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Wirtschaftsminister Morlok hofft auf Fertigstellung des City-Tunnels 2013

Wirtschaftsminister Morlok hofft auf Fertigstellung des City-Tunnels 2013

Die Baukosten des City-Tunnels in Leipzig klettern unaufhörlich weiter. Mit der aktuellen Prognose von 893 Millionen Euro werden die tatsächlichen Kosten 322 Millionen Euro über der ursprünglich veranschlagten Summe liegen.

. Und der Freistaat Sachsen muss fast alles aus der eigenen Tasche zahlen. Auf eine genaue Prognose, wann der Tunnel in Betrieb genommen werden kann, will Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) sich nicht festlegen. "Zehn Jahre Bauzeit sind genug", sagt er im LVZ-Interview und hofft, dass 2013 die ersten Züge durch den Tunnel rollen.

 

 

Frage: Herr Morlok, Sie sind der dritte Wirtschaftsminister, auf dessen Tisch das Tunnel-Projekt liegt. Wie gehen Sie damit um?

 

 

Sven Morlok: Wissen Sie, eines habe ich mir als Leipziger und Tunnelbefürworter auf die Agenda gesetzt: Aufklärung und Transparenz sind für mich oberstes Gebot. Ich will nicht wie mein Amtsvorgänger der Getriebene sein und der Realität hinterherlaufen. Und ich will den Bürgern erklären können, woran es liegt, dass die Kosten bei dem Projekt so enorm steigen. Das sind wir dem Steuerzahler schuldig. Was liegt da näher als eine unabhängige Prüfinstanz wie den Rechnungshof zu bitten, auf Ursachenforschung zu gehen. In welchem Umfang die Kosten weiter steigen, kann ich noch nicht sagen. Auf jeden Fall werde ich dafür sorgen, dass die Kostenkontrolle verschärft wird.

 

 

Gibt es erste Spekulationen, woran die Kostensteigerungen liegen?

 

 

Meine ersten Recherchen ergaben, dass es bereits vor Baubeginn Zweifel gab, dass die veranschlagten Mittel ausreichen werden. Die Hauptgründe für die hohen Kosten könnten eine unzureichende Planung, Baupfusch bei anderen Baumaßnahmen, zum Beispiel dem Hauptbahnhof, explodierende Rohstoffpreise und die Verlängerung der Bauzeit sein. Teilweise wurden Bauverfahren geplant, die sich in der Praxis als nicht umsetzbar erwiesen. 

 

 

Haben Sie dafür ein Beispiel?

 

 

Ein Beispiel sind die Übergänge zwischen Tunnelröhre und Stationen. Anstatt einer Stahlkonstruktion mussten hier massive Betonblöcke in den Untergrund eingebracht werden, um die Gefahr eines Grundwassereinbruches zu beseitigen. Allein diese Maßnahme hat 30 Millionen Euro Mehrkosten verursacht. 

 

 

Also ist alles schlecht?

 

 

Wir haben wahrscheinlich eines der anspruchsvollsten Tunnelbau-Projekte Deutschlands, das haarscharf unter einer historischen Innenstadt hindurch geführt wurde, ohne wesentliche Gebäudeschäden und vor allem ohne den Verlust von Menschenleben geschafft. Dafür gebührt allen am Bau Beteiligten ein ganz großer Dank. 

 

Trägt der Freistaat wirklich das gesamte finanzielle Risiko?

 

 

Beinahe. Vor dem Hintergrund der erwähnten Zweifel an der Finanzierbarkeit sind unsere Partner ganz tief in Deckung gegangen. Ex-Bahnchef Mehdorn hatte im März 2000 eigens eine interne Prüfung der Baukosten angeordnet, in deren Ergebnis ein hohes Kostenrisiko infolge fehlender Planungstiefe festgestellt wurde. Dies führte am Ende dazu, dass die Bahn ihre Beteiligung an möglichen Mehrkosten auf den verhältnismäßig geringen Betrag von 1,6 Millionen Euro gedeckelt hat. 

 

 

Wie verhält es sich mit den anderen Partnern? 

 

 

Ähnlich. Der Bund beteiligt sich lediglich an den so genannten allgemeinen Preissteigerungen, die einen vergleichsweise geringen Teil der Mehrkosten ausmachen. Leipzig wird sich voraussichtlich überhaupt nicht an den Mehrkosten beteiligen. 

 

Wie will Sachsen die enormen Mehrkosten finanzieren?

 

 

Das wird Gegenstand der Haushaltsverhandlungen mit dem Finanzminister sein. Aber eines ist klar, einen Kahlschlag bei den anderen ÖPNV-Vorhaben oder im Straßenbau darf es nicht geben. Darüber sind wir uns in der Koalition einig.

 

 

Zunächst sollte der Tunnel 2007 fertig sein, später 2009, dann 2012 und jetzt 2013. Ist das der Endstand?

 

 

Auf diese Aussage werden Sie mich nicht festnageln. Noch habe ich kein Prüfergebnis des Projektsteuerers Deges, wo wir am Ende landen werden. Ich rechne damit, dass es nicht mehr 2012 wird. Aber 2013 sollte dann der Tunnel wirklich in Betrieb gehen, zehn Jahre Bauzeit sind genug. 

 

 

Wird der City-Tunnel nach seiner Fertigstellung wenigstens der erwartete Erfolg?

 

 

Da bin ich mir ganz sicher. Zurzeit hat Leipzig keine S-Bahn, die diesen Namen verdient. Mit der Fertigstellung des Tunnels und der Inbetriebnahme des Mitteldeutschen S-Bahn-Netzes wird sich das schlagartig ändern. Nicht umsonst bewerben sich die großen europäischen Eisenbahnunternehmen um den Auftrag, das entstehende Netz befahren zu dürfen. 

 

 

Was spricht aus Ihrer Sicht noch für den Tunnel? 

 

 

Für die Leipziger und vor allem auch für die Bewohner der umliegenden Regionen entstehen viele tolle Möglichkeiten, die attraktive Leipziger City sicher, bequem, umweltfreundlich, umsteigefrei und kostengünstig zu erreichen. Darüber hinaus werden auch die infrastrukturellen Voraussetzungen für direkte Fernverkehre auf der Nord-Süd-Relation geschaffen, von denen beispielsweise Chemnitz und das Vogtland profitieren können. Lassen Sie mich eine Prognose wagen: Wenn Ende 2013 die Rolltreppen am Leipziger Markt laufen, wird kein Mensch mehr über die Schwierigkeiten von heute reden.

Ulrich Milde

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