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Lokales Zeichen für den Fraktionsfrieden - Hoffnung auf bessere Zusammenarbeit im Rat
Leipzig Lokales Zeichen für den Fraktionsfrieden - Hoffnung auf bessere Zusammenarbeit im Rat
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08:08 25.03.2010
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Als Jung um 14.13 Uhr den ersten Wahlgang aufrief, schien für die meisten Ratsmitglieder festzustehen, dass diesmal, im dritten Anlauf, eine Entscheidung fallen würde. Anders als noch im Februar lagen schon Blumensträuße auf mehreren Fraktionstischen. Die Frage war nur: Wer wird sie bekommen?

Nach zwei Wahlgängen gingen sie schließlich an Bonew, auch Jung gratulierte seinem neuen Beigeordneten. "Für den Fraktionsfrieden im Stadtrat ist das ein gutes Zeichen", sagte der Oberbürgermeister gegenüber der LVZ. Die CDU hatte sich schon früh auf Bonew als ihren Kandidaten festgelegt, drohte zuletzt sogar mit Totalopposition im Stadtrat, für den Fall, dass die Wahl scheitert.

Mit Christopher Profitlich aus dem Dresdner Finanzministerium hatte sich zwar ein weiterer Christdemokrat um die Stelle beworben. Doch ihn nominierte zunächst niemand, obwohl er bei Linken und in der SPD auf Sympathie stieß. Im Januar sagte Jung die Bürgermeisterwahl noch ab, weil er für Bonew keine Chance sah. Im Februar fiel der 38-jährige Bankfachmann dann als Einzelkandidat durch. Gestern stand die Wahl erneut auf der Tagesordnung und diesmal Profitlich mit auf dem Stimmzettel. Kurz zuvor vorgeschlagen von René Wiesner (Bürgerfraktion). Doch der fehlte ausgerechnet am Wahltag in der Ratsversammlung, was Spekulationen über seine Motivation auslöste.

"Der ist käuflich", zischte CDU-Fraktionsgeschäftsführer Ansbert Maciejewski. Auch andere hielten Wiesner, der im vorigen Jahr nach dem Bruch der liberalen Fraktion aus der FDP ausgetreten war, für einen Strohmann der Linken. Deren Fraktionschefin Ilse Lauter hatte nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ihre Partei Profitlich wählen würde. Doch einen CDU-Mann mochte von den Linken offenbar niemand selbst vorschlagen. Am Ende kam Bonew auf 33, Profitlich auf 30 Stimmen, bei drei Enthaltungen.

Auch Jung hielt anfangs zu dem Ministerialen. Doch mit jedem Gespräch, das er mit Bonew führte, räumte der Oberbürgermeister gestern ein, habe sich seine Haltung zu dem CDU-Kandidaten, der sich bei vielen Stadträten durch sein oft bissiges Auftreten und seine Rolle als "bad guy" der Christdemokraten unbeliebt gemacht hatte, verändert. Ein Bild, das Bonew nach Ansicht von Grünen-Fraktionschef Wolfram Leuze nicht gerecht wird. "Ich habe ihn gewählt, weil ich seine Zuverlässigkeit in fünf Jahren Finanzausschusstätigkeit kennen gelernt habe", sagte er. "Ich hoffe, dass diese Zuverlässigkeit bleibt." Die Probleme, vor denen Bonew, aber auch Jung stehen, nannte Leuze größtenteils "Hypotheken aus der Zeit des früheren Oberbürgermeisters Tiefensee".

Mit Bonew habe "die Stadt nun einen Kämmerer, der den notwendigen Konsolidierungskurs der Stadtfinanzen im Sinne der Bürger Leipzigs fortsetzen wird", erklärte CDU-Kreisvorsitzender Hermann Winkler.

Wie Grünen-Chef Leuze musste auch SPD-Fraktionsvorsitzender Axel Dyck bei den eigenen Leuten viel Überzeugungsarbeit leisten, da Bonew auch Stimmen aus der SPD brauchte. Zum Schluss war Dyck froh, dass "die schwere Geburt" geglückt war. Gleichzeitig sah er den neuen Bürgermeister vor einer großen Herausforderung stehen: "Er hat eine Last zu tragen, denn der halbe Stadtrat war bis zum Schluss nicht von ihm überzeugt."

Dessen ist sich CDU-Fraktionschefin Ursula Grimm bewusst. Sie hatte wie kaum jemand anders für Bonew geworben. "Seine Wahl ebnet jetzt im Stadtrat den Weg für eine konstruktive Zusammenarbeit bei den schwierigen anstehenden Aufgaben", sagte sie.

Für Bonew rückt im Stadtrat Bernd Frank, ein Handwerksmeister aus dem Osten, nach.

Klaus Staeubert

Klaus Staeubert

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