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Lokales Wohnungsbau hinkt Leipzigs Bevölkerungswachstum hinterher
Leipzig Lokales Wohnungsbau hinkt Leipzigs Bevölkerungswachstum hinterher
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00:19 22.12.2017
Die Zahl der Wohnungen, für die Baugenehmigungen erteilt wurden, ist zwar seit 2006 kontinuierlich gestiegen, geht seit Anfang des Jahres aber wieder zurück. Quelle: Grafik: Patrick Moye
Leipzig

Die Verknappung des Wohnraumangebots schreitet in Leipzig voran und damit die Gefahr dramatisch steigender Mieten: Nach Angaben des Statistischen Landesamtes ist die Zahl der Baugenehmigungen für Wohngebäude in der Stadt in diesem Jahr zurückgegangen. In den ersten drei Quartalen wurden 243 Genehmigungen erteilt. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es bereits 312.

Bereits im Sommer hatte der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW Alarm geschlagen. Allein im ersten Halbjahr 2017 sei die Zahl der Baugenehmigungen bundesweit um 7,3 Prozent eingebrochen. Dies, so GdW-Präsident Axel Gedaschko, „setzt das bezahlbare Wohnen in Deutschland weiter aufs Spiel“.

In der Bauverwaltung des Rathauses sieht man die Entwicklung aktuell noch nicht mit Sorge. Entscheidend sei, wie viele Baugenehmigungen für wie viele Wohnungen pro Jahr erteilt werden. Die Bauanträge würden zunehmend komplexer und beinhalteten pro Antrag mehr Wohnungen. „So wurden zum Beispiel 2014 insgesamt 476 Baugenehmigungen erteilt“, sagte Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) auf LVZ-Anfrage, „während 2016 mit nur 443 Baugenehmigungen mehr als doppelt so viele Wohnungen genehmigt wurden.“ Sie erwartet, „dass die Zahl der genehmigten Wohnungen 2017 ähnlich hoch liegt wie 2016“. Das wären 3204 Wohnungen.

Von Januar bis Ende September dieses Jahres gab die Baubehörde grünes Licht für 2460 Wohnungen. Das war ein Rückgang um 13 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es im selben Zeitraum bereits 2824. Der Neubauanteil fiel mit rund 1900 Wohnungen konstant aus.

Der Wohnungsbau in Leipzig hinkt damit dem Bevölkerungswachstum weiter hinterher. Ende November lebten 590 293 Menschen in der Stadt – 10 763 mehr als im Vorjahr. In dem rasanten Tempo geht das nun schon seit 2011. Um eine Explosion der Mieten ähnlich der in Ballungszentren wie München zu verhindern, müssten in Leipzig jährlich 5000 bis 6000 Wohnungen geschaffen werden, so Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) jüngst vor Vertretern der Immobilienbranche. Denn die Substanz hier ist nahezu aufgebraucht. Der marktaktive Leerstand, darunter werden sofort vermietbare Wohnungen verstanden, beläuft sich nach den Worten von Peter Dütthorn vom städtischen Statistikamt mittlerweile nur noch auf unter drei Prozent. Das zeigt, wie groß der Bedarf an neu gebauten Wohnungen ist.

2016 waren nach den Worten von Dubrau 1737 Wohnungen in Leipzig neu entstanden. „Darüber hinaus wurden weitere 700 bis 800 Wohnungen durch Sanierung leerstehender Altbauten neu an den Markt gebracht, so dass der Zuwachs des marktaktiven Wohnungsbestandes bei zirka 2500 Wohnungen lag“, rechnete die Bürgermeisterin vor. Die öffentliche Verwaltung, so ihre Botschaft, hat ihre Hausaufgaben also erledigt, jetzt ist die Branche am Zuge. Dubrau: „Mit den gestiegenen Baugenehmigungen der Vorjahre liegen die genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen vor, dass die Immobilienwirtschaft die Bautätigkeit deutlich erhöhen kann.“ Das hat sie in der Tat. Wurden im Jahr 2010 noch 661 Wohnungen fertig gestellt, waren es 2012 bereits 1066, 1837 im Jahr 2015 und 1737 im vergangenen Jahr. Dass der Wohnungsbau aber nicht stärker an Fahrt gewinnt, dafür macht die Immobilienbranche zunehmenden Mangel an Bauland, hohe Hürden bei der Antragstellung, starke Bauauflagen, hohe Grundstückskosten und Grunderwerbssteuern verantwortlich. So sind die Baukosten in Sachsen seit 2010 um 24,6 Prozent gestiegen. „60 Prozent der Haushalte in Leipzig“, sagte Andrea Schultz vom Statistikamt im Rathaus, „sind gar nicht in der Lage, Eigenkapital für Wohneigentum aufzubringen.“ Die Kaufnebenkosten, dazu zählen Maklergebühren und Grunderwerbssteuern, stiegen zwischen 2010 und 2016 von 15 960 auf 27 664 Euro.

Und wie will Leipzig nun den nötigen Schub beim Wohnungsbau schaffen? Die Bürgermeisterin verweist auf Entwicklungsprojekte wie Lindenauer Hafen und Freiladebahnhof an der Eutritzscher Straße und die vom Stadtrat beschlossene Wohnungsbauförderkonzeption 2018. Auch die Umsetzung offener Bebauungspläne sei ein wichtiges Thema. Die Kommune könne zwar Rahmenbedingungen setzen, sagte Dubrau, „Projekte entwickeln, Baugenehmigungen beantragen und genehmigte Bauvorhaben auch tatsächlich realisieren, können aber nur die Akteure der Immobilien- und Wohnungswirtschaft“.

Von Klaus Staeubert

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