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Lokales „Wir haben zehn bis 20 Umzüge im Monat“
Leipzig Lokales „Wir haben zehn bis 20 Umzüge im Monat“
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00:18 05.12.2016
Gemeinschaftsunterkünfte wie im Messegrund (oben) sind nur Übergangslösungen. Die Zahl der Flüchtlinge, die Hartz IV (SGB II) erhält, steigt (unten). Quelle: André Kempner
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Leipzig

Seit Oktober 2015 engagiert sich Peterskirchen-Pfarrer Andreas Dohrn für Flüchtlinge. Zunächst hat er ihnen mit seinem Internetportal www.fluechtlingswohnung geholfen; seit Anfang 2016 über die „Kontaktstelle Wohnen“. 300 Flüchtlinge sind durch ihn schon umgezogen. „Wir haben zehn bis 20 Umzüge im Monat“, berichtet er. „Weitere 240 Geflüchtete brauchen zeitnah unsere Unterstützung.“ Aktuell würden in Leipzig mehr als tausend Neuankömmlinge eine Möglichkeit suchen, in eine eigene Wohnung oder in eine Wohngemeinschaft zu ziehen.

Dass sich an diesem Ansturm etwas ändert, glaubt der Pfarrer nicht. Allein in diesem Jahr sei das 2,5-Fache der Flüchtlinge nach Leipzig gekommen, als einst in „normalen Jahren“, berichtet er. Hilfsangebote wie die der Kontaktstelle seien deshalb wichtiger denn je. „Unser Verein beschäftigt zurzeit fünf Teilzeitkräfte. Im nächsten Jahr brauchen wir eigentlich sechs bis sieben.“

Der Hilfsbereitschaft der Leipziger ist weiterhin enorm. Seit Oktober 2015 haben sich bei der Initiative 736 Paten gemeldet, die bei der Suche nach Wohnraum helfen. „Jeden Monat melden sich rund 20 neue Paten, die von uns geschult, begleitet und weitergebildet werden“, so Dohrn. Auch Stiftungen, die bundesweite Modellvorhaben finanziell unterstützen, sind auf die Initiative aufmerksam geworden. Die Hamburger „Do-“Stiftung“ hat für das Jahr 2017 bereits 3000 Euro fest bewilligt. Bei der renommierten „Robert-Bosch-Stiftung“ hat es der Fördermittelantrag bis in die Endauswahl geschafft. und wollen sie 2017 unterstützen

Trotzdem drücken finanzielle Sorgen. „Für unsere Fördermittelanträge bei der Stadt Leipzig und beim Freistaat müssen wir insgesamt 10 000 Euro Eigenmittel aufbringen“, so Dohrn. „7360 Euro haben wir bisher durch Benefizveranstaltungen und Spenden eingenommen.“ Das restliche Geld soll jetzt auch mit Hilfe der Internet-Spendenplattformwww.betterplace.org eingeworben werden.

Auch die Fälle, bei denen Migranten einen Mitarbeiter der stadteigenen Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft bestochen haben, um an preisgünstige Sozialwohnungen zu kommen, sieht der Pfarrer differenziert. „Wenn es Korruption gibt, dann ist das ein Problem der betroffenen Firmen“, meint er. Und: „Wer in ein Schlauchboot gestiegen ist, obwohl er nicht wusste, ob er am anderen Ufer lebend ankommt, der hat einen extrem starken Willen. Der macht alles, um eine neue Lebensperspektive zu finden – bei der Arbeit, bei der Bildung und auch beim Wohnen.“

Von Andreas Tappert

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