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Wirtschaft fordert Bus-Shuttles für den Leipziger Norden

Schlechte Anbindung kritisiert Wirtschaft fordert Bus-Shuttles für den Leipziger Norden

Im Leipziger Norden sind in den letzten Jahren Tausende Arbeitsplätze entstanden. Doch die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln basiert noch auf dem Nahverkehrsplan von 2007 und ist völlig unzureichend. Das soll sich bald ändern.

Zum Leipziger BMW-Werk fahren die Busse des öffentlichen Nahverkehrs nur im Stundentakt. Schon deshalb kommen die meisten Mitarbeiter lieber mit dem Auto zur Schicht. Andernorts im Stadtgebiet fahren Busse und Straßenbahnen nicht selten alle fünf oder zehn Minuten ab.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Zehntausende Menschen arbeiten inzwischen in den Industrie- und Gewerbegebieten des Leipziger Nordens. Die allermeisten von ihnen fahren täglich mit dem Auto bis vors Werktor. Denn die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖPNV) ist dort meist nicht berühmt.

„Es reicht keineswegs, wenn in den Industriepark Nord mit BMW und etlichen Zulieferern nur einmal pro Stunde ein klappriger Bus fährt.“ Das sagte Michael Schimansky, Leiter des Leipziger Amtes für Wirtschaftsförderung, jetzt bei einem Verkehrsforum der Industrie- und Handelskammer. Auch viele andere Bereiche des Wirtschaftsgürtels an der Autobahn 14, etwa das ehemalige Quelle-Areal oder kleinere Gewerbegebiete, verfügten nur über ein ÖPNV-Angebot, das Schimansky bei dem Forum mit dem Wort „unterirdisch“ beschrieb. „Selbst wenn dann mal ein Bus kommt, ist man noch lange unterwegs, weil er über alle möglichen Mini-Dörfer fährt. Dabei sitzt im Nordraum ein Großteil unserer Steuerzahler. Es kann nicht sein, dass sie nur als hinterletzte Haltestelle bedient werden.“

Auch auf Wunsch der Stadt hatte Peter Gebauer einen wichtigen Betriebsteil seiner Leipziger Spedition nach Radefeld verlegt. „Dieser Standort ist für uns eigentlich ideal, nur per ÖPNV so gut wie nicht zu erreichen“, kritisierte der Unternehmer. „Ich habe schon Angst, dass ich dadurch Mitarbeiter verliere.“

Zum Beispiel benötige einer seiner Lehrlinge jeden Morgen über eine Stunde, um per S-Bahn und Bus von der Südvorstadt bis zum Güterverkehrszentrum (GVZ) zu fahren. Von dort laufe er dann bei Wind und Wetter über die Autobahnbrücke bis nach Radefeld. „Zwar könnte er das letzte Stück auch mit einem anderen Bus fahren. Aber das würde noch mal sehr lange dauern und deutlich mehr kosten, weil die Tarifzone Leipzig gleich hinter dem GVZ endet.“ Von einem Bekannten wisse er zudem, dass dieser Mann aus Knautkleeberg jeden Morgen 4.30 Uhr zur Straßenbahn eilt, um pünktlich 6 Uhr im GVZ einzutreffen. „Ein Teil meiner Mitarbeiter bildet nun Autofahrgemeinschaften, um diesem Stress zu entgehen.“

Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) erklärten auf Nachfrage, sie könnten nun mal nur wirtschaftlich tragfähige Linien anbieten. Bus-Takte über den „Grundbedarf“ hinaus seien nur dort möglich, wo sich die Unternehmen vor Ort an den Kosten beteiligen, so LVB-Sprecherin Katja Gläß. Ein gutes Beispiel dafür sei Porsche. Der Sportwagen-Bauer nehme den Verkehrsbetrieben seit knapp zwei Jahren ein festes Kontingent an Jobtickets ab. Dafür sei im Dezember 2014 die Buslinie 91 (vom Rathaus Wahren zum GVZ) von einem Stundentakt auf Halbstundentakt umgestellt worden. Auch habe sich die Fahrtzeit seitdem durch „Strecken-Optimierungen“ um zehn Minuten verkürzt.

Andernorts führt das spärliche Angebot jedoch noch immer dazu, dass sich potenzielle Passagiere auf verschiedenen Strecken auskennen müssten, um in halbwegs akzeptablen Takten wichtige Firmen – etwa Ferag oder Future Electronics – zu erreichen. Je nach Uhrzeit und Route schwankt die Reisedauer vom Wilhelm-Leuschner-Platz zum Haupteingang des BMW-Werks zwischen 35 Minuten und über einer Stunde. Die Fahrpläne für die Linien 80, 81, 82 und 86, welche den Industriepark Nord anbinden sollen, sind so kompliziert und teils mit Verweisen auf Anrufsammeltaxis gespickt, dass Unkundige auch nach längerem Studium kaum daraus schlau werden. Spediteur Gebauer, der zugleich den Verkehrsausschuss der IHK leitet, weiß von vielen Beschäftigten, die Angst haben, nach möglichen Überstunden überhaupt nicht mehr nach Hause zu kommen. „Das ÖPNV-Angebot muss deutlich attraktiver werden – dann würden etliche Beschäftigte umsatteln.“

Gemeinsam mit den Firmen habe das Amt für Wirtschaftsförderung jüngst in anonymisierter Form die Wohnorte und Fahrtwege von 10 000 Mitarbeitern bei BMW sowie Automobil-Zulieferern analysiert, berichtete Schimansky. „Daher wissen wir, dass hier ein großes Potenzial für den ÖPNV und die Verringerung des Autoverkehrs brachliegt.“ Wenn Leipzig wirklich auf mehr als 700 000 Einwohner wachsen und mit anderen Wirtschaftsmetropolen Schritt halten wolle, müsse der hiesige Industrie-Besatz verdoppelt werden. „Da kann ich nicht zu den Unternehmen gehen und sagen, ich brauche von euch 100 000 Euro für jeden zusätzlichen Bus“, sagte er. Schon länger liefen dazu Gespräche zwischen Firmen, Stadt und LVB „Wir brauchen attraktive Angebote, echte Shuttle-Verbindungen zumindest bis zu den jeweils nächsten S-Bahn-Stationen. Und zwar noch dieses Jahr.“

Von Jens Rometsch

Leipzig 51.3396955 12.3730747
Leipzig
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