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Lokales Wirtschaft fordert neue Impulse für Leipzigs Wohnungsmarkt
Leipzig Lokales Wirtschaft fordert neue Impulse für Leipzigs Wohnungsmarkt
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07:03 28.11.2018
Diskussionsrunde im Sitzungssaal der Deutschen Bank: Volker Lux (Handwerkskammer), Mathias Reuschel (Gemeinsam für Leipzig), Kristian Kirpal (Industrie- und Handelskammer), Oberbürgermeister Burkhard Jung, Hartmut Bunsen (Unternehmerverband Sachsen) und Moderator Ulrich Milde, Leiter der LVZ-Wirtschaftszeitung (von links). Quelle: André Kempner
Leipzig

In der Wirtschaft werden Forderungen nach Kurskorrekturen in Leipzigs Wohnungspolitik laut. Die Stadt sollte sich auf dauerhaft hohe Miete einstellen und ihr Wohngeld für Hilfebezieher erhöhen, damit diese leichter eine Wohnung finden, heißt es. Auch die Verkehrsverbindungen ins Leipziger Umland sollten verbessert werden, damit sich Geringverdiener dort preisgünstig einmieten können.

Die Forderungen wurden am Montagabend auf einen Unternehmer-Forum laut, das die Deutsche Bank jedes Jahr organisiert, um Wirtschaft und Politik zusammenzubringen. „Auch diesmal ist wieder Leipzigs geballte Wirtschaftskraft vertreten“, begrüßte Hausherr Markus Wägner die Gäste im Historischen Sitzungssaal der Bank am Martin-Luther-Ring.

Nur 1500 neue Wohnungen pro Jahr

Gekommen war auch Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Er räumte ein, dass in Leipzig jährlich lediglich 1500 neue Wohnungen entstehen, denen ein jährlicher Zuzug von 5000 bis 8000 Menschen gegenübersteht. „Das ist einfach zu wenig“, konstatierte er.

IHK-Präsident Kristian Kirpal betonte, dass dies nicht an der Bauwirtschaft liege. „Die Mietpreise müssen das Bauen ermöglichen“, erklärte er. Die Baupreissteigerungen seien auch einer längst überfälligen Anpassung des Lohngefüges in der Bauwirtschaft geschuldet. Es sei gerechtfertigt, dass viele Bauleute jetzt mehr als den Mindestlohn verdienen.

Handwerker haben Auftragsvorläufe von 14 Wochen

„Es ist eine Illusion, dass wir Dinge wie die hohen Brandschutzauflagen und energetischen Vorschriften kurzfristig senken können“, ergänzte Mathias Reuschel vom Verein Gemeinsam für Leipzig und schlussfolgerte: Die Stadt sollte sich darauf einstellen, dass die hohen Mieten in Leipzig dauerhaft Bestand haben oder sogar noch steigen könnten.

Auch die Auslastung der örtlichen Bauwirtschaft spricht dafür, dass kurzfristig keine Reduzierung der Baupreise zu erwarten ist. „Die Ausbaugewerke haben Auftragsvorläufe bis zu 14 Wochen“, sagte Volker Lux, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig. Er empfahl Jung, künftig noch stärker „über vernünftige und preiswerte Mobilität“ zu setzen. „Vielleicht schaffen wir es gar nicht mehr, in dieser Stadt preiswert zu wohnen,“ so Lux, „sondern müssen mehr Menschen in der Peripherie wohnen lassen.“

Wohngeld in Dresden deutlich höher

Jung betonte, dass die Stadt diesen Kurs nicht einschlagen will. „Wir wollen alles versuchen, auch Geringverdiener in Leipzig zu halten. Ich will in Leipzig keine Münchner Verhältnisse“, betonte er. „Aber ich weiß, auch das kommt unweigerlich auf uns zu. Auch weil wir es nicht schaffen, genug Wohnungen zu bauen.“

Reuschel empfahl dem OBM, das Wohngeld für Hartz-IV-Empfänger zu erhöhen. „Dadurch entsteht am Wohnungsmarkt mehr finanzieller Spielraum für Menschen, die solche Hilfen benötigen“, warb er. In Dresden sei das Wohngeld bereits jetzt „deutlich höher als in Leipzig“.

Angst vor neuer Mietpreis-Spirale

Jung entgegnete, Leipzig gebe bereits jährlich 180 Millionen Euro für solche Hilfen aus und habe verfolgt, wie sich die Anhebung der Hilfe-Sätze in Dresden auswirkt. Dort sei damit „eine Spirale der Mietpreisentwicklung nach oben“ in Gang gekommen, erklärte er. Da Hilfebezieher nur das niedrigste Segment des Wohnungsmarktes nutzen, habe es zunächst dort eine deutliche Verteuerung gegeben. Anschließend seien auch die Mietpreise in den anderen Segmenten des Wohnungsmarktes angestiegen. „Da hätten wir nichts gekonnt.“

Der OBM bekräftigte, die Stadt versuche stattdessen mit Schritten wie einer Überarbeitung der Stellplatzsatzung zu erreichenhohe Mieten zu bekämpfen. Ziel sei, dass in Leipzig mehr Neubauten ohne kostentreibende Tiefgaragen entstehen, die dann mit günstigeren Mieten angeboten werden.

Die Wirtschaft sieht dies kritisch. Dadurch werde nur der ohnehin schon zu hohe Parkdruck auf die knappen öffentlichen Parkflächen weiter steigen, prophezeite Kirpal. Denn Autobesitzer würden ihre Autos dann verstärkt dort abstellen. Der Kammerpräsident forderte, dass die Stadt „große Lösungen auf die Reise schickt“, um Leipzigs wachsende Wohnungsprobleme in den Griff zu bekommen.

Von Andreas Tappert

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