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Lokales „Wir fühlen uns nicht allein“ - Flüchtlinge und ihre Paten in Leipzig
Leipzig Lokales „Wir fühlen uns nicht allein“ - Flüchtlinge und ihre Paten in Leipzig
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09:44 15.11.2014
Familie Hadi aus Afghanistan. Quelle: dpa
Leipzig

„Mein Mann, der Architekt ist, und unsere zwei Söhne machen begeistert mit“, berichtet die OP-Schwester Birgit Morkramer. „Wir fühlen uns nicht allein“, sagt die 44-jährige Gulalai Hadi, die in ihrer afghanischen Heimat als Chemielehrerin gearbeitet hat.

Kennengelernt haben sich die Familien über das Programm „Ankommen in Leipzig. Paten für Flüchtlinge“. Dafür haben sich in der sächsischen Messestadt bereits 100 Paten gefunden. „Unser Jahresziel lag zum Projektbeginn im Februar bei 50“, berichtet Sonja Brogiato, Sprecherin des Leipziger Flüchtlingsrates, der als Träger für das kommunale Projekt fungiert. Da die Ehrenamtler meist ganze Familien betreuen, hätten inzwischen etwa 400 Flüchtlinge einen Paten. Diese helfen etwa beim Einkaufen, bei der Wohnungssuche oder beim Deutsch-Lernen.

„Es ist eine sehr gute Idee“, meint Iqbal Hadi (49), der in Afghanistan Taxifahrer war, in Deutschland aber nicht arbeiten darf. „Das zermürbt die Menschen, wenn sie nichts zu tun haben“, sagt Brogiato. Ein Pate, der Zahnarzt ist, lässt einen syrischen Berufskollegen in seiner Praxis „mitlaufen“, damit dieser die deutschen Bezeichnungen für die Instrumente kennenlernt. „Der Syrer fühlt sich dann nicht als Opfer der Verhältnisse, sondern sieht sich in seiner Fachkompetenz angenommen und anerkannt“, erklärt die Sprecherin des Flüchtlingsrates.

Birgit Morkramer möchte „die andere Kultur kennenlernen, wissen, wie eine Großfamilie in Afghanistan lebt, viele Fragen stellen, zum Beispiel dazu, ob für Nepton ein Mann ausgesucht wird.“ Nepton ist die 13-jährige Tochter der Hadis. Sie und ihr Bruder Mustafa (15) gehen in die 20. Oberschule, wo sie zunächst intensiven Deutschunterricht haben. „Am Anfang war es am schwierigsten, nicht deutsch sprechen zu können“, sagen die Hadis. Und: „Wenn wir die Sprache gut können und eine Aufenthaltserlaubnis haben, würden wir gern arbeiten.“

Sie vermissen die anderen Mitglieder ihrer Familie, die in Afghanistan zurück bleiben mussten. „Den Kontakt halten wir über das Internet und Skype“, erzählt Mustafa. Familie Hadi wohnt zwar in einer Gemeinschaftsunterkunft, in der sie aber eine Wohnung für sich hat. Mustafa ist sich noch nicht sicher, was er später einmal werden will. „Vielleicht Rechtsanwalt“, sagt er. Nepton dagegen weiß genau, wohin ihr Weg sie führen soll. „Ich werde Sozialarbeiterin, um Menschen zu helfen“, erklärt sie bestimmt. Ausschlaggebend für den Berufswunsch waren die Erfahrungen, die sie in Leipzig gemacht hat. Denn: „In Afghanistan gibt es keine Sozialarbeiter.“

Jörg Aberger

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