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Lokales "Wir haben einen gemeinsamen Vorfahren": Leipziger Bonobo-Forscher im Interview
Leipzig Lokales "Wir haben einen gemeinsamen Vorfahren": Leipziger Bonobo-Forscher im Interview
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17:03 18.06.2013
Kay Prüfer vom Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie hat das Genom des Bonobos entschlüsselt. Quelle: Privat
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Leipzig

Herr Prüfer, seit Kurzem kennen Sie das komplette Genom des Bonobo-Affen. Wie sehr unterscheidet sich die Affen-DNA denn von der des Menschen?

Ungefähr 1,3 Prozent der DNA-Basen sind unterschiedlich. Zwischen Schimpansen und Bonobos sind es nur 0,4 Prozent. Das liegt daran, dass Schimpansen und Bonobos einen gemeinsamen Vorfahren hatten, der vor kürzerer Zeit gelebt hat als der gemeinsame Vorfahre mit dem Menschen. Die Affen sind also enger miteinander verwandt als jede einzelne Art mit dem Menschen.

Leipzig. Kay Prüfer vom Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie hat das Genom des Bonobos entschlüsselt. Wie sehr wir den Menschenaffen ähneln und ob wir tatsächlich von ihnen abstammen, verrät der 35-Jährige im Interview.

Sind Menschen demnach auch Affen?

Ich würde nicht denken, dass Menschen fundamental anders sind als Schimpansen. Ich finde diese Begriffe aber wenig hilfreich. Ich fühle mich besser, zu wissen, dass es so und soviel Prozent Unterschied sind. Wenn ich mir die Zahlen ansehe, dann weiß ich, wer näher mit wem verwandt ist – ohne dass ich eine Grenze ziehen muss – und sage, ab der Stelle ist es eine unterschiedliche Spezies.

Wenn die Menschen- und Affen-DNA fast identisch ist, warum sieht der Mensch trotzdem so anders aus?

Es ist ja nicht so, dass wir komplett anders aussehen als Schimpansen. Wir sind ihnen recht ähnlich: Wir atmen, wir haben Lunge, Leber, Herz und Gehirn. Bei einem Genom, das drei Milliarden Basen lang ist, machen 1,3 Prozent aber trotzdem eine ganze Menge Unterschiede, die daran schuld sind, dass wir verschieden aussehen.

Ein Unterschied liegt im Sprachvermögen: Können Sie auf dem Bonobo-Genom erkennen, warum Menschen sprechen können, Affen aber nicht?

Nein. Was wir nicht können, ist auf die DNA-Sequenz zu schauen und zu sagen, dieser Unterschied führt dazu. Soweit sind wir leider noch nicht. Wir verstehen noch nicht genug, wie sich ein einzelner Unterschied auswirkt.

Aber Sie versuchen bei Ihrer Forschung herauszufinden, was das typisch Menschliche ausmacht?

Das ist unser erklärtes Ziel. Ein Weg, wie man sich langsam vorwärts kämpfen kann, ist, viele Genome zu nehmen und nach den Änderungen zu fragen, die spezifisch beim Menschen passiert sind. Eine Möglichkeit ist, die ganzen Genome der Menschenaffen zu sequenzieren und zu fragen, welche Varianten sind die gleichen und wo ist der Mensch anders. Das sind dann wahrscheinlich Varianten, die vor kurzer Zeit auf der menschlichen Linie geschehen sind.

Wenn Sie von „kurzer Zeit“ sprechen, meinen Sie?

Millionen von Jahre. Das ist kurz in evolutionären Zeiträumen.

Kann man sagen, dass der Mensch vom Affen abstammt?

Das klingt immer so, als ob wir direkt vom Schimpansen abstammen. Das stimmt natürlich nicht. Wir haben einen gemeinsamen Vorfahren. Wie der aussah, wissen wir nicht hundertprozentig. Er könnte ein bisschen ausgesehen haben wie ein Schimpanse, auch ein bisschen wie ein Mensch. Der Schimpanse hat sich in eine Richtung weiter entwickelt, er hat sich darauf spezialisiert, in Bäumen zu klettern. Wir Menschen haben uns darauf spezialisiert, aufrecht zu laufen.

Interview: Gina Apitz

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