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Lokales Zeugin bricht bei Prozess gegen Leipziger Stadtrat Enrico Böhm in Tränen aus
Leipzig Lokales Zeugin bricht bei Prozess gegen Leipziger Stadtrat Enrico Böhm in Tränen aus
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18:00 07.11.2018
Enrico Böhm versteckt sein Gesicht vor Prozessbeginn hinter einer Guy-Fawkes-Maske. Quelle: André Kempner
Leipzig

Bevor der Zeuge Steffen B. (35) am Mittwoch den Gerichtssaal im Amtsgericht betrat, versuchten die Angeklagten, Stadtrat Enrico Böhm (36) und seine Lebensgefährtin Annemarie K. (32), ein mitgebrachtes Nummernschild am Zeugentisch zu befestigen. Die offensichtlich verärgerte Richterin forderte sie auf, sich zu setzen und verbat die Aktion. Die vorpreschenden Angeklagten erklärten, sie wollten damit zeigen, dass B. kein Handy-Foto vom Nummernschild an Böhms Auto machen konnte. Denn eben dieses Aufnehmen des Fotos soll am 2. August 2015 einem brutalen Streit auf offener Straße vorausgegangen sein. Damals war Böhm noch NPD-Kreischef, 2016 kam es zur Trennung von der Partei.

Rangelei auf offener Straße am Sonntagmittag

Bei der Zeugenvernehmung am zweiten Prozesstag sagte Steffen B., der im August 2015 mit seiner Freundin auf einem Lastenrad die Sommerfelder Straße entlang fuhr, dass Böhm ihn mit seinem Auto geschnitten hatte. Das Auto sei kurz vor ihm eingeschert, da es auf Höhe der Zweinaundofer Straße an einer roten Ampel warten musste. B. sei daraufhin vor das Auto gelaufen. Dabei habe ihn die Beifahrerin Annemarie K. aus dem Fenster beschimpft, Steffen B. würde keine Steuern zahlen. Darum habe er das Nummernschild fotografieren wollen, so der Zeuge.

Böhm soll aggressiv reagiert haben: „Er ist ruckartig losgefahren und hat dann wieder abgebremst“, sagte B. Die Stoßstange habe den Radfahrer am Schienbein getroffen und verletzt. „Ich hatte große Angst, dass ich angefahren werde“, sagte er vor Gericht. Der 35-Jährige habe deshalb auf die Kühlerhaube des Autos geschlagen. Daraufhin sei er von beiden Angeklagten angegriffen worden, es entwickelte sich eine Rangelei. „Ich wurde sehr oft getreten“, erinnerte sich B. Er habe K. geschlagen und Böhm geschubst, um sich zu wehren. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden alle Beteiligten verletzt. Schließlich habe der Radfahrer zur Verteidigung mit seinem Fahrradschloss als Waffe angedroht, es jedoch nicht eingesetzt.

„Exekutieren wir ihn hier an Ort und Stelle“

Bei der Vernehmung warf Enrico Böhm dem Zeugen scharfe Blicke zu. Auch Steffen B.’s Verlobte attackierten die Angeklagten, die sich vor Prozessbeginn hinter Guy-Fawkes-Masken versteckt hatten, mit schnippischen Kommentaren. Die sichtlich mitgenommene Zeugin musste ihre Personalien nicht öffentlich kundtun. Sie habe versucht, den Streit zu schlichten. „Da war so ein Aggressionspotenzial in der Luft“, erinnerte sie sich an den Sonntagmittag. Sie habe gehört, wie der Angeklagte am Telefon Verstärkung anforderte. „Exekutieren wir ihn hier an Ort und Stelle“, soll Böhm gesagt haben. „Das macht schon was mit einem“, sagte die Verlobte und brach in Tränen aus. Steffen B. habe sein Lastenrad seit dem Vorfall nicht mehr angerührt, sie seien vorsichtiger geworden.

Böhm war nach dem Zwischenfall in Untersuchungshaft gekommen. Auf sein Konto gehen rund ein Dutzend Vorstrafen. Der Prozess wird am 14. November fortgesetzt.

Von Theresa Held

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