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Zugkräftige Bahn-Nostalgie in Leipzig

Zugkräftige Bahn-Nostalgie in Leipzig

Großer Bahnhof im Eisenbahnmuseum Leipzig-Plagwitz: Zum Sommerfest hatte der Trägerverein am Sonnabend mit viel Programm die Weichen für gehörigen Publikumsverkehr gestellt und die Besucher strömten zu Hauf auf das mit Technik aller Art bestückte Gelände an der Kurt-Kresse-Straße.

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Lok an Lok: Beim Sommerfest konnten im Eisenbahn-Museum Plagwitz Schienenfahrzeuge verschiedener Bauart besichtigt werden. Angeboten wurden auch Touren an Bord einer Diesel-Lokomotive.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. "Das ist wie eine Fahrt in die Vergangenheit", freute sich Ronny Wegel, der mit Töchterchen Lea auf den Spuren der Eisenbahngeschichte wandelte. "Wir sind von Neugier getrieben."

Erste Station beim Abenteuer des Schienenstranges war für die meisten das Dampfross mit der Kennung 52 8145, das gewissermaßen das Zugpferd des vor 25 Jahren gegründeten Museumsvereins ist. Bei Sonderfahrten leistet die 1943 gebaute und wieder auf Vordermann gebrachte Lok beste Dienste. In die Spur ging der 135 Tonnen schwere Koloss am Samstag zwar nicht, aber der Star war er trotzdem. Gedränge herrschte in seinem Führerstand. Vereinschef Andreas Lindner, der dort Position bezogen hatte, wurde mit Fragen eingeheizt. "Wozu ist eigentlich dieses Rad da", wollte der zehnjährige Martin Schmale wissen und vermutete, dass es mit der Lenkung zu tun hat. "Ein weit verbreiteter Irrtum", klärte Lindner auf. "Gelenkt wird die Lok nicht, sie ist ja spurgeführt. Das Rad fungiert als eine Art Gangschaltung zum Vorwärts- und Rückwärtsfahren und zum Steuern der Maschinenleistung."

Die Gäste erkundigten sich auch nach dem Beleuchtungssystem der Lok, deren Tender 30 000 Liter Wasser und zehn Tonnen Steinkohle fasst. Die Lichtanlage werde über eine kleine Dampfturbine mit Strom versorgt, ebenso wie das Funkgerät an Bord, erläuterte Lindner. "Funk muss sein in der Eisenbahn-Neuzeit." Für ein anderes Schienenfahrzeug stand das Signal auf Grün. Mit lautem Signalton und Passagieren an Bord machte sich immer wieder eine dieselgetriebene V15 auf den Weg durchs Vereinsrevier. Einst war die blau getünchte Rangierlok - Baujahr 1962 - im Leipziger Postbahnhof beheimatet.

Eine ihrer großen Schwestern, eine V60, wartet hingegen noch auf die Betriebszulassung. Ausgebrannt war sie in den Museumsbestand gekommen, nach fünf Jahren Rekonstruktion kann sie sich nun schon wieder sehen lassen. Genauso wie viele andere Exponate, die beim Sommerfest glänzten und Erinnerungen wach riefen. "Die guten alten Reisewagen, schön sie mal wieder zu sehen", meinte Günter Drees beim Anblick des rollenden Materials, mit dem er zu DDR-Zeiten als "beruflich bedingter Vielfahrer" oft unterwegs war. Bekanntschaft schloss der 63-Jährige bei seiner Tour durchs Museumsterrain, das über rund zwei Kilometer Gleisanlagen verfügt, hingegen erstmals mit zwei Waggons, in denen im Arbeiter- und Bauernstaat nur Auserwählte unterwegs waren. Der eine gehörte zum Führungszug der Nationalen Volksarmee, der andere zum Zug der Regierung. "Sofas, Schrankwände - die Wagen waren luxuriös ausgestattet", erzählte Alexander Schröter beim Rundgang. Seit 1994 engagiert er sich im Verein, ist dessen Vizechef. "Wir haben etwa 60 Mitglieder, ein Drittel davon macht den harten Kern aus."

Nicht nur auf der Freifläche herrschte am Sonnabend geschäftiges Treiben. Auch den über 100 Jahre alten preußischen Lokschuppen, das Vereinsdomizil, inspizierten die Schaulustigen. Aufbewahrt sind dort diverse Gegenstände vergangener Bahn-Epochen - Beschilderungen und Weichenschlüssel etwa, draußen hängt die gerettete Pegauer Bahnhofsuhr. "Für mich war das hier ein toller Zeitvertreib", resümierte Karl Wolter (58), der drei Stunden auf dem Gelände zubrachte und vor allem von einem Schmuckstück angetan war - der Kleinlok mit Ölgetriebe. 1933 gebaut, kam sie 2005 in die Obhut des Vereins. "Als Häufchen Elend haben wir sie übernommen und dann runderneuert", berichtete Schröter.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.08.2014

Mario Beck

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