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Lokales Zu Wasser und in der Luft: Leipziger Forscher leiten große Arktis-Expedition
Leipzig Lokales Zu Wasser und in der Luft: Leipziger Forscher leiten große Arktis-Expedition
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14:25 11.05.2017
Bei der Expedition kommen auch die Forschungsflugzeuge Polar 5 und 6 zum Einsatz.  Quelle: Awi
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Leipzig

Erkundung in arktischen Gefilden zu Wasser, in der Luft und auf dem Treibeis: Leipziger Experten starten in diesem Monat zu ihrer bisher größten Expedition in den hohen Norden. Leinen los, heißt es am 23. Mai in Bremerhaven für den Forschungseisbrecher Polarstern, an Bord des Schiffes sind neben der Besatzung dann rund 80 Wissenschaftler, darunter 18 vom hiesigen Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (Tropos) und drei vom Leipziger Uni-Institut für Meteorologie. Tropos-Direktor Professor Andreas Macke hat den Chefposten bei der Mission inne, fungiert als Fahrtleiter des Unternehmens mit der Kennung PS 106-1. „Wir sind bestens vorbereitet und optimistisch, dass die geplanten Messungen, Probennahmen und Analysen gelingen“, meint Macke.

Das Tropos steuert auch diverse Ausrüstung bei. Ein ganzer Container mit Messtechnik geht mit auf die Reise sowie ein mit vielen Sensoren ausgestatteter Ballon, der in die Atmosphäre entsandt und per Winde wieder eingeholt wird. Umfangreiche Tests in der Tropos-Außenstelle in Melpitz bei Torgau hat er schon hinter sich. Wenn die Polarstern abgelegt hat und zunächst zehn Tage bis ins eigentliche Operationsgebiet, der Framstraße zwischen Spitzbergen und Grönland, unterwegs ist, soll das gesamte Instrumentarium nochmals überprüft, aber auch schon kontinuierlich Wasserproben gezogen und ozeanologische Untersuchungen vorgenommen werden.

„Das ist gewissermaßen die Einlaufkurve“, erklärt Macke. „Dann wird es richtig spannend“, blickt er auf jene Etappe voraus, bei der es inmitten des arktischen Meereises zur Sache geht. Unter dem Projektnamen Pascal will die Tropos-Crew dort den Kopplungsmechanismen zwischen Eis, Wolken und Aerosolen nachspüren. „Letztlich geht es darum, besser zu verstehen, warum das Meereis im Sommer in der Nordhemisphäre dramatisch abnimmt“, so Macke. Dafür ist auch eine außergewöhnliche Aktion vorgesehen: Die Polarstern soll zwei Wochen zusammen mit einer Eisscholle driften, die in dieser Zeit eingehend sondiert und als Messbasis genutzt wird.

Anschließend läuft die Polarstern den Hafen von Longyearbyen auf Spitzbergen an, wo Macke das Kommando an die Biologin Hauke Flores vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (Awi) abgibt. Unter ihrer Ägide wird die Polarstern anschließend beim zweiten Teil der Tour unter der Kennung PS 106-2 Spitzbergen umrunden, noch ein Stück weiter in Richtung Nordpol vordringen und letztlich am 20. Juli im norwegischen Tromsø vor Anker gehen.

Die auf der Polarstern aktiven Wissenschaftler bekommen massive Unterstützung aus der Luft. Denn von einer Basis in Spitzbergen werden kontinuierlich die Awi-Flugzeuge Polar 5 und Polar 6 aufsteigen, über der jeweiligen Schiffsposition ihre Messgeräte aktivieren und zudem die Luftmassen in ihrer Zugrichtung verfolgen. Die so gewonnenen Daten sollen jene ergänzen, die von Bord und von Satelliten aus ermittelt werden, so dass ein komplexes Bild entsteht. Auch Drohnen strecken ihre Messfühler über der Meeresoberfläche aus.

Beim Einsatz der zwei mit Geräten vollgepackten Awi-Propellermaschinen hat der Direktor des hiesigen Uni-Institutes für Meteorologie, Professor Manfred Wendisch, die Leitung inne. Mit zahlreichen Kollegen seines Institutes und Kooperationspartnern bricht er am nächsten Donnerstag nach Spitzbergen auf und kümmert sich dort bis Ende Juni um die Flüge. Hinter der Kampagne steht ein junger Sonderforschungsbereich, der sich mit klimarelevanten Atmosphären- und Oberflächenprozessen sowie Rückkopplungsmechanismen in der Polarregion befasst und dessen Sprecher Wendisch ist. „Wir kombinieren eine Vielzahl von Projekten, um herauszubekommen, warum in der Arktis in den letzten 25 Jahren die Erwärmung zwei- bis dreimal stärker war als im globalen Mittel.“ Im Fokus, so Wendisch, würden bei der aktuellen Mission die Wolken stehen. Gemeinhin können sie entweder kühlend oder erwärmend wirken. Wendisch und Kollegen vermuten für die Arktis letzteres – aber der Beweis dafür steht noch aus.

Von Mario Beck

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