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Lokales Zwangsversteigerungen auf Rekordtief: „Der Markt ist leer“
Leipzig Lokales Zwangsversteigerungen auf Rekordtief: „Der Markt ist leer“
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23:55 07.02.2016
Quelle: Grafik: Patrick Moye
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Leipzig

 Signifikanter Abwärtstrend: Nach Angaben des Amtsgerichtes Leipzig (AGL) ist die Anzahl der Anträge auf Zwangsversteigerungen von Immobilien um rund 70 Prozent gesunken. Gab es im Jahr 2001 auf dem Höchststand noch 2634 Anträge, so gingen voriges Jahr nur noch 807 ein. Das Rekordtief beim zwangsweisen Verkauf von Eigentumswohnungen, Häusern, Ackerland und Co. spiegelt nach Ansicht von Mathias Winderlich die „gute wirtschaftliche Situation“ wider. Notleidende Darlehen, bei denen Kunden mit Raten in Verzug gekommen sind, gebe es bei Banken so wenige wie seit Jahren nicht, glaubt der Leiter der für Zwangsversteigerungen zuständigen Abteilung. Wobei die gesunkene Arbeitslosenquote ganz sicher eine Rolle spiele.

Andererseits sei gerade in Leipzig „das Interesse an Immobilien extrem hoch“. Die Nachfrage nach dem sogenannten Betongold steige seit Jahren, Immobilien galten nach dem Euro-Crash als krisensichere Geldanlage. „Da es so wenig Zinsen gibt, erscheint die Investition in Immobilien gewinnträchtiger“, so Winderlich.

Aufgrund der aktuellen Lage bekommen Schuldner ihr Objekt auf dem freien Markt selbst gut verkauft, sagt Rechtspfleger Ronald Naumann. „Der Weg zur Zwangsversteigerung ist da gar nicht mehr zwingend.“ Das führt dazu, dass es inzwischen gerade bei Eigentumswohnungen, Ein- und Mehrfamilienhäusern „mehr Interessenten als Objekte“ gebe, weiß der Gruppenleiter am AGL, das bei Zwangsversteigerungen nicht nur für die Stadt Leipzig, sondern auch die Landkreise Leipzig und Nordsachsen zuständig ist. „Der Markt ist leer“, so Naumann.

Aufgrund der Jagd nach Immobilien und Eigentum stiegen die Erlöse bei Versteigerungen enorm an. Laut Naumann gingen beispielsweise sanierte Altbauwohnungen im Stadtgebiet Leipzig voriges Jahr sogar für durchschnittlich 100,2 Prozent des gutachterlich ermittelten Verkehrswertes über den Tisch. 2014 wurden 80,8 Prozent und 2005 nur 52,4 Prozent erreicht. „Allgemein kann man sagen, dass es in gefragten Lagen nicht selten ist, wenn der Verkehrswert um 100 bis 200 Prozent überschritten wird“, berichtet Naumann, der auch selbst Objekte unter den Hammer bringt. Bezogen auf den gesamten AGL-Zuständigkeitsbereich wurden voriges Jahr bei Eigentumswohnungen im Durchschnitt 91,3 Prozent des Verkehrswertes erreicht. 2005: 50 Prozent. Daher bekommt das Gericht die Objekte auch immer schneller los. 2015 fanden sie in 61,9 Prozent der Fälle bereits beim ersten Bietertermin einen Käufer. Vergleichszahl von 2005: 36 Prozent.

Am Amtsgericht Leipzig wurden voriges Jahr 462 Objekte auf Antrag von Gläubigern zwangsversteigert: 68 Prozent davon waren Eigentumswohnungen. Einfamilienhäuser machten einen Anteil von 16,9 Prozent aus. Danach folgten Mehrfamilienhäuser mit 8,4 Prozent, Bauland mit 3,9 Prozent. Landwirtschaftliche Objekte mit 1,1 Prozent sowie Gewerbeimmobilien mit 1, 7 Prozent gelten als Exoten.

Der extreme Rückgang der Zahlen macht sich auch beim Personal bemerkbar. „Die Abteilung ist mächtig kleiner geworden“, sagt Naumann. Gab es 2005 noch 26 Rechtspfleger, waren es 2015 nur noch neun. Sie wechselten in andere Abteilungen des Gerichts wie zum Beispiel das Grundbuchamt.

Von Sabine Kreuz

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