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Lokales Zweimal wöchentlich: In 12 Tagen nach Indonesien
Leipzig Lokales Zweimal wöchentlich: In 12 Tagen nach Indonesien
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08:00 05.09.2017
Vermutlich 1938 entstand dieses Foto, das den vielgereisten Schauspieler Heinz Rühmann (links) vor dem Verwaltungsgebäude in Schkeuditz zeigt. Quelle: Quelle: Dipl.rer.oec.Wolfgang Hünicke
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Leipzig

Große Distanzen in den Anfangsjahren des Flughafens Halle/Leipzig zurückzulegen, bedeutete auch, etwas Reisezeit mitbringen zu müssen: Lag die reine Flugzeit bei der Kurzstrecke Berlin–Halle/Leipzig–Erfurt–Frankfurt/Main 1927 noch bei vier Stunden und 35 Minuten, wird die Strecke heute in circa 70 Minuten direkt geflogen. Deutlicher wird der Unterschied bei einer am 25. September 1930 eröffneten Überseelinie von Amsterdam über Halle/Leipzig, Budapest, Athen, Kairo, Karachi und Bangkok nach Batavia (heute die indonesische Hauptstadt Jakarta). Die niederländische Fluglinie KLM flog die Strecke mit einer Fokker F. VII b im vierzehntäglichen Dienst. KLM verdichtete ab 1. Oktober 1931 diese Linie auf einmal wöchentlich. Für die 14 177-Kilometer-Strecke mit 22 Zwischenlandungen benötigte der Reisende zwölf Tage beziehungsweise 85 Stunden Flugzeit (ab 1938 noch sechs Tage).

Nachtflugbetrieb schon 1930

Am 30. April 1930 eröffnete die Lignes Aériennes Farman mit einer Farman F. 60 Goliath den Nachtflugbetrieb auf der Strecke von Paris nach Berlin, über Saarbrücken, Frankfurt/Main und Halle/Leipzig. Nachdem Erich Glatz, Flugplatzleiter von Halle-Nietleben, schon am 24. August 1928 mit der D-733, einem dreisitzigen Rumpler-Doppeldecker Ru C I, zum ersten Nachtflug startete, dauerte es zwar noch bis zum März 1934 mit der Anerkennung als Nachtflughafen, aber nun boomte der Frachtverkehr rund um die Uhr. So wurde am 1. Mai 1934 mit einer Messerschmitt M 27 b „D-2458“ der erste Nachtpostflug von Halle/Leipzig nach Berlin vollzogen

Die „Leipziger Neuesten Nachrichten“ berichteten 1935 stolz, dass die „LNN“ durch den Nacht-Luftexpressgutverkehr auch in London tagesfrisch zum Frühstück gelesen werden kann. Nach Skandinavien, nach Brüssel, Paris, Frankfurt/Main, Stuttgart, Nürnberg, München, in die Schweiz und nach Spanien konnte Luftexpressgut verschickt werden.

Eine DC 3 der KLM landet 1938 in Halle/Leipzig zwischen. Sie verkürzt die Reisezeit auf der Strecke Amsterdam–Batavia auf nur noch sechs Tage Quelle: Sammlung Hans-Dieter Tack

Mehrere kürzere Flugstrecken wurden 1935 neu in den Sommerflugplan aufgenommen: Die Strecke Prag–Halle/Leipzig–Essen/Mühlheim–Rotