunde anleinen, die Tiere in Ruhe lassen und nicht stören“, so die Landschaftsökologin.

Mit den zwölf Tieren ist der Bestand im nördlichen Auwald aber auch schon gesättigt. Die Jungtiere werden noch eine Weile von den Eltern geduldet, doch nach Erreichen der Geschlechtsreife müssen sie abwandern. „Aber wohin, das ist die Frage“, so Gaisbauer. Die Autobahn A 14 und das Industriegebiet um Radefeld mit Porsche, DHL und Flughafen bilden eine Schranke: „Dort ist eine Sackgasse, da kommen sie, wie auch andere Wildtiere, nicht raus“, so die 29-Jährige. Eventuell könnten die Bergbaufolgelandschaft im Leipziger Süden oder die Dübener Heide potenzielle Lebensräume werden.

Der Nachweis, dass Wildkatzen im Auwald leben, erfolgt mit Lockstöcken. Das sind Holzlatten, getränkt mit einer Baldriantinktur. 55 solcher Lockstöcke stehen in den Wäldern rund um Leipzig. Wenn sich die Tiere daran reiben, bleiben Haare zurück. Um eine Verwechslung mit Hauskatzen auszuschließen, werden die Haare genetisch untersucht. „In der Paarungszeit von Januar bis April werden die Lockstöcke wöchentlich kontrolliert. Das machen unsere fast 40 Helfer, die fast alle ehrenamtlich dabei sind“, berichtet die Diplom-Landschaftsökologin. Almut Gaisbauer betreut(e) für den BUND Sachsen das Bundes-Projekt „Wildkatzensprung“. Es lief von 2011 bis 2017 und ist jetzt abgeschlossen. Beteiligt waren Landesverbände des BUND aus zehn Bundesländern. Hunderte ehrenamtlicher Helfer pflanzten 25 000 Bäume und Sträucher, um Wälder durch grüne Pfade miteinander zu vernetzen, und bauten eine Datenbank auf. In Sachsen ist das Projekt allerdings bereits 2013 ausgelaufen. Wie es mit der Überwachung und Förderung der Leipziger Wildkatzen-Population weitergeht, steht in den Sternen. Die Tiere brauchen Korridore, in denen sie durch verbundene Wälder wandern und sich so neue Lebensräume erschließen können. Diese existieren für Sachsen bisher nur im Modell. Mangels Finanzierung konnten sie nicht umgesetzt werden, entsprechende Anträge wurden abgelehnt.

Der deutschlandweite BUND will sich nach Ende des Projekt „Wildkatzensprung“ weiter für die Wildkatze einsetzen – mit der langfristigen Schaffung eines 20 000 Kilometer langen Waldverbundes, der große Teile Deutschlands umfasst. Der Fortschritt kann online in der „Wildkatzendatenbank“ eingesehen werden. Der Landesverband Sachsen will 2017/18 aus eigenen Mitteln noch etwa 20 weitere Lockstöcke im Leipziger Auwald und in der Dübener Heide aufstellen: „Wir wollen wissen, wohin die Tiere wandern“, so Almut Gaisbauer.

Der „Wildkatzensprung“ war eines der größten Naturschutzprojekte Europas und wurde mit 3,85 Millionen Euro vom Bundesumweltministerium gefördert. Während in Nordrhein-Westfalen in der Nähe von Bonn oder in Nord- und Mittelbayern überraschend viele Wildkatzen-Nachweise gelangen, sind im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und in weiten Teilen des deutschen Ostens noch keine Wildkatzen heimisch. Daran zeigt sich, dass sie in diese Gebiete noch nicht wandern konnten und an der Wiederausbreitung gehindert werden.

Die Wildkatze ist im 19. Jahrhundert in weiten Teilen Mitteleuropas nahezu ausgerottet worden. Grund war eine ungezügelte Bejagung, die unter anderem auf falsche Mythen zurückging, die sich um die Wildkatze rankten.

Von Kerstin Decker

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