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Lokales Wo es in Leipzig am häufigsten kracht
Leipzig Lokales Wo es in Leipzig am häufigsten kracht
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21:09 14.10.2018
Auch dieser Ausschnitt kann herangezoomt werden. Die roten Stellen markieren die Abschnitte mit den meisten Fahradunfällen (3 bis 11) im vergangenen Jahr. Quelle: Grafik: Frank Wolter
Leipzig

So etwas gab es noch nie: Wer wissen will, wo es in Leipzigs Straßennetz besonders häufig zu Unfällen kommt, erhält jetzt in einem neuen interaktiven Unfallatlas des Statistischen Bundesamtes einen Überblick, der kaum Wünsche offen lässt. Der ungewöhnlich detaillierte interaktive Atlas eignet sich vor allem für Eltern, die wissen wollen, wo es auf dem Schulweg ihres Kindes am häufigsten kracht – und welchen Weg das Schulkind nehmen sollte, weil dort deutlich weniger oder bestenfalls gar keine Unfälle auftreten. Fündig wird auch, wer wissen will, wo auf seinem Weg zur Arbeit das Unfallrisiko besonders hoch ist.

Wer die Website anklickt und in der Ortsleiste Leipzig eingibt, kann sich beliebig viele Stadtteile heranzoomen – und sieht dann an farblich unterschiedlich gekennzeichneten Straßenabschnitten, wo im vergangenen Jahr in Leipzig wie viele Unfälle mit Personenschäden aufgetreten sind. Rot steht zum Beispiel für neun bis 15 Pkw-Unfälle mit Personenschaden, Orange für fünf bis acht, gelb für drei bis vier, Blau für zwei Unfälle und Violett für einen Unfall. Neben Crashs mit Pkw-Beteiligung werden auch solche mit Krafträdern, Fahrrädern und Fußgänger separat ausgewiesen – wer die Schwere der Unfälle abschätzen will, kann die Markierungen auch nach „Unfällen mit Personenschäden“ und „Unfällen mit Getöteten“ variieren.

Experten sind begeistert

In der Innenstadt ist so zum Beispiel mit einem Blick zu sehen, dass die meisten Pkw-Unfälle mit Personenschäden im vergangenen Jahr vor dem Hauptbahnhof und dem angrenzenden Bereich des Tröndlinrings aufgetreten sind. Besonders viele Unfälle mit Pkws treten auch auf dieser Relation auf – besonders betroffen sind allerdings auch der Ranstädter Steinweg, die Jahnallee und die östlichen Bereiche der Lützner Straße.

Bei den Unfällen mit Fahrradfahrern ist auch gut zu sehen, dass neben der Jahnallee Straßen wie die Edward-Grieg-Allee, die Prager Straße im Bereich des Johannisplatzes, die Brüderstraße und ein Teilabschnitt der Straße des 18. Oktober sowie der Peterssteinweg und die Karli zwischen Brau- und Paul-Gruner-Straße besonders gefährlich sind (siehe Skizze).

„Die Polizei und wir informieren ja regelmäßig über das Unfallgeschehen, aber dieser interaktive Unfallatlas ist wirklich sehr spannend“, kommentiert Michael Jana vom Verkehrs- und Tiefbauamt der Stadt die Neuentwicklung. „Jetzt kann jeder zu jeder Zeit sehen, was Experten ansonsten nur an unserer elektronischen Unfalltypensteckkarte sehen – auch wenn da nicht nur Unfälle mit Personenschäden, sondern sämtliche Karambolagen aufgezeichnet sind.“

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club Sachsen (ADAC) lobt das neue digitale Angebot ebenfalls. „Es liefert einen guten Überblick und schafft mehr Transparenz im Unfallgeschehen, was wir schon lange fordern“, sagt Helmut Büschke, Vorstandsmitglied für Verkehr und Technik im ADAC Sachsen. „Hilfreich wäre vielleicht noch eine Zeitreihung gewesen, damit zum Beispiel Eltern sehen können, in welcher Jahreszeit und zu welchen Urzeiten ihren Kindern die meisten Gefahren drohen.“

Ähnliche elektronische Unfalltypensteckkarten werden in Leipzig regelmäßig zu Jahresbeginn von der Polizei und Stadtverwaltung erstellt, um zu sehen, wie sich das Unfallgeschehen im Stadtgebiet entwickelt, und über Verbesserungen im Straßennetz nachzudenken, mit denen Unfälle vermieden werden können. In vielen Fällen gelingt es dann, die Unfallquellen deutlich zu minimieren.

Verkehrsteilnehmer fahren vorsichtiger

In Leipzig war deshalb die Unfall-Tendenz zuletzt positiv. So ging die Zahl der Verkehrsunfälle in der Stadt 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 349 zurück. Insgesamt krachte es 13 409 Mal, der niedrigste Stand seit mindestens zehn Jahren. Und das, obwohl parallel die Zahl der Fahrzeuge wächst: Ende 2016 waren 250 184 Kraftfahrzeuge in Leipzig gemeldet, ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 4853. Neun Verkehrstote waren im vorigen Jahr zu beklagen, 425 Personen wurden bei Unfällen schwer verletzt, 2061 zogen sich leichte Verletzungen zu. Die häufigsten Ursachen für Kollisionen sind nach dem aktuellen Verkehrsbericht das Missachten der Vorfahrt (429), ungenügender Sicherheitsabstand (307), Fehler beim Abbiegen (302), falsches Verhalten von Fußgängern (176) oder gegenüber Fußgängern (138), unangepasste Geschwindigkeit (155) und Fahren bei Rot (126).

Besorgniserregend: Es kommt wieder häufiger zu Unfällen mit Fußgängern. Waren es 2016 noch 315, so ereigneten sich im Jahr darauf bereits 368. Die bitteren Konsequenzen: Zwei Tote, 100 Schwerverletzte und 203 Leichtverletzte. In 169 Fällen waren Fußgänger selbst die Verursacher, etwa durch Fehler beim Überqueren der Straße (160). 24 Mal liefen Passanten bei roter Ampel über die Fahrbahn und provozierten damit einen Unfall. Bei 13 Unfällen war der hohe Alkoholisierungsgrad von Fußgängern schuld.

Die Zahl der Unfälle mit Radfahrern ging 2017 leicht zurück, 1171 waren es insgesamt. Zwei Todesopfer und 155 Schwerverletzte gab es zu beklagen, 744 Radler verletzten sich leicht. In 475 Fällen wurden Radfahrer als Unfallverursacher erfasst, beispielsweise aufgrund von Verstößen gegen das Rechtsfahrgebot (138), unangepasstem Tempo, mangelndem Sicherheitsabstand (45) sowie Missachten der Vorfahrtsregel (41).

Von Andreas Tappert und Frank Döring

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