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Lokales Beisetzung des Leipziger Schriftstellers und Karl-May-Biografen Christian Heermann
Leipzig Lokales Beisetzung des Leipziger Schriftstellers und Karl-May-Biografen Christian Heermann
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07:41 22.12.2017
Der Leipziger Schriftsteller und Karl-May-Biograf Christian Heermann wurde am Donnerstag feierlich beigesetzt. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Es begann mit der „Wochenpost“, jener Postille für Kultur und Unterhaltung, die mit  1,3 Millionen Exemplaren zu den auflagenstärksten Wochenblättern der DDR gehörte. Hier veröffentlichte der junge Leipziger Autor Christian Heermann in den 1960er-Jahren die ersten Teile der „Großen Londoner Kriminalfälle“. Unter dem Titel „Der Würger von Notting Hill“ kamen die Storys dann 1970 als Buch heraus. Insgesamt erschienen 290 000 Exemplare im deutschsprachigen Raum.

„Alles in der Deutschen Bücherei und in der Universitätsbibliothek in Leipzig recherchiert“, schrieb Heermann 2016 in einer Widmung und beantwortete damit die zuvor im Interview gestellte Frage, woher er all den Stoff genommen habe. „Als DDR-Mensch konnte ich nicht nach London reisen“, sagte er. Und so wühlte er sich durch die Archive. Und das tat er auch im Fall von Karl May (1842–1912). Das Leben des sächsischen Abenteuerschriftstellers war Heermanns große Leidenschaft. Als Junge hatte er den „Schatz im Silbersee“ geschenkt bekommen und fortan alles gesammelt, was er zu May greifen konnte. Das war bis Anfang der 1980er-Jahre nicht einfach, denn Karl May wurde bis dato in der DDR nicht verlegt, aus den Bibliotheken ausgesondert und war nur antiquarisch oder aus dem Westen zu beschaffen. Die widrigen Umstände hielten den May-Fan Heermann nicht ab und 1988 brachte er mit „Der Mann, der Old Shatterhand war“ die erste umfassende Lebensbeschreibung Karl Mays in der DDR heraus. Ein großer Erfolg.

Dabei war der Autor von Beruf Naturwissenschaftler. Im Chemnitz am 11. September 1936 geboren, wuchs Heermann  im Erzgebirge in Lengenfeld auf, ging in Olbernhau zur Schule. Studium der Mathematik und der Physik an der Uni Leipzig, Promotion, Lehrtätigkeit. Aber: seine große Leidenschaft galt Winnetou und all den anderen Helden des Mayschen Erfindungsgeistes. 2500 Zeitungsartikel hat Heermann geschrieben, darunter viele für die LVZ, und es gibt inzwischen elf Bücher über Karl May, an denen er mitgewirkt hat. Neben Karl-May-Ausgaben aus aller Herren Länder hat er Briefmarken gesammelt und Schallplatten. „Yesterday“ erklang gestern zum Auftakt der Trauerfeier in der kleinen Kapelle auf dem Friedhof Connewitz. Trauerredner Anders Hoedt würdigte den „Lebenskünstler“ Dr. Christian Heermann, dessen Arbeitszimmer ein Spruch von Dietrich Bonhoeffer (1906–1945) zierte: „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.“ Etwa 60 Trauergäste, darunter Schulfreunde, ehemaligen Kollegen von der Uni und „Karl-May-Freunde aus Nah und Fern“ gaben Christian Heermann das letzte Geleit. Er war am 27. November im Park-Krankenhaus in Leipzig im Alter von 81 Jahren gestorben. „In drei Tagen bin ich wieder da“, hatte er seiner Frau Martina (84) zugerufen. Sie stand seit 57 Jahren fest an seiner Seite. Am Donnerstag, im Trauerzug zur Grabstätte, war sie nicht mit dabei. Sie ringt nun im Elisabeth-Krankenhaus selbst mit dem Leben. Als die Urne in die Erde sank, spielte der Leipziger Trompeter Sebastian Taubert das instrumentale Leitthema der Karl-Karl-May-Filme: die Winnetou-Melodie …

Jan Emendörfer

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