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Lokales Zwei weitere Kinder an Masern erkrankt – Ausbruch im Raum Leipzig löst Impfwelle aus
Leipzig Lokales Zwei weitere Kinder an Masern erkrankt – Ausbruch im Raum Leipzig löst Impfwelle aus
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17:53 18.02.2015
Die Zahl der Masernfälle in der Region Leipzig ist auf 22 angestiegen. Experten raten dringend zu einer Impfung. Quelle: dpa
Leipzig/Grimma

Am Mittwoch wurde bekannt, dass sich zwei weitere Kinder im Kreis Leipzig mit dem hochansteckenden Virus infiziert haben. Damit stieg die Zahl der Fälle auf insgesamt 23. Das Gesundheitsamt registriert bereits eine steigende Nachfrage nach Impfungen.

In der Stadt Leipzig gibt es derzeit 18 Masern-Erkrankungen, im Landkreis Leipzig sind fünf Fälle bekannt – zwei mehr als noch am Dienstag. Ein Geschwisterkind habe sich angesteckt, hieß es am Nachmittag. „Jeder Fall ist in einer anderen Stadt oder Gemeinde aufgetreten. Keiner dieser Fälle stammt aus Grimma“, stellte Brigitte Laux, Sprecherin des zuständigen Landratsamtes, am Morgen gegenüber LVZ-Online klar. Die erkrankten Kinder sind zwischen sieben Monaten und 13 Jahren alt – sie alle waren nicht geimpft. Keiner der Erkrankten schwebt nach Angaben der Behörden in Lebensgefahr.

Betroffene Kitas in mehreren Leipziger Stadtteilen

Sachsenweit waren am Mittwochmittag 29 Masernfälle und damit 24 mehr als noch in der Vorwoche bekannt. „Es konzentriert sich derzeit auf die Stadt Leipzig und den Landkreis, jedoch ploppt die Krankheit an unterschiedlichen Stellen auf“, sagte Annett Hofmann, Sprecherin des sächsischen Gesundheitsministeriums auf Anfrage.

Aus Datenschutzgründen werden keine Details zu den Fällen bekanntgegeben. Welche sechs Leipziger Kitas und drei Tagesmütter betroffen sind, bleibt deshalb unklar. „Es gibt örtliche Schwerpunkte, aber sie verteilen sich über die Stadt“, sagte Nils Lahl, Sachbietsleiter Hygiene im Leipziger Gesundheitsamt. Die Eltern von 788 Kindern in den betroffenen Einrichtungen seien durch Informationsschreiben sowie Aushänge aufgeklärt worden.

Das Landratsamt im Kreis Leipzig hatte erst am Morgen aus der LVZ erfahren, dass die Quelle der Infektion möglicherweise aus der Region Grimma kommt. Lahl hatte dies aufgrund der Entwicklung der Krankheitswelle als wahrscheinlich bezeichnet. „Wir waren davon einigermaßen überrascht“, erklärte Laux. „Bei drei der erkrankten Kinder wurde ermittelt, dass alle in derselben Arztpraxis außerhalb des Landkreises wegen anderer Beschwerden behandelt wurden.“ Der weitere Fall im Landkreis habe mit den anderen im Umland gemeldeten Patienten nach derzeitigem Kenntnisstand nichts zu tun, so die Sprecherin.

  // Beitrag von LVZ-Online.

Infektionen durch „Masernparty“ ausgelöst?

Lahl wollte nicht ausschließen, dass sich einige der Betroffenen bei einer sogenannten „Masernparty“ angesteckt haben. Dabei werden Kinder absichtlich mit der Krankheit angesteckt, um sie zu immunisieren. Eher habe sich der Virus jedoch dort ausgebreitet, wo viele Kinder miteinander in Kontakt kommen, wie auf einem Spielplatz oder bei einer öffentlichen Veranstaltung. Wer der Erstüberträger war, ist unklar. Das Kind müsse deutlich früher als der zuerst behandelte einjährige Junge erkrankt sein, also vor dem 6. Februar. „Unter den bisher bekannten Fällen kann der Indexfall nicht dabei sein, weil die Erkrankungen fast alle parallel verlaufen sind“, erklärte Lahl.

Masernimpfung: Die Krankheit ist immer noch nicht ausgerottet, weshalb weiterhin über eine Impfpflicht nachgedacht wird. Quelle: dpa

Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) rief am Mittwoch alle Eltern auf, den Impfschutz ihrer Kinder zu überprüfen und bezeichnete diesen als unerlässlich. "Masern sind keine zu verharmlosende Kinderkrankheit, sondern können mit schwerwiegenden Komplikationen oder sogar Sterbefällen einhergehen“, sagte die Ministerin.

Experte Lahl betonte, dass nur eine Immunisierung zuverlässigen Schutz insbesondere vor lebensgefährlichen Komplikationen biete. Diese können bei einer Erkrankung vor allem bei Kleinkindern auftreten. Wer die Masern einmal durchgemacht hat, ist dagegen geschützt. Viele Eltern würden auf eine Impfung ihrer Kinder jedoch „bewusst verzichten“, was fatale Folgen haben könne. Nach Bekanntwerden des Masern-Ausbruchs – dem schlimmsten seit der Wiedervereinigung in Leipzig – sei die Nachfrage jedoch spürbar angestiegen. „Es hat bereits eine regelrechte Impfwelle eingesetzt“, berichtete Lahl.

Robert Nößler

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