Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Städte-Ranking: Wohin lohnt es sich von Leipzig zu pendeln?
Leipzig Lokales Städte-Ranking: Wohin lohnt es sich von Leipzig zu pendeln?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:09 06.09.2017
Immer mehr Leipziger pendeln zum Arbeiten in andere Städte. Der Vergleich mit über 100 Städten zeigt: Fahrten zum Job in Ostdeutschland lohnen sich kaum. Quelle: dpa / LVZ
Anzeige
Leipzig

Wann lohnt es sich zu pendeln? Wie hoch ist der Mehrverdienst pro Kilometer? Von Leipzig aus kann es finanziell sehr lukrativ sein, an einen anderen Arbeitsort zu fahren, vor allem wenn er in den alten Bundesländern liegt. Das haben Recherchen der MDR-Reihe „exakt – So leben wir!“ ergeben, deren ausführliche Ergebnisse der LVZ vorab vorliegen. Der Vergleich der Einkommen mit 108 überwiegend kreisfreien Städten bundesweit zeigt: Bis zu zehn Euro im Monat pro Entfernungskilometer zum Arbeitsort können Fachkräfte mit anerkanntem Berufsabschluss aus Leipzig mehr verdienen.

Die Untersuchung: „MDR exakt“ ging für den aktuellen Serienteil „Lohn oder Stütze?“ (Ausstrahlung am Mittwoch, 20.15 Uhr) der Frage nach: Wie stark steigt das Bruttoeinkommen gemessen an der Entfernung? Lohnt es sich rein rechnerisch, nach Wolfsburg, Dresden oder Berlin zu pendeln? Da das mittlere Bruttoeinkommen in der Messestadt Leipzig mit 2398 Euro deutlich unter dem anderer Großstädte rangiert, die Stadt verkehrstechnisch gut angebunden ist und die geografische Lage im Zentrum Mitteldeutschlands günstig ist, lautet die Antwort in vielen Fällen eindeutig: ja. Klicken Sie sich hier durch unsere interaktive Karte:

Karte im neuen Browser-Fenster öffnen

Die Gewinner: Das Pendler-Ranking zeigt, dass sich durch die teils deutlichen Gehaltsunterschiede auch größere Distanzen rechnen können. Spitzenreiter ist der bundesweite Einkommensprimus Wolfsburg, wo alleine Volkswagen mehr als 50.000 Mitarbeiter beschäftigt. 9,84 Euro für jeden der von Leipzig zurückgelegten 206 Kilometer verdienen Menschen hier pro Monat mehr – in der Summe 2026 Euro brutto (insgesamt: 4424 Euro). Mit klarem Abstand folgen Salzgitter (7,26 Euro/km) und der Audi-Standort Ingolstadt (5,20 Euro/km). Auch beim Pendeln nach Ludwigshafen (Platz 5) sowie in die fränkischen Städte Schweinfurt (4.), Erlangen (6.) und Coburg (7.) lässt der Kilometerzähler das Portemonnaie klingeln. Braunschweig, Frankfurt am Main, Leverkusen, Kassel und Bamberg liegen immerhin noch bei mehr als drei Euro pro Kilometer. Im Vergleich gehen überwiegend Strecken von 200 bis 250 Kilometer als Gewinner aus der Analyse hervor.

Die Verlierer: Innerhalb Ostdeutschlands macht es laut dem Ranking wenig Sinn, für den Job ins Auto oder in die Bahn zu steigen. So lohnt sich das Pendeln in die nächstgelegenen Großstädte Dresden (0,95 Euro/Platz 90) oder Jena (1,28 Euro/Platz 77) kaum. Berlin landet mit 1,94 Euro/km nur auf Platz 38 im Ranking. Halle und Magdeburg bieten zum Beispiel nur rund 20 Cent je Kilometer – und landen abgeschlagen auf den Plätzen 100 und 101. Städte wie Erfurt, Gera und Chemnitz haben geringere Löhne als Leipzig. Zumindest statistisch macht Pendeln hier wenig Sinn – wobei es branchenabhängig auch Ausnahmen geben kann.

Mehr zum Thema

Immer auf Achse: Multimedia-Reportage über Leipzigs Pendler

So entstand das Ranking: Zugrunde gelegt wurde für die Streckenanalyse der jeweils schnellste Weg zum Arbeitsort mit dem Auto via Google Maps (einfache Strecke). Jeder zusätzlich verdiente Euro in der Fremde wurde durch die Anzahl der Entfernungskilometer geteilt. Für die Einkommen maßgeblich war der Durchschnitt (Median) der Bruttomonatslöhne laut der Bundesagentur für Arbeit vom 31. Dezember 2015. Jüngere Daten waren zum Zeitpunkt der Analyse flächendeckend noch nicht verfügbar. Zwischenzeitlich hat die Arbeitsagentur aktuelle Werte für Ende 2016 vorgelegt. Bei einem neuen Bruttogehalt von 2481 Euro in Leipzig bleibt das Pendeln noch immer lukrativ. Zur höheren Vergleichbarkeit wurden die Einkommen in Jobs mit anerkanntem Berufsabschluss analysiert. Zwei Drittel der Beschäftigten fallen in diese Gruppe.

