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Windräder auf dem Dach, Hörsaal im Keller: Neubau am HTWK-Campus eingeweiht

Windräder auf dem Dach, Hörsaal im Keller: Neubau am HTWK-Campus eingeweiht

Es ist ein Haus, in dem Gummibärchen, Biogas oder Rapspresskuchen angezündet werden, um Heizwert und Abgase zu messen. In dem eine begehbare Klima-Prüfkammer zum Test von Lüftungssystemen dient.

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Quelle: Christian Modla

Leipzig. Und in dem sich Windräder auf dem Dach, Roboter im dritten Stock sowie Fräsmaschinen, die von Studenten programmiert werden, in einer Werkstatt im Erdgeschoss drehen.

Am Freitag wurde an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) ein Neubau offiziell übergeben, in dem die Fakultät für Maschinenbau und Energietechnik bereits seit März ihren Sitz hat. Knapp 26 Millionen Euro, die von der EU und vom Freistaat Sachsen kamen, hat der Sechsgeschosser an der Karl-Liebknecht-Straße 134 gekostet.

In einem Experimentierhörsaal, der sich vom Erdgeschoss bis in den Keller spannt, erinnerte Rektorin Gesinde Grande daran, dass die Idee zu diesem Haus bereits vor 20 Jahren entstanden war. Zur damals erstellten Entwicklungskonzeption für die 1992 gegründete Hochschule habe bereits der Plan gehört, die in Markkleeberg - zuletzt an vier Standorten - angesiedelte Fakultät in einem modernen Gebäude am Campus in Connewitz zusammenzufassen. 900 Studenten, 20 Professoren sowie 60 weitere Mitarbeiter (davon die Hälfte aus Drittmitteln finanziert) könnten hier nun exzellente Bedingungen für Forschung und Lehre nutzen.

Finanzminister Georg Unland (CDU) verwies darauf, dass die HTWK in den letzten Jahren mit 120 Millionen Euro zu den Schwerpunkten des Hochschulbaus in Sachsen gezählt habe. Der Zuwachs von mehr als einer halben Milliarde Euro bei den Steuereinnahmen in 2014 sei vor allem für eine bessere Ausstattung der Wissenschaftseinrichtungen und zum Schuldenabbau genutzt worden. "Dies, obwohl nur rund ein Drittel unserer Studienanfänger aus Sachsen kommen."

Auch im neuen Doppelhaushalt sei ein Drittel der Ausgaben für Bildung und Forschung reserviert. "Ich sehe unsere Hochschulen als entscheidendes Schlüsselelement, um junge Leute nach Sachsen zu holen, sie hier gut auszubilden und auch anschließend hier zu halten", sagte Unland vor dem Hintergrund des Verlustes von weiteren 200 000 bis 300 000 Einwohnern, welcher dem Freistaat in den nächsten zehn bis 15 Jahren drohe. Da Unland einst selbst Maschinenbau in Darmstadt studierte, wollte er sich etwas Spott zur "Kunst am Bau" im neuen Haus nicht verkneifen. "Meine Güte, von Getriebelehre hat der Künstler wohl noch nichts gehört", sagte er zu den riesigen zahnradähnlichen Kreisen, die das Ausstellungsfoyer im neuen Nieper-Bau schmücken.

Dieser Name ist das Resultat einer fakultätsweiten Umfrage. Ludwig Nieper war nicht nur einst Rektor der Leipziger Kunsthochschule. Zugleich gründete er 1875 die Städtische Gewerbeschule zu Leipzig als Wurzel der heutigen Fakultät. Unter den 150 Gästen, die Petra Förster vom Bauherren Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) anschließend durch die sechs Etagen führte, gehörte übrigens Julia Nieper, die Ur-Ur-Enkelin des Namensgebers und Architektin in Leipzig.

Im ersten Stock des in Grau, Gelb und Weiß gehaltenen Neubaus liegen die zentralen Räume der Fakultät wie Dekanat und Seminarräume. Im zweiten bis vierten Obergeschoss sind Büros, Praktikumsräumen und Kabinette der Fachgebiete untergebracht. Die Fassade besteht aus hell lackierten Metall-Paneelen, die "den technischen Charakter des Gebäudes unterstreichen", so Förster. Der Entwurf stammt vom Dresdner Architekturbüro AWB. Einzigartig dürfte die Bandbreite von Forschungsanlagen sein. Auf den 5500 Quadratmetern Nutzfläche finden sich Funktionsmodelle für ein Universum von technischen Anlagen, darunter bis zu 90 Meter tiefe Sonden für Erdwärme-Forschung und auf der Freifläche direkt daneben eine Versuchsanlage, in der das Strömungsverhalten von Fließgewässern erforscht werden kann.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.05.2015

Jens Rometsch

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