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Lokales Zuglärm nervt Liebertwolkwitzer
Leipzig Lokales Zuglärm nervt Liebertwolkwitzer
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09:16 27.02.2016
Ortsvorsteher Roland Geistert und Vereinsvorsitzende Brigitte Herrmann ärgern sich über den Bahnlärm in Liebertwolkwitz.   Quelle: André Kempner
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Liebertwolkwitz

 Seit Mitte Dezember werden mehr als 100 Familien in Liebertwolkwitz Nacht für Nacht aus dem Schlaf gerissen, weil Züge mit ohrenbetäubendem Lärm durch den Ortsteil donnern. „Vor allem die Anwohner der Oberholzstraße und der Straße am Niederholz haben darunter zu leiden“, erklärte Ortsvorsteher Roland Geistert (Wählervereinigung Liebertwolkwitz Unabhängige Vertreter/LUV) in der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrats.

Sein Gremium und der Siedlerverein 1924 machen jetzt mobil gegen die Mitteldeutsche Regiobahn, ein Tochterunternehmen der Transdev-Gesellschaft, die wiederum zum französischen Mischkonzern Veolia gehört. Die Mitteldeutsche Regiobahn hatte sich im Vorjahr mit dem billigsten Angebot gegen die Deutsche Bahn AG und einen weiteren Bieter durchgesetzt und den Zuschlag erhalten, als die Bahnstrecke von Leipzig nach Chemnitz zur Ausschreibung stand. „Und der Betreiber setzte von Anfang an mit Beginn des Winterfahrplanes einen völlig veralteten Zugtyp ein, der auf der Strecke zwischen Eilenburg und Halle ausgemustert worden war“, sagte Geistert. „Die schrottreifen Wagen der ehemaligen Reichsbahn sollen auch von der Nord-Ostsee-Bahn zwischen Hamburg, Husum und Westerland genutzt worden sein“, meinte Ortschaftsrätin Heike Böhm (SPD). Der von einer Diesellok angetriebene sogenannte Regionalexpress passiert in beiden Richtungen im Stundentakt ohne Halt Liebertwolkwitz mit einem Tempo von mehr als 100 Stundenkilometern. Die Strecke von Leipzig nach Chemnitz über Geithain und Bad Lausick wurde erst zwischen 2003 und 2004 modernisiert, sodass die Züge abschnittsweise sogar mit Tempo 160 unterwegs sein können. „Der Bahnlärm beeinträchtigt in hohem Maße die Lebensqualität und die Gesundheit der Anwohner“, konstatierte Brigitte Herrmann, die Vorsitzende des Siedlervereins. „Dies nehmen wir nicht länger hin, zumal erst 2023/24 die Strecke durchgängig elektrifiziert und dann auch zum großen Teil wieder zweigleisig ausgebaut sein soll“, betonte sie. Auch der Ortschaftsrat fordert über alle Parteigrenzen hinweg kurzfristig den Einsatz leiser fahrender Züge. „Dass dies geht, beweist das Betreiberunternehmen mit den Zügen, die nur bis Bad Lausick beziehungsweise Geithain eingesetzt werden“, ergänzte Geistert. Diese Zugpaare fahren erheblich geräuschloser und stören niemanden.

Laut Umweltbundesamt besteht gesetzlicher Anspruch auf Lärmschutz, wenn die 50-Dezibel-Grenze überschritten wird. Und Anwohner Burkhard Liebmann stellte bei Messungen schon tagsüber fest, dass bei jedem zweiten Zug die Lärmbelastung teils deutlich über 50 dB liegt. Geistert hatte die Transdev Mitteldeutschland zur Februar-Ortschaftsratssitzung eingeladen, damit das Bahnunternehmen zu den Vorwürfen Stellung nehmen kann. Matthias Löser von der Geschäftsführung des Konzerns sagte aufgrund „anderer Verpflichtungen“ die Teilnahme ab. Gegenüber der LVZ wollte sich Löser zur Situation der unter Kritik stehenden „Expresszüge“ nicht äußern und verwies auf die Kommunikationsabteilung seines Unternehmens.

Inzwischen geriet der Betreiber der Bahnlinie auch aus Chemnitz unter Druck. „Der Zug rumpelt laut tönend, weil er keinen Schallschutz hat“, kritisierte Ingrid Mössinger, Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz. Und er werde von einem genervten Personal begleitet, weil sich die Kunden massenhaft beschweren. Nun räumte auch Barbara Ludwig (SPD), Oberbürgermeisterin von Chemnitz und zugleich stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsverbundes Mittelsachsen, Versäumnisse bei der Vergabe des Auftrages zum Betreiben der Strecke zwischen Leipzig und Chemnitz ein. Im Nachhinein sei festzustellen, so Ludwig, dass es an den Zügen der Mitteldeutschen Regiobahn Mängel gebe. Die CDU/FDP-Fraktion will sich mit der unzumutbaren Situation der Dieselfahrzeuge im Chemnitzer Stadtrat auseinandersetzen.

Der Liebertwolkwitzer Ortschaftsrat will nun auch das Leipziger Gremium und die Stadtverwaltung einschalten, damit das Bahnunternehmen zum Handeln gezwungen wird und die Anwohner endlich wieder zum ungestörten Schlaf finden.

Von Günther Giessler

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