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Zwei neue Gymnasien, ein Erweiterungsbau – ein Kraftakt bis zum Schulstart in Leipzig

Schulbaustellen in Leipzig Zwei neue Gymnasien, ein Erweiterungsbau – ein Kraftakt bis zum Schulstart in Leipzig

Die Zeit drängt: Zwei Gymnasien sowie ein Erweiterungsbau müssen zum Schulstart am 7. August fertig sein – auf einer Baustellentour wollten Stadträte wissen, wie es läuft. Die LVZ war auf vier Baustellen dabei.

Das neue Goethe-Gymnasium in Schönefeld: Ein geschwungener Gang verbindet die beiden Schulgebäude über den Friedhofsweg. Bis zum August sind noch etliche Bauarbeiten zu erledigen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der geschlossene, geschwungene Gang über den Friedhofsweg, der die beiden, nun fast fertig sanierten beiden Schulhäuser in Schönefeld miteinander verbindet, fügt sich harmonisch ins Bild ein. Vergessen ist der Streit mit der Landesdenkmalpflege, ob er gebaut werden darf. Die wollte ihn verhindern, Stadträte haben ihn dann aber gegen den Willen der Verwaltung durchgedrückt (die LVZ berichtete). Rein äußerlich macht das künftige Goethe-Gymnasium in der Gorkistraße einen guten Eindruck. Im Erweiterungsanbau werden gerade die Fachkabinette eingerichtet, in denen ab August naturwissenschaftliche Fächer wie Biologie, Chemie und Physik unterrichtet werden. Auf der Freifläche warten viele Fahrradständer auf die Schüler. Angenehmes Flair bietet die neue Mensa, die in der ehemaligen Turnhalle entstanden ist. Im Inneren der Gebäude ist in den nächsten fünf Wochen aber noch viel zu tun. Noch nicht ganz fertig ist beispielsweise die Aula. Viele Räume machen keinesfalls den Eindruck, als ob dort bald Schüler unterrichtet werden können.

„Gymnasium wird Schönefeld beleben“

„Ich bin optimistisch. Das wird!“, sagt Bürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos). „Wenn ich den Baufortschritt der letzten Wochen sehe, glaube ich fest daran“, ergänzt Schulleiter Mario Coccejus. Klar sei aber, dass die ersten Tage wohl noch ein wenig „Unterricht mit Baustelle“ bleiben. „Das neue Gymnasium wird Schönefeld beleben“, ist Schulbürgermeister Thomas Fabian (SPD) sicher, der Stadträte zu der Tour eingeladen hat, und ergänzt: „Es hat sich wirklich gelohnt.“ Ganz billig ist die Sanierung allerdings nicht: 19,80 Millionen Euro wurden investiert. Was noch fehlt, ist die Dreifeldsporthalle, für die es bislang lediglich erste Planungen gibt. Bis 2019 soll die das Ensemble ergänzen, bis dahin müssen die Kinder und Jugendlichen eine alte Halle nutzen. Im August berät der Stadtrat über den Bau der Sporthalle, nachdem die Förderung und der Grundstückskauf geregelt sind. Das Goethe-Gymnasium wird gleich von Anfang an gut gefüllt sein. Neben Klassen aus dem Interim Löbauer Straße sowie den neuen Fünften kommt Verstärkung aus dem Brockhaus-Gymnasium. Die Bildungsstätte in Mockau wird teilweise ausgelagert, da dort Dach, Fassade und Fenster saniert werden.

Neubau wird Ausweichquartier für Grünau

Modern und innovativ präsentiert sich das neue Gymnasium an der Telemannstraße, das künftig wohl den Namen der Fotografin Gerta Taro tragen wird. So jedenfalls hat es die Schulkonferenz der Bildungsstätte, deren Klassen im Ausweichquartier Gohlis aufgebaut worden waren, angeregt. In den Neubau (Kosten 25,7 Millionen Euro) ziehen ab August Fünft- bis Siebtklässler sowie für drei Jahre die Oberstufe aus dem Grünauer Max-Klinger-Gymnasium ein, wo die langersehnte Sanierung eines der Gebäude beginnt. Die Telemann-Schule, ein barrierefreies, viergeschossiges Gebäude aus Stahlbeton, ist für bis zu 1200 Kinder konzipiert. Auch dort wird es für die Bauleute sportlich, bis zum Schulstart fertig zu werden. „Wir setzen alles daran, dass wir es pünktlich schaffen“, so Projektleiter Martin Mätze. Ein paar Restleistungen bleiben aber noch übrig. Derzeit läuft der Abriss der alten Sporthalle an der Wundtstraße, weswegen ein Teil der Freiflächen erst bis zum Frühjahr gestaltet werden kann. Fertig ist die neue Dreifeldsporthalle, die von mehreren Schulen und dem Vereinssport genutzt wird – allerdings ist die bereits „bis zur Kante ausgelastet“, weil sie auch von anderen Bildungsstätten wie dem Thomasgymnasium genutzt werden. Viel Raum bietet die Schule selbst – darunter Lerninseln oder Räume, in denen sich jeweils bis zu zwölf Lehrer vorbereiten können. Ein großes Lehrerzimmer gibt es nicht. Mensa, Aula, die mit Glas überdachte Pausenhalle und Flure lassen sich durch das Öffnen beweglicher Wände zusammenschalten. Für den künftigen Schulleiter Uwe Schmidt, Außenstellenleiterin Annett Dargazanli und ihr Team bleibt über die Ferien viel Arbeit, den Start vorzubereiten.

Kein Großprojekt, aber ebenfalls wichtig ist der dreigeschossige Anbau der Fritz-Baumgarten-Grundschule in der Riebeckstraße 50. Dort steht der Rohbau, bis Januar 2018 soll das Haus bezugsfertig sein. Das bringt Entlastung für die Grundschule, die ihr Domizil derzeit mit der Förderschule Thonberg teilt. Die zieht 2019 ins „Kinderhaus Alte Messe“, für das der Bau nahe der Fußballhalle Soccerworld begonnen hat. „Dann kann die Brandschutzsanierung und die Erweiterung des Speisesaals beginnen. Vorher ist das logistisch nicht möglich“, so Eckehard Jahnke, Fachgruppenleiter Schulbauinvestitionen bei der Stadt. Vier Unterrichts-, sieben Horträume sowie ein Mehrzweckraum entstehen im Erweiterungsbau. „Jetzt haben wir eine optimale Lösung, da war der Streit um die Schule wenigstens produktiv“, erinnert Linken-Stadtrat Siegfried Schlegel an vorausgegangene Debatten.

Erweiterungsbau in nur zehn Monaten

Mehr Platz bekommt die Georg-Schumann-Oberschule in der Glockenstraße, für die innerhalb von zehn Monaten ein Erweiterungsbau hochgezogen wurde. Bis August sind die acht Unterrichtsräume fertig. Marode bleibt das Hauptgebäude, die Turnhalle leidet an Altersschwäche – besonders die Toiletten. Die Modernisierung des denkmalgeschützten Hauses (Kosten: 13 Millionen Euro) sowie der Neubau einer Zweifeldsporthalle sind zumindest geplant. „Es geht voran, viele Probleme müssen wir aber noch lösen“, konstatiert Bürgermeister Fabian, der wie die ganze Verwaltung vor einem gewaltigen Kraftakt steht: Bis 2030 braucht die Stadt 17 Grundschulen, zehn Oberschulen und vier Gymnasien mehr als bisher angenommen. Eine Pause für Bauleute und die Stadtplaner verbietet sich da von selbst.

Von Mathias Orbeck

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