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Lokales Wirt Andreas Bürger gibt das Volkshaus ab
Leipzig Lokales Wirt Andreas Bürger gibt das Volkshaus ab
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10:01 26.08.2018
Vor gut 20 Jahren gab er seinen Leitungsposten bei der Lufthansa auf, um Gastronom in Leipzig zu werden: Andreas Bürger. Nun verkündet er seinen Abschied vom Volkshaus. Quelle: Foto: Dirk Knofe
Leipzig

Für viele kam die Nachricht überraschend: Andreas Bürger gibt das Volkshaus ab. Wir sprachen mit dem Mann, der vor über 20 Jahren seinen gut bezahlten leitenden Job bei der Lufthansa an den Nagel hängte, weil er in Leipzig sesshaft werden wollte.

Wie kommt‘s zu diesem Entschluss?

Er hat letztlich mit runden Zahlen zu tun: Ich bin 60 geworden und betreibe das Volkshaus seit 20 Jahren. Wie lange soll ich das noch machen, habe ich mich gefragt. Eine Kneipe zu betreiben, kostet viel Zeit und Kraft. Ich möchte mehr Zeit für meine Familie und mich haben, möchte einfach mal spontan mit meinem 15-jährigen Sohn einen Kurzurlaub machen können, ohne daran denken zu müssen, ob im Betrieb alles rund läuft.

Wer übernimmt das Volkshaus?

Carl Pfeiffer, der unter anderem schon Luise, KilliWilly und Kaiserbad betreibt. Nach dem 30. September gebe ich die Schlüssel ab. Wie ich höre, wird dann erstmal umgebaut. Trotzdem ist die Ansage, dass das Volkshaus das Volkshaus bleiben soll – eine Location für alle.

Wie geht‘s nach dem Abschied persönlich weiter?

Ich bin in der glücklichen Situation, mir finanziell keine großen Sorgen machen zu müssen. Beschäftigungslos sein will und kann ich aber auch noch nicht. Zur Zeit lasse ich mir ein kleines Ausschankmobil von einem Spezial-Hersteller an der Mosel auf ein Piaggio-Chassis bauen, das ich Ende September abhole. Damit kann ich dann an verschiedensten Orten und zu verschiedensten Anlässen Getränke ausschenken.

Sie legen am 29. September ein letztes Mal auf…

Nein – das ist der zweite Spaß machende „Nebenjob“. Im Volkshaus wird es vielleicht der Abschied sein, aber ich möchte ab und zu weiterhin als DJ vor den Plattentellern stehen. Am 27. Oktober beispielsweise setze ich meine „Discotronic“-Reihe im Pool Garden fort. Auch danach sind Termine schon fest geplant.

Wie schwer fällt Ihnen das Abgeben, überwiegt Melancholie oder Freude?

Es hält sich die Waage. Nach der Einigung mit dem neuen Volkshaus-Betreiber überwog erst einmal die Erleichterung, die Ahnung von neuer Freiheit. Seit mein Entschluss bekannt ist, schaue ich oft in lange Gesichter, und manchmal fällt mir die Vorstellung schon schwer, plötzlich nicht mehr für den Betrieb planen oder einkaufen zu müssen. Aber ich denke, der Zeitpunkt ist absolut richtig.

Welches Ereignis rund ums Volkshaus werden Sie nie vergessen, im Positiven wie im Negativen?

In negativer Hinsicht vor allem den Tod eines langjährigen Mitarbeiters vor einem Jahr, mit dem ich freundschaftlich-kollegial verbunden war. Das hat viel in mir ausgelöst und sicher zu meinem jetzigen Entschluss beigetragen. Positive Erlebnisse gab es ohne Ende – schon allein die dreitägige Eröffnungsfeier, die vielen Silvesterparties oder die Stimmung beim deutschen Titelgewinn bei der Fußball-Weltmeisterschaft vor vier Jahren.

Wie gut verkraftbar war der große Umbau der Karli 2014 und 2015?

Das war keine leichte Zeit und hat geschäftliche Einbußen mit sich gebracht. Und auch wenn ich weiß, dass der Umbau für die Straße notwendig war: Ich fand die Karli vorher atmosphärisch schöner; viele Maßnahmen waren zu radikal, nehmen wir nur das Fällen der schönen Platanen. Die Gestaltung der Straßenbeleuchtung, die Umsetzung der Parkbuchten und die unsinnige Ampelschaltung beispielsweise gefallen mir überhaupt nicht. Insgesamt hat die Karli etwas an Charme verloren, ist aber trotzdem eine vitale und wichtige Straße geblieben. Sie hat nach wie vor eine Menge zu bieten.

Trauern Sie dem Karli-Beben hinterher, das als Baustellen-Party begann und bis zuletzt gefeiert wurde?

Im April hat das Fest ja noch mal in den Locations stattgefunden, recht erfolgreich. Mal sehen, wie es weitergeht. In den letzten Jahren jedenfalls hat das Karli-Beben für ein buntes Treiben in der Straße gesorgt und wurde zur Kultveranstaltung. Doch die Behörden und städtische Betriebe wie die LVB oder die Stadtreinigung sind uns nicht so entgegengekommen, wie wir uns das gewünscht hätten. Das war nicht gerade förderlich für die Fortsetzung des Straßenfestes.

Noch mal zurück zum Platten-Auflegen: Gibt’s den Song, den Sie immer auflegen würden?

Den einen Song kann ich nicht benennen. David Bowie war für mich immer ein unfassbar genialer Künstler, den ich sehr verehre. Aber zum Tanzen eignet er sich nicht durchweg. Es gibt natürlich ein paar Stücke, von denen ich weiß: Die laufen so gut wie immer.

Welche sind das?

Bowies Duett mit Freddie Mercury, „Under Pressure“. Auch „Small Town Boy“ von Bronski Beat, „We Are The People“ von Empire Of The Sun oder „A Girl Like You“ von Edwyn Collins.

Interview: Mark Daniel

Am 29. September feiert Andreas Bürger als DJ D. Kool Abschied vom Volkshaus – mit einem Mix aus seinen Reihgen „Beat Crazy“, „Solid Ground“, „Be Here Now“ und „Discotronic“; Beginn ist um 20 Uhr.

Von Mark Daniel

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