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Lokales Zoo-Schaufenster: Afrika zum Nulltarif
Leipzig Lokales Zoo-Schaufenster: Afrika zum Nulltarif
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Das Schilf ist zurückgeschnitten, der Blick frei: Das beliebte Zoo-Schaufenster im Rosental ist wieder geöffnet und gestattet nun auch einen Gratis-Blick auf die neue Nashorn-Anlage. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Ganz still und leise hat sich der Vorhang im Rosental doch noch geöffnet: Nach langem Streit zwischen Bürgerschaft und Tiergarten gibt das Zoo-Schaufenster nun den Blick auf die schöne Afrika-Anlage wieder frei. Und die Aussicht ist imposanter und spektakulärer denn je.

Ohne viel Aufhebens zu machen, ließ der Zoo die Schilfbarriere, die im Laufe der Zeit zwischen den Gehegen und dem Rosental in die Höhe gewuchert war, an mehreren Stellen zurückschneiden. Das Comeback des Zoo-Schaufensters! Ganz zur Freude vieler Besucher der kleinen Oase im Zentrum-Nordwest. Sie bleiben jetzt wieder staunend an dem Metallzaun stehen und genießen die grandiose Aussicht. So wie gestern Wiebke Lehmann und Maria Brosch mit ihren Sprösslingen Finn und Lasse. Den Gratis-Blick gibt es jetzt aber nicht mehr nur auf Antilopen, Giraffen und Zebras, sondern auch die Nashörner in der neuen Kiwara Kopje.

Die Bürgerwiese habe eine "tierische Attraktion" zurückerhalten, freut sich Martina Lück von der Gohliser Initiative "Starke Nachbarschaften". Jahrelang hatte diese sich für das Schaufenster stark gemacht, führte Gespräche mit Zoo und Stadt, zahllose Briefnoten wurden ausgetauscht, Anfragen im Stadtrat gestellt, Proteste organisiert. Sogar eine Unterschriftenaktion gab es. Mehr als 1000 Leipziger verlangten schon im Jahr 2011: Gebt uns das Zoo-Schaufenster zurück.

Das wurde 1976 angelegt, sollte allen Bürgern einen kleinen Eindruck von der exotischen Tierwelt vermitteln. Doch mit der Umsetzung des Masterplanes für den Zoo ging dieses Stück Freiheit allmählich verloren. Dabei hatte der damalige Baubürgermeister Engelbert Lütke Daldrup noch im Jahr 2002 im Stadtrat beschworen, dass es auch nach der Einrichtung der Afrika-Savanne die "Einsichtsmöglichkeit vom Rosental" trotz "gewisser Anpflanzungsmaßnahmen" geben werde. Mit den Jahren wurde die Bepflanzung so dicht, dass kein Spaziergänger vom Rosental mehr hindurchschauen konnte. Dem Zoo war es offenbar ganz recht. Es hieß, er würde sonst zahlende Besucher verlieren, seine Tiere könnten durch Hunde im Rosental gestört werden.

Argumente, denen Alrun Tauché von Anfang an nicht traute. Sie sitzt für die Grünen seit vorigem Jahr im Zoo-Aufsichtsrat. "Eine bessere Werbung als das Schaufenster kann der Zoo für sich doch gar nicht machen", sagt sie. "So kriegt man Lust auf Afrika." Sie hofft, dass der beliebte Ausguck nun auch von Dauer ist.

 Die Bürgerinitiative bedankte sich jedenfalls schon mal in einem offenen Brief bei Oberbürgermeister Burkhard Jung und Zoodirektor Jörg Junhold. "Der Leipziger Zoo ist eine Institution, auf die wir als Bürgerinitiative ,Starke Nachbarschaften' sehr stolz sind", heißt es darin. "Die vorbildliche artgerechte Tierhaltung in Verbindung mit einem naturnahen Erleben zeigt, dass Tierschutz und Tourismus vereinbar sind. Jedem Besucher wird daher gern unser Zoo gezeigt. Durch die jetzige Wiedereröffnung der Einsichten kann nun auch der Kurzbesucher einen kleinen Einblick in das Wunder Leipziger Zoo erhalten."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.08.2015
Klaus Staeubert

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