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Zoff um marode Villa neben Moschee-Grundstück in Leipzig-Gohlis

Georg-Schumann-Straße Zoff um marode Villa neben Moschee-Grundstück in Leipzig-Gohlis

Im Herbst soll der Bau der Ahmadiyya-Moschee in Gohlis beginnen. Seit Monaten läuft dagegen eine Bürgerinitiative Sturm. Nun könnte ein neues Problem hinzukommen. Der Besitzer der maroden Villa direkt neben der künftigen Moschee will nach eigenen Angaben an einen NPD-Mann verkaufen.

Streitobjekt: die marode Villa in der Georg-Schumann-Straße 29.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Im Herbst soll der Bau der Ahmadiyya-Moschee in Gohlis beginnen. Seit Monaten läuft dagegen eine Bürgerinitiative Sturm. Nun könnte noch ein neues Problem hinzukommen.

Das Nachbargrundstück Georg-Schumann-Straße 29 bietet alles andere als ein Willkommens-Umfeld für den künftigen Sakralbau. Darauf befindet sich eine seit vielen Jahren leer stehende alte Villa. Das unsanierte denkmalgeschützte Mehrfamilienhaus gehört einem Immobilienbesitzer aus Nordrhein-Westfalen. Dieser hatte das Grundstück vor drei Jahren erworben. Netze hängen vor der Fassade, schützen Passanten vor herabfallenden Steinen. Den Sanierungsbedarf schätzt er auf mindestens 1,5 Millionen Euro. Seit einigen Monaten verspürt der Ahmadiyya-Nachbar, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, immer mehr Druck aus dem Rathaus, die Villa zu sanieren. „Ich kann verstehen, dass die Stadt ein Interesse daran hat, das Umfeld der Moschee zu verbessern. Doch unter diesen Umständen und der Vorgehensweise der Stadt Leipzig halte ich es für besser, das Gebäude zu verkaufen“, stellt er klar und fügt hinzu: „Statt auf einen zuzugehen, wird versucht, mich über Sanktionen wie Anzeigen wegen Müll auf dem Grundstück zur Sanierung zu zwingen.“ Seit dem letzten Anruf eines Mitarbeiters aus dem Bauordnungsamt, dass ihn eine Taube auf dem Dach und auf dem Balkongeländer störe, habe er kein Interesse mehr an dem Gebäude, sagt der Grundstückseigentümer.

Das Baudezernat stellt den Zwist etwas anders dar. „Das Gebäude ist eines von diversen Gebäuden, die im Rahmen der Arbeitsgruppe verwahrloste Immobilien der Stadt Leipzig auf Grund ihres Bauzustandes im Fokus stehen. Dies hat nichts mit dem Standort neben dem Grundstück für die Moschee zu tun“, teilte die Behörde auf LVZ-Anfrage mit. Es gehe vielmehr um den Charakter der wichtigen Stadtmagistrale, um die Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit und den Denkmalstatus des Hauses, „an dessen Erhalt daher ein öffentliches Interesse besteht“. Am Gebäude seien in Folge jahrelanger Durchfeuchtung konstruktive Schäden entstanden. Dachtragwerk und weitere tragende Bauteile wiesen deutliche Schäden auf, teilweise fehlten auch Geschossdecken. Die Baubehörde sieht sich daher im Zugzwang „Der Eigentümer einer baulichen Anlage“, erklärt sie, „ist verpflichtet, Maßnahmen zur Herstellung der öffentlichen Sicherheit zu veranlassen. Solche konnten bei mehrfachen Ortsbesichtigungen nicht festgestellt werden. Mehrere Schreiben zur Anhörung des Eigentümers blieben durch diesen ebenso ohne Reaktion, wie die dann im Dezember 2015 erlassene denkmalrechtliche Anordnung zur Sicherung des Gebäudes. Da deren Nicht-Umsetzung wiederum bei einer Ortsbesichtigung im Februar 2016 festgestellt wurde, waren entsprechende Vollstreckungsmaßnahmen anzuordnen, was entsprechend erfolgt ist.“

Die Stadt reagiere unangemessen, beklagt der Eigentümer. „Gerade weil der Ahmadiyya-Moscheebau sich als höchstsensible Angelegenheit darstellt“, findet er, „wäre es wünschenswert gewesen, dass sich ein Mitarbeiter der Stadt Leipzig mit mir in Verbindung gesetzt hätte, um ein Lösungskonzept unter Mithilfe der Stadt Leipzig zu erarbeiten.“ Dazu habe sich aber bis zum heutigen Tage kein Mitarbeiter bewegt gefühlt, selbst der Oberbürgermeister habe auf „meine persönlichen Schreiben“ nicht reagiert. Dem hält die Stadt entgegen: „Eine Anfang April über eine Immobilienverwaltung an den Oberbürgermeister Namens des Eigentümers gerichtete Beschwerde über das Vorgehen der Stadtverwaltung ist der erste, mittelbare, Kontakt seitens des Eigentümers.“

Dieser macht nun seinerseits Druck auf das Rathaus. „Ich werde das Haus wieder verkaufen“, sagt er, „an einen NPD-Mann.“ Dieser habe das höchste Gebot abgegeben. Der Villen-Besitzer weiß, was das bedeuten kann. Denn ihm gehört auch die Odermannstraße 10. Das Nachbarhaus Nr. 8 war jahrelang Zentrale der rechtsextremistischen NPD in Leipzig und als solche immer wieder Ort heftiger Auseinandersetzungen und Demonstrationen.

Von Klaus Staeubert

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