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Zum Tod von Leipzigs Gosenschenken-Wirt Hennebach: „Mein Leben war reich und intensiv"

Zum Tod von Leipzigs Gosenschenken-Wirt Hennebach: „Mein Leben war reich und intensiv"

Er wusste, dass er keine Chance hat. Vergangenen Freitag ist Hartmut Hennebach, Leipzigs schon legendär zu nennender Gosenschenken-Wirt, im Alter von nur 62 Jahren in seinem Haus in Markkleeberg gestorben.

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Hartmut Hennebach ist am Freitag gestorben.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die unheilbare Krebs-Erkrankung der Bauchspeicheldrüse mit all den schlimmen Folgen hatte er bis zuletzt unter meist schlimmen Schmerzen, aber doch mit stets wachem Verstand ertragen.

Noch wenige Tage vor dem auch von ihm erwarteten Tod schrieb er sein Vermächtnis im Krankenbett in den Computer und sandte es als Mail an den Autor dieser Zeilen. Die im folgenden gebrauchten Zitate sind somit autorisiert.

Hartmut Hennebach wurde am 26. März 1950 in Kämmeritz, Kreis Merseburg, geboren. Er lernte Maler in der Firma seines Vaters, legte das Abitur ab, hatte seinen 18-monatigen Dienst bei der NVA zu leisten und konnte danach Veterinärmedizin an der Leipziger Karl-Marx-Universität studieren. Zu diesem Fach war er gekommen, weil der Freund seines Vaters Tierarzt war und dadurch bei Hartmut früh Interesse an der Tierzucht und speziell am Schwein geweckt wurde. „Mit den Hörsälen lernte ich auch Leipzigs Bars kennen", schreibt Hennebach.

Richtungsweisende Begegnung

Die Stones und Eric Burdon, das war seine Musik. Der Student hatte schulterlange Haare und eine Brille wie John Lennon. Aus einem „bunten Vogel" wurde bald ein Vollblutwissenschaftler. Hartmut war Forschungsstudent, promovierte, sein Team entwickelte die Muskelbiopsie zur Voraussage der Fleischqualität und zur Belastungsempfindlichkeit beim lebenden Schwein. Mit 28 Jahren war Hennebach wissenschaftlicher Oberassistent, es gab also sehr gute Chancen, auch in der DDR Karriere zu machen.

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Hartmut Hennebach war ein Botschafter für die Leipziger Gose.

Quelle: André Kempner

Als Mitte der 1980er-Jahre eine Forschungsgruppe für Äthiopien aufgebaut wurde, wähnte sich Hennebach endlich in der weiten Welt unterwegs. Die Stasi lehnte ihn aber als Reisekader ab, warf ihm Kontakte zur Dissidentenbewegung in der Magdeburger Galerie Bahs vor. „Kein Ausland, keine Kongresse, die Kollegen im Westen wollten mehr von unseren Forschungen wissen, doch ich durfte nicht raus", so Hennebach.

Er war konsequent, quittierte seinen Uni-Dienst, verdiente zunächst Geld mit dem Verkauf alter Ansichtskarten auf Flohmärkten und lernte dabei Gosenschenken-Gründer Lothar Goldhahn kennen, der ihm den Posten des Geschäftführers in seinem Privatunternehmen anbot. Das Kneipenwesen war Hennebach völlig fremd, er wusste aber als gelernter DDR-Bürger, wie man mit Organisationstalent zu seltenen Dingen kommen konnte.

Das Vollgas-Leben von Hennebach

Die Friedliche Revolution erlebte er mit heißem Herzen, in seinem Restaurant namens „Ohne Bedenken" gründete sich sogar die CDU Sachsen. Der angestellte Kneiper wurde bald Eigentümer des Traditionsrestaurants und selbst ernannter Gose-Botschafter. Fasching, Lene-Voigt-Abende, Silvester und Biergartenfeste mit der Losen Skiffle Gemeinschaft errangen Kultstatus und ziehen immer wieder die Fans in die Menckestraße nach Gohlis. Ab 1997 wird hier beim Sommerfest die Gose-Königin gewählt, und im Vereinszimmer etablieren sich die Stammtische, so auch der der Goseaner.

Hennebach liebte sein Vollgas-Leben. Zu tun war für ihn immer was, die Kneipe, seine unzähligen Hobbys, keine Auktion fand hier zu Lande ohne ihn statt, auch Leipzigs Künstler waren seine Freunde, wobei er sie mit zahlreichen Käufen auch wirklich unterstützte. Mit Frau Ulrike gönnte er sich die eine oder andere Reise in die weite Welt. Alles wurde ganz anders in diesem Leben, als er 8. Januar dieses Jahres „von der Keule" getroffen wurde: Bauchspeicheldrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium.

"Lange Weile kannte ich nicht"

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Hartmut Hennebach in seinem Büro.

Quelle: André Kempner

Der Leidensweg begann. Im August sagten ihm die Ärzte, dass der Krebs nicht zu heilen sein wird. Hartmut kämpfte, verweigerte eine immer höhere Dosis Morphium: „Lieber Schmerzen als hilflos daliegen und nicht mehr wissen, wer und wo man ist." In seinem Lebens-Fazit heißt es auch: „Lange Weile kannte ich nicht. Es gab niemals Ruhephasen. Ich machte alles aus Leidenschaft, das Studium, das Schachspielen, die Malerei, die Fotografie, die Frauen und bis zuletzt das schon manische Sammeln. Für ein ungerechtfertigtes Knöllchen ging ich lieber in Erzwingungshaft. Klein beigeben war eben nicht meine Art. Ich konnte nicht gelassen sein. Mein Leben war reich und intensiv, vielleicht zu intensiv?" Als er kurz vor Weihnachten 2011 mit Familie und Freunden den Einzug in sein neues Haus feierte, sagte Hennebach nahezu prophetisch: „Ist das Haus fertig, kommt der Tod."

Hartmut Hennebach werden viele vermissen. Zwar heißt es bekanntlich, dass jeder ersetzbar ist, so einen wie ihn als Unikum kann es aber kein zweites Mal geben. Er war vor allem auch ein begeisterter Bürger der Stadt Leipzig und trug mit seinen vielfältigen Ideen und Unternehmungen dazu bei, dass das Leben hier lebenswert ist.

Thomas Mayer

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