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Lokales Zschortauer Straße: Neue Notunterkunft für Flüchtlinge kostet 1,3 Millionen Euro pro Jahr
Leipzig Lokales Zschortauer Straße: Neue Notunterkunft für Flüchtlinge kostet 1,3 Millionen Euro pro Jahr
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22:40 11.09.2014
Im Bürohaus Zschortauer Straße 44 sollen 200 Flüchtlinge leben. Quelle: André Kempner
Leipzig

200 Bewohner sollen Anfang November einziehen. Darüber informierten Leipzigs Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) und Sozialamtsleiterin Martina Kador-Probst bei einem Einwohnerforum.

Manchmal mussten die 200 Besucher in der Aula des Brockhaus-Gymnasiums ein wenig drängeln - doch letztlich wichen Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) und Sozialamtsleiterin Martina Kador-Probst keiner Frage zur geplanten Notunterkunft für 200 Flüchtlinge in der Zschortauer Straße aus.

Ja, es werde einen "handelsüblichen Gartenzaun" ringsum und eine 24-Stunden-Bewachung durch eine Sicherheitsfirma an der neunten Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Leipzig geben. Nein, aus welchen Ländern die 200 künftigen Bewohner stammen, die Anfang November einziehen sollen, lasse sich noch nicht genau sagen. Aktuell treffen aber vor allem Syrer aus dem dortigen Kriegsgebiet in Sachsens zentralem Erstaufnahmelager in Chemnitz ein, erläuterte Kador-Probst bei dem Bürgerforum am Mittwochabend. Welche Familien oder Einzelpersonen dann nach Leipzig weitergeleitet werden, entscheide nicht die Stadt, sondern der Freistaat.

Die Stimmung in der Aula war weniger gereizt als bei vergleichbaren Veranstaltungen in jüngster Vergangenheit. Sicher auch, weil es diesmal keine permanenten Zwischenrufe oder Beschimpfungen durch NPD-Aktivisten gab. So konnte Moderatorin Griseldis Wenner in Ruhe auf die Beantwortung aller Fragen aus dem Publikum pochen. Etwa die nach den Kosten: 1,3 Millionen Euro pro Jahr erhält der Eigentümer der Immobilie, die bis vor Kurzem von der Versicherung Signal Iduna genutzt wurde.

Der Vertrag ist auf drei Jahre befristet. Im Gegenzug muss der Eigentümer - die Hamburger Firma Hansainvest - aus den Großraumbüros bis Anfang November bewohnbare Zimmer abtrennen, kleine Bäder und Küchen einbauen, auch Wachdienst, soziale Betreuung und Reinigung bezahlen. "Es handelt sich um einen Pauschalpreis, in dem alles enthalten ist", sagte Kador-Probst. So würden vier Sozialarbeiter den Flüchtlingen in dem Objekt helfend zur Seite stehen.

Bürgermeister Fabian betonte, dass die Kommune viel zu wenige Angebote von privaten Immobilieneigentümern für solche Gemeinschaftsunterkünfte erhalte. Im Januar habe der Freistaat noch angekündigt, dass Leipzig in diesem Jahr "unter 1000" Flüchtlinge zugewiesen bekommt. "Jetzt sind wir schon bei 1439 und die weitere Entwicklung der internationalen Krisenherde ist unabsehbar."

Trotzdem wolle Leipzig im Gegensatz zu anderen Städten auf Zelte, Turnhallen oder Wohncontainer für "diese Menschen, die wirklich dringend unsere Hilfe brauchen", verzichten. Stattdessen würden nun in der Stöckelstraße 62 und Bornaischen Straße 215 weitere Gemeinschaftsunterkünfte mit je 60 Plätzen geschaffen. Nächstes Jahr stehe die bauliche Ertüchtigung von zumindest einem der beiden großen Häuser in der Torgauer Straße 290 an. Auch treibe die Stadt zusätzlich Pläne für einen Neubau voran, der ursprünglich mal als Ersatz für die Torgauer Straße gedacht war.

"Das Bürohaus in der Zschortauer Straße 44 ist eine Notunterkunft, die zum Beispiel nicht viele Freiflächen für die Kinder der Familien bietet und in einem Gewerbegebiet nur ausnahmsweise zulässig ist", räumte Fabian ein. "Bei den praktisch null Alternativen, die wir hatten, ist es aber eine sehr gute Notunterkunft."

Weniger offenherzig zeigte sich ein Besucher, der sich als Betreiber des FKK-Saunaclubs in einer Nachbarstraße vorstellte. "Wir müssen dann schließen", sagte er. Auf die Frage von Ex-SPD-Stadträtin Anke Kästner, warum er denn schließen müsse, gab es keine Antwort.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.09.2014

Jens Rometsch

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