Pendlerzahlen auf neuem Rekordhoch: Dass immer mehr Sachsen für ihren Job pendeln, zeigen aktuelle Zahlen. 136.700 Arbeitnehmer fuhren 2016 zur Arbeit in andere Bundesländer – so viele wie noch nie zuvor seit der Erfassung 1999. Innerhalb von zehn Jahren stieg die Zahl um 15.500 Pendler an. 15 Prozent nehmen heute einen Arbeitsweg von über 25 Kilometern auf sich, der Rest legt weniger weite Strecken zurück. Zwei Drittel der sächsischen Pendler fahren mit dem Auto, eine Minderheit bevorzugt die Bahn. In Leipzig pendelten Mitte 2016 fast 59.000 Menschen in andere Städte zur Arbeit – ebenfalls ein neuer Rekord. Etwa jeder vierte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, der in Leipzig wohnt, arbeitet damit nicht in der Stadt. Innerhalb des vergangenen Jahres stieg die Auspendlerzahl um 3167 Personen beziehungsweise knapp sechs Prozent – Tendenz weiter steigend. Etwas mehr als die Hälfte der Pendler arbeitet in einer anderen sächsischen Stadt, jeder Fünfte pendelt nach Westdeutschland zur Arbeit.

Das sagen Experten: Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle erklärt, warum das Pendeln in den Westen lukrativ ist: „Die Arbeitsplatzperspektiven sind für viele Menschen dort besser, auch weil die Verdienste höher sind. Der Durchschnittslohn liegt im Osten bei 80 Prozent im Vergleich zu Westdeutschland.” Doch Pendeln lohnt sich nicht nur für das eigene Portemonnaie. „Auch die lokale Wirtschaft profitiert von den Pendlern, denn sie geben am Wohnort ihr Geld aus”, so Höltemöller. Im sachsenweiten Vergleich ist es besonders für die Leipziger profitabel, woanders zu arbeiten. „Leipzig ist im Großstadtvergleich eine der ärmsten Städte”, sagt Dieter Rink, Soziologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. 35 Prozent der Löhne bewegen sich hier im Niedriglohnsektor, so der Experte. Ein hoher Wert, vergleiche man ähnlich große Städte in Deutschland. Spätfolgen der De-Industrialisierung seien die Gründe für die niedrigen Einkommen. Seit Mitte der 2000er Jahre entstanden in Leipzig 50.000 neue Arbeitsplätze – viele davon schlecht bezahlt. Während es etwa in Dresden viele gut dotierte Arbeitsplätze im Bereich Hightech und Mikroelektronik gebe, fehle eine solche eine Branche in der Messestadt. Für viele ist Pendeln die einzige Chance, am Monatsende mehr auf dem Konto zu haben.

Die Nachteile: Neben der Zeit, die Pendler in Bahnen, Bussen oder im Auto verbringen, frisst das Arbeiten an einem anderen Ort auch Geld für Benzin, Zugtickets oder die zusätzliche Mietbelastung durch eine Zweitwohnung auf. Dies wurde beim Ranking ebensowenig berücksichtigt wie eventuelle steuerliche Vergünstigungen. Klar ist jedoch: Pendeln nach München (2,64 Euro/20. Platz), Hamburg (2,28 Euro/25.) oder Düsseldorf (2,33 Euro/29.) dürfte sich alleine schon wegen der großen Distanzen und der hohen Mieten nur in wenigen Fällen lohnen.

Von Robert Nößler und Gina Apitz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach der Vergewaltigung einer Joggerin im Rosental ist ein heftiger Streit um die Sicherheit in Leipzig entbrannt. Sachsens Innenminister wies Vorwürfe von OBM Jung als „haltlos und unverantwortlich“ zurück. Dieser hatte die Einsparungen bei der Polizei kritisiert.

05.09.2017

Das Leipziger Lichtfest soll alljährlich an die Friedliche Revolution im Herbst 1989 in der Messestadt erinnern. Dieses Jahr gibt es auch Diskurse über die aktuelle politische Situation in Deutschland.

05.09.2017

Die Stadt Leipzig benennt zu Ehren Kurt Masurs (1927-2015) einen Platz nach dem Dirigenten. Zur Namensgebung der bislang unbenannten Fläche an diesem Freitag werde auch die Witwe Tomoko Masur erwartet.

05.09.2017
Anzeige