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Wohnkostenbelastung in Leipzig sinkt - Stadt will dennoch Anstieg vorbeugen

Wohnkostenbelastung in Leipzig sinkt - Stadt will dennoch Anstieg vorbeugen

In Leipzigs ist die Wohnkostenbelastung pro Haushalt in den vergangenen zwei Jahren leicht gesunken. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des größten deutschen Internet-Vermietungsportals Immobilien-Scout24 hervor.

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Symbolbild

Quelle: dpa

Leipzig. Demnach mussten die Messestädter im Dezember 2011 im Durchschnitt 16,4 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Kaltmiete aufbringen, im Dezember 2013 waren es nur noch 16,0 Prozent.

Laut Michael Kiefer, Chefanalyst des Portals, erklärt sich das günstiger gewordene Verhältnis in Leipzig durch die zuletzt gewachsenen Einkünfte. Das persönliche Monatsnettoeinkommen stieg in den beiden genannten Jahren um 7,6 Prozent - von 1055 auf 1135 Euro (Quelle: Kommunale Bürgerumfrage). Zwar kletterten auch die Preise, mit denen freie Wohnungen im Internet angeboten wurden - und zwar in Leipzig in den letzten fünf Jahren um insgesamt 13,1 Prozent auf nunmehr 5,67 Euro kalt pro Quadratmeter. Dies lag aber noch leicht unter dem bundesdeutschen Mittelwert von 15 Prozent, so die Untersuchung von Immobilien-Scout24. In Dresden legten die Angebote hingegen um 22,6 Prozent auf nunmehr 6,89 Euro zu, in Berlin um 30,8 Prozent auf nunmehr 7,70 Euro.

Im Gegensatz zu Leipzig stieg in diesen Städten auch die Wohnkostenbelastung: in Dresden von 17,2 auf 17,9 Prozent, in Berlin von 19,6 auf 20,7 Prozent. Erheblich günstiger wohnen lässt es sich in Chemnitz. Dort liegen die Angebotskaltmieten aktuell bei 5,05 Euro, die Belastung der Haushalte bei 13,6 Prozent.

Leipzig fange die hohe Zuwanderung von etwa 10 000 Neu-Bürgern pro Jahr vor allem durch den hohen Leerstand an Wohnungen auf, sagt Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos). Von den derzeit etwa 27 000 ungenutzten Wohnungen könne aber nur etwa die Hälfte in absehbarer Frist wieder nutzbar gemacht werden. "Irgendwann ist auch diese Reserve aufgebraucht. Deshalb arbeiten wir seit einem halben Jahr an einem neuen wohnungspolitischen Konzept, damit im Anschluss nicht die Mieten explodieren", erklärt sie. Es sei kein Zufall, dass die größten Einwohnerzuwächse jetzt in jenen Stadtteilen erzielt werden, die bislang den höchsten Leerstand aufwiesen - im Leipziger Osten und in Grünau. In anderen Vierteln fehle dafür schlicht der freie Wohnraum.

Die immer wieder unter dem Stichwort Gentrifizierung diskutierten Verdrängungsprozesse sieht Dubrau trotzdem "noch auf einem ganz niedrigen Level". Dem Rathaus liege gegenwärtig nur ein Fall vor, in dem Nutzer eines Objekts um Hilfe baten, weil sie ein Hauseigentümer vertreiben wolle. Allerdings würden solche Konflikte künftig sicher eine größere Rolle spielen. Dubrau: "Das Problem ist, dass zunehmend Häuser in die Sanierung kommen, in denen die Kaltmiete noch bei 3 oder 3,50 Euro liegt. Damit lassen sich die notwendigen Arbeiten jedoch nicht bezahlen." Die Grünen-Fraktion hat deshalb gerade die Wiederbelebung der 2004 geschlossenen, städtischen Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten im Stadtrat beantragt.

Am heutigen Montag findet der vorerst letzte Experten-Workshop zum neuen wohnungspolitischen Konzept statt. Den Bürgern sollen alle Ergebnisse am 18. November, um 18 Uhr, bei einem Forum im Ring-Café diskutiert werden. Nach Lage der Fakten lasse sich die Einführung einer Mietpreisbremse in Leipzig (in "angespannten Märkten" dürfte dann bei einem Mieterwechsel der neue Preis maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen) nicht begründen, so die Baubürgermeisterin. Jedoch zeichne sich viel Zustimmung für Vorschläge der SPD ab, Investitionen im Baubereich mit einer "sozialgerechten Bodenordnung" wie in München und/oder einer Beteiligung privater Bauherren an Infrastruktur-Projekten im jeweiligen Stadtgebiet zu verknüpfen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.11.2014

Jens Rometsch

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