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Lokales Wissenschaft in Gelb, Blau und Grün
Leipzig Lokales Wissenschaft in Gelb, Blau und Grün
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20:19 09.01.2019
Frisch saniert: Neues Haus D in der Liebigstraße. Quelle: André Kempner
Leipzig

Von einem „besonderen Dreiklang“ spricht Beate Schücking, Rektorin der Universität Leipzig. Eine Harmonie, die man mehr sehen als hören kann: gelb, blau und grün. Dirk Diedrichs, Amtschef im Sächsischen Finanzministerium, sowie Wissenschaftsstaatssekretär Uwe Gaul (SPD) haben am Mittwoch im frisch sanierten und umgebauten Haus D auf dem Medizin-Campus nicht nur einen einzelnen symbolischen Schlüssel überreicht, sondern gleich drei: Einen gelben bekam Grit Schräpel vom Studentenwerk, ein blauer ging an Charlotte Bauer von der Universitätsbibliothek und ein grüner an Schücking. „Das passt gut zu Leipzig“, findet die Rektorin. „Man darf die Bedeutung eines Gebäudes nicht un­terschätzen, wenn es darum geht, fächerübergreifend zusammenzuarbeiten.“

Mensa, Medizin-Bibliothek, Lernklinik: In der Liebigstraße hat die Uni Leipzig am Mittwoch offiziell das frisch sanierte und umgebaute Haus D übernommen.

Gelbe Wände führen im Treppenhaus zur Mensa, die auf 1400 Quadratmetern unten im sogenannten „Gartengeschoss“ untergebracht ist. Das Studentenwerk will dort voraussichtlich vom Beginn des Sommersemesters an täglich 1400 Essensportionen ausgeben. In zwei Speisesälen stehen 400 Plätze zur Verfügung, 84 weitere auf einem Freisitz.

Blau ist die Farbe der neuen Bibliothek für Medizin und Naturwissenschaften, die bereits seit Herbst geöffnet ist. Wie berichtet sind hier 14 vormalige Standorte zu einem einzigen geworden, mit rund 130 000 Büchern. „Erstmals haben unsere Medizinstudenten eine vernünftige Bibliothek“, freut sich Bauer, die Bibliothekarin. „Von Anfang an war es hier stets rappelvoll.“ 377 Arbeitsplätze verteilen sich auf die 3500 Quadratmeter, einige von ihnen an Stehtischen und Sofas, andere in Gruppenräumen. Auch ein Eltern-Kind-Raum ist vorhanden.

Vom maroden einstigen „Speisenversorgungszentrum“ in der Liebigstraße – volkstümlich „Fresswürfel“ genannt – ist nur die Skelettstruktur aus Stahlbeton übrig geblieben, erklärt Petra Förster, Leiterin der Leipziger Niederlassung des Bauherrn, des Staatsbetriebs Immobilien- und Baumanagements (SIB). 25,3 Millionen Euro flossen seit 2015 in den Bau. „Vor genau zwei Jahren und 28 Tagen war Richtfest.“ Eine Etage ist weggefallen, die Räume sind nun höher. Oben drauf ist ein neues halbes Stockwerk entstanden: Grüne Wände führen in die Lernklinik.

Ophelia und Othello

Hier warten Ophelia und Othello auf ihre Diagnose. Ophelia hat’s an den Augen, Othello an den Ohren, erläutert Daisy Rotzoll, ärztliche Leiterin der Lernklinik. Sie sind zwei von insgesamt rund 250 Simulatoren, an denen auf 830 Quadratmetern bis zu 100 Studierende gleichzeitig üben können. „Sie frieren nicht und werden nicht ungeduldig, wenn beim Ultraschall auch der zehnte Versuch kein Ergebnis bringt“, sagt Rotzoll mit einem Lächeln. Sie spricht von den Puppen. Der blutüberströmte Artgenosse im Operationssaal ist ohnehin narkotisiert. Drei fest installierte Kameras filmen, ob angehende Chirurgen den Puppenmann richtig verarzten. Gegenüber liegt zwischen zwei Trainings-Patientenzimmern ein Überwachungsraum. Die verspiegelten Fenster erinnern an einen TV-Krimi.

„Wie Phoenix aus der Asche“ sei das neue Gebäude aus den Trümmern des „desolaten Vorgängerbaus“ gewachsen, findet Staatssekretär Gaul. „Ich bin tief beeindruckt.“ Nur 18 Jahre lang, von 1995 bis 2013, war das Speiseversorgungszentrum in Betrieb. Zuletzt musste man das Obergeschoss schließen, weil Regen durchtropfte. Wer sich Essen holte, wollte meistens schnell wieder raus.

Das dürfte sich ändern. Das neue Haus D soll zum Treffpunkt für etwa 7000 Studierende und Hochschulmitarbeiter der Medizinischen Fakultät und der naturwissenschaftlichen Institute im Einzugsgebiet werden. „Das Gebäude bringt Leute zusammen, es bündelt Wissen“, erwartet Uni-Rektorin Schücking. In der Bibliothek sitzen sie sich gegenüber, in der Lernklinik üben sie, wie man im Team operiert, „und danach besuchen sie zusammen die Mensa oder Cafeteria. Es ist wissenschaftlich belegt, wie sehr eine solche Infrastruktur auch die Forschung voranbringt“, sagt Schücking. Man kann schöne Bilder malen mit Gelb, Blau und Grün.

Von Mathias Wöbking

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