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Zoo Leipzig und WWF sehen Tiger, Löwe und Co. in Gefahr

Zoo Leipzig und WWF sehen Tiger, Löwe und Co. in Gefahr

Faul räkelt sich Taimyr am Ufer des Beckens. Als die Tierpflegerin einen Fußball in das Wasser wirft, springt der Tiger auf und spitzt die Ohren. Kurz zögert er, dann wirft er sich auf den Ball.

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Der Zoo Leipzig führt das Internationale Tigerzuchtbuch.

Quelle: Regina Katzer

Leipzig. Der junge Amur-Tiger ist gerade mal ein Jahr alt und sehr verspielt. Zusammen mit seinen zwei Geschwistern und seinen Eltern bewohnt er eine rund 2000 Quadratmeter große Anlage im Zoo Leipzig. Direktor Jörg Junhold ist zufrieden, dass das Familienleben der Tiger so harmonisch verläuft. Das sei keineswegs selbstverständlich, denn normalerweise seien die Tiere Einzelgänger.

Um Taimyrs Artgenossen in freier Wildbahn ist es weniger gut bestellt. Nach Angaben des WWF gibt es nur noch rund 3.200 freilebende Tiger. Anlässlich des Weltkatzentages, der jährlich am 8. August stattfindet, stellte Stefan Ziegler vom WWF am Dienstag im Zoo Leipzig einen Bericht über die Situation wildlebender Katzen vor.

Von den 36 Katzenarten, die auf der Roten Liste stehen, verzeichnen 30 Bestände einen Rückgang. Die Bedrohung sei vor allem auf den zunehmenden Verlust des Lebensraums zurückzuführen, so Ziegler. Das Verbreitungsgebiet von Tigern beispielsweise sei in den letzten 100 Jahren um 93 Prozent reduziert worden.

2010 ist das chinesische Jahr des Tigers. Der WWF hat sich das Ziel gesetzt bis zum nächsten Jahr des Tierkreiszeichens 2022 die Zahl der wildlebenden Raubkatzen zu verdoppeln. „Wir wissen natürlich, dass das ein sehr ambitioniertes Ziel ist“, sagte Ziegler, „Und um das zu erreichen, brauchen wir die Hilfe der Zoos.“ Diese könnten über den emotionalen Kontakt zum Tier die Bevölkerung für den Artenschutz sensibilisieren, so Direktor Jörg Junhold.

Er verwies außerdem auf die besondere Rolle, die der Zoo Leipzig beim Erhalt der Tiger spielt. Seit der Gründung 1878 seien hier rund 360 der Tiere geboren worden: „Damit tragen wir erheblich zur Zucht bei.“ Seit 1973 ist der hiesige Tierpark zudem Halter des Internationalen Tigerzuchtbuches, in dem bislang rund 9.000 der Großkatzen registriert wurden. „Das Buch ist eines der umfassendsten und renommiertesten weltweit und Basis für die reinrassige Zucht“, sagte Junhold.

Junhold betonte noch einmal, dass er das Vorgehen des Zoos Magdeburgs nachvollziehen könne. Dort waren im Mai 2008 drei Tigerbabys eingeschläfert worden, da sie nicht reinrassig und somit für die Zucht ungeeignet waren. „In so einer Situation stehen sich Artenschutz und individuelle Tierinteressen gegenüber. Dann muss der Zoo entscheiden, ob er den begrenzten Platz, der zur Verfügung steht, reinrassigen Tieren vorbehalten will oder nicht“, sagte Junhold. „Aus meiner Sicht wurde in dieser Sache sehr verantwortungsbewusst abgewogen. Dass die Zuständigen nun vor Gericht verurteilt wurden, finde ich furchtbar.“

In einer kurzen Videobotschaft forderte auch die Schauspielerin und WWF-Botschafterin Elisabeth Lanz am Dienstag zum Schutz der Raubkatzen auf: „Was wir tun können, sollten wir tun, um diese Tiere zu schützen.“ Lanz ist aus der Fernsehserie „Tierärztin Dr. Mertens“ bekannt.

Um den Bestand der wild lebenden Großkatzen zu sichern, wird es in Zukunft vermutlich auch zu Auswilderungen kommen. „Bisher hat man sich noch nicht richtig getraut, Tiger auszuwildern. Die Zootiere sind an ihre Pfleger gewöhnt. Wenn man sie in die Wildnis entlässt, würden sie die Nähe zu Menschen suchen und das wäre problematisch“ , sagte Stefan Ziegler vom WWF. Tiere, die für ein solches Projekt in Frage kämen, müssten folglich mit möglichst wenig menschlichem Kontakt aufgezogen worden sein.

Ein Gebiet, das sich für Auswilderungsprojekte eignen würde, ist, laut Peter Müller, der Osten Russlands. Der ehemalige Zoodirektor und Verantwortliche für das Tigerzuchtbuch sagte: „Dort gibt es weite Waldgebiete mit ausreichend Wild, und die Gegend ist nicht so dicht besiedelt.“ Allerdings seien zunächst exakte Untersuchungen nötig, um festzustellen, ob die Region tatsächlich geeignet sei, um den Tigern dort ein langes Leben zu ermöglichen.

Nora Ernst

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