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Lokales Zoff um illegale Rodung von Biotop an Prager Straße
Leipzig Lokales Zoff um illegale Rodung von Biotop an Prager Straße
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00:25 16.12.2015
Tatort Prager Straße/Ecke Parkstraße: Wo lange Zeit ein kleiner Wald stand, der das alte Neubauerngehöft schluckte, rückten Ende Oktober die Männer mit den Sägen und Fräsen an. Quelle: privat
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Leipzig.

Aufregung im Leipziger Südosten: Ein gerodetes Grundstück an der Prager Straße unweit der Straßenbahnendhaltestelle „Meusdorf“ hat weite Teile der Nachbarschaft auf den Plan gerufen. Aus verständlichen Gründen: Bei dem einst dicht bewachsenen Flecken Erde, aus dem Ende Oktober innerhalb weniger Stunden Brachland wurde, handelt es sich gemäß Sächsischem Naturschutzgesetz um ein besonders geschütztes Biotop der Stadt Leipzig mit der Kennziffer 3203.S und der Bezeichnung „Streuobstwiese Prager Straße“. Die Anwohner betrachten die Vernichtung der kleinen Pflanzenwelt nicht nur wegen ihres illegalen Charakters mit Argwohn, sie vermuten dahinter gar mehr. Und an dieser Stelle kommt der Ortschaftsrat Holzhausen ins Spiel.

Es wird gerade mächtig Staub aufgewirbelt im Grenzbereich von Probstheida/Meusdorf/Holzhausen. Schließlich fehlen seit Kurzem etliche Obstbäume, Büsche und Sträuche, die an der Ecke Prager Straße/Parkstraße, unmittelbar an den Gleisen der Straßenbahnlinie 15, lange Zeit eine Oase in Grün bildeten; allerdings keine öffentlich zugängige, denn das Areal ist in privater Hand. Es gehört der Egenolf Grundstücks KG mit Sitz in Runkel unweit von Limburg an der Lahn und einer Leipziger Niederlassung in Wahren. Zu DDR-Zeiten beheimatete dieses Stückchen Land einmal ein Neubauerngehöft, dessen einfache, ruinöse Behausung ob des zuletzt dichten Bewuchses so gut wie nicht zu sehen war. Seit am 28./29. Oktober Mitarbeiter einer hessischen Landschaftsbaufirma Hand und Säge anlegten, lassen die Trümmer des Gebäudes erahnen, dass hier früher Menschen lebten und arbeiteten.

Es war vor allem der Zeitpunkt der gesetzeswidrigen Rodung, der dutzende Nachbarn aus der Parkstraße und Prager Straße, vom Monarchenhügel und Tübkebogen zum Protest animierte. Denn am 27. Oktober hatte der Ortschaftsrat von Holzhausen mit der Mehrheit der CDU-Vertreter einen Antrag formuliert, in dem die Schaffung eines Park-&-Ride-Platzes im Bereich der Endhaltestelle Meusdorf gefordert wird. Hintergrund: Wann immer in der Leipziger City, in der Arena oder im Stadion der Bär steppt, wird der Holzhausener Teil des Monarchenhügels, der unmittelbar an die LVB-Station grenzt, von auswärtigen Weihnachtsmarkt-Besuchern, Fußball-Fans oder Rockmusik-Begeisterten zum Parkplatz umfunktioniert. Dass die Egenolf Gründstücks KG keine 24 Stunden nach der Ortschaftsratssitzung an der Einmündung Parkstraße/Prager Straße Bäume roden ließ, lässt die Gerüchteküche bis heute tüchtig brodeln. „Das kann doch kein Zufall sein“, heißt es unter Biotop-Anrainern. Sie überreichten Ortsvorsteher Hans-Jürgen Raqué (CDU) zwei Wochen später mehr als 80 Unterschriften unter einer Petition, in der die sofortige Wiederaufforstung der Streuobstwiese gefordert wird. Der Ortschaftsrat möge sich den Grundstückseigentümer diesbezüglich zur Brust nehmen „und alle politischen und rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen. Insbesondere soll keine nachträgliche Legalisierung durch eine Änderung des Flächennutzungsplanes und/oder die Gestattung einer anderen gearteten Nutzung, zum Beispiel als Park-&-Ride-Platz oder anderweitige Baumaßnahme, erfolgen.“ Bauflächen seien in geringer Entfernung ausreichend vorhanden. Und ein riesiges P&R-Areal gebe es auch: am Völkerschlachtdenkmal, 3,5 Kilometer weiter nördlich der Endhaltestelle Meusdorf.

Raqué stellt klar, dass es sich bei der Park-&-Ride-Initiative des Ortschaftsrates um einen Prüfauftrag handele, inwiefern ein Parkplatz für Umsteiger auf den ÖPNV an der besagten Haltestelle überhaupt realisierbar ist (siehe auch Kasten). „Wir haben dabei keine konkreten Flächen genannt, dazu haben wir auch gar keine Befugnis. Es wurde ein allgemeiner Wunsch formuliert“, betont der Ortsvorsteher. Und auf die Gerüchte angesprochen, sagt er: „Ich kenne den Eigentümer nicht. Vielleicht hat er am 27. Oktober der öffentlichen Ortschaftsratssitzung ja beigewohnt und aus unserem Antrag die falschen Schlüsse gezogen.“ Er, so Raqué, gehe davon aus, dass die Stadt Leipzig im Fall des gerodeten Biotops „mit derselben Härte vorgeht wie bei ähnlich gelagerten Vorgängen“. Zuletzt war ein Holzhausener, der im Landschaftsschutzgebiet Gebäude errichtet hatte, dazu verdonnert worden, diese wieder abzureißen.

Die Exekutive in Gestalt des Amtes für Umweltschutz hat das Thema bereits auf dem Tisch. Zum aktuellen Stand der Verhandlungen mit der Egenolf Grundstücks KG über eine baldige Revitalisierung des Geländes und zu möglichen Sanktionen gab aus dem Rathaus keine Informationen. Es handele sich um „ein noch laufendes Verfahren“. Der Grundstückseigentümer reagierte auf schriftliche LVZ-Anfragen zu den Fällungen bis zur Drucklegung dieser Ausgabe leider nicht.

Von Dominic Welters

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