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Zahnärzte-Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen ersteigert das Leipziger Capa-Haus

Zahnärzte-Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen ersteigert das Leipziger Capa-Haus

Bei der Zwangsversteigerung des berühmten Capa-Hauses hatte am Freitag das Zahnärzte-Ehepaar Dick und Christiane Bennink aus Nordrhein-Westfalen das höchste Gebot abgegeben.

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In diesem Haus in der Jahnallee 61 dokumentierte Capa das Sterben eines US-Soldaten am 18. April 1945.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Sie bekommen in einer Woche den Zuschlag und somit auch die Eigentumsrechte. Vorher muss der Gläubiger, die Landesbank Hessen-Thüringen, das Gebot prüfen.

Der Gerichtssaal 101 im Leipziger Amtsgericht ist am Freitag Vormittag gut besucht. Der Grund ist die Zwangsversteigerung des Gebäudekomplexes, in dem Robert Capa am Ende des Zweiten Weltkrieges den Tod des amerikanischen Soldaten Raymond J. Bowman festgehalten hatte. Die Fotoserie ist durch die Veröffentlichung im LIFE-Magazin unter dem Titel „Der letzte Tote des Krieges“ weltberühmt geworden. Im Gerichtssaal befinden sich daher neben potentiellen Bietern auch Menschen, die sich für die Zukunft des Hauses interessieren, wie beispielsweise die Gründer der Capa-Haus-Initiative.

„Wir möchten mit dem neuen Investor in Kontakt treten und Aufklärungsarbeit leisten. Es ist uns wichtig, dass der künftige Eigentümer über die historische Bedeutung des Gebäudes Bescheid weiß“, sagt der Foto-Künstler Thomas Pantke, Mitglied der Initiative.

Um Punkt 10.21 Uhr eröffnet der Richter die Versteigerung und macht darauf aufmerksam, dass der Gläubiger, also die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), „Herr des Verfahrens“ sei. Ein Vertreter der Bank hat am rechten Arm des Richterpults Platz genommen.

Versteigert werden drei Häuser in einem Paket: Das Haus an der Jahnallee und die Gebäude an der Luppenstraße 26 und  28. Es wird zwar einzeln für die Häuser geboten, aber der Meistbietende muss für alle drei die höchste Summe genannt haben. Der Richter verkündet, dass die Häuser unter Denkmalschutz stünden und das Gebäude an der Jahnallee akut einsturzgefährdet sei.

Anfangs halten sich die Interessenten noch zurück. Es herrscht Stille, bis eine Dame in Weiß das erste Gebot macht. Die Summe der Erstbietenden wird sofort vom Vertreter der Leipziger GRK Holding überrundet. Die Holding bietet jeweils 2500 für die Häuser an der Jahnallee 61 und der Luppenstraße 28 sowie 5000 Euro für das Gebäude an der Luppenstraße 26. Danach folgt ein privater Bieter, der bei allen drei Geboten um weitere 1000 Euro erhöht.

In der vorletzten Reihe erhebt sich plötzlich eine weibliche Stimme: „10.000 für die Jahnallee 61 sowie die Luppenstraße 26 und 30.000 für die Luppenstraße 28“, sagt die Zahnärztin Christiane Bennink. Sie ist elegant gekleidet, trägt roten Lippenstift und eine dezente Brille. Nach ihrem Gebot herrscht reges Treiben im Gerichtssaal. Die Vertreter der GRK Holding verlassen mit schwarzen Aktenordnern den Raum, ein anscheinend neuer Interessent spricht persönlich mit dem Gesandten der Helaba. Nach ein paar Minuten bringt sich die AGH-Trade, eine Immobilienfirma aus Grimma, mit neuen Höchstgeboten ins Spiel. Der Holding-Vertreter bietet für jedes Grundstück jeweils 1000 Euro mehr als Bennink.

Fast sieht es so aus, als ob die Immobilienfirma das Gebäude ersteigern wird. Doch dann meldet sich plötzlich ein Vertreter der Marko Künne Gesellschaft für Haus- und Grundbesitz. Er wird kurz darauf von Bennink überboten. Die letzten Minuten der Versteigerung sind angebrochen: Die beiden Interessenten beginnen sich in immer kürzeren Abständen zu melden.

Um 11.17 Uhr erklärt der Richter die Versteigerung für beendet und bestätigt Bennink als Höchstbietende: „Die Jahnallee 61 für 35.000 Euro, die Luppenstraße 26 für 35.000 Euro und die Luppenstraße 28 für 55.000 Euro, zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten.“ Nun wird die Helaba das Höchstgebot prüfen. Nächste Woche erhält Bennink dann den Zuschlag und somit die Eigentumsrechte.

Da der Dachstuhl des Hauses an der Luppenstraße 28 zu Neujahr gebrannt hat, musste die Stadt Leipzig das Gebäude zum Schutz Dritter notsichern. Die neue Eigentümerin ist daher verpflichtet für die Notsicherungskosten der Stadt aufzukommen. Diese betragen etwa 11.000 Euro, wie das Dezernat für Stadtentwicklung und Bau erklärt. Die Investorin erhält mit den Eigentumsrechten auch eine Abrissgenehmigung für das Gebäude an der Jahnallee 61. Die Stadt Leipzig plant jedoch auf die neue Eigentümerin zuzugehen, um den Erhalt des Gebäudes zu sichern, bestätigt das Dezernat.

Für Fragen stand Bennink der LVZ-Online nach der Auktion nicht zur Verfügung. Pantke von der Capa-Haus-Initiative zeigt sich aber optimistisch: „Wir sind froh, dass wir nun endlich einen Ansprechpartner für die Zukunft des Gebäudekomplexes haben..“

Nach der Versteigerung wird im Gerichtssaal in kleinen Menschentrauben diskutiert und spekuliert, was die Zahnärztin aus Nordrhein-Westfalen mit dem riesigen Gebäudekomplex planen könnte. Sie selbst hat den Saal längst verlassen.

Manuela Tomic

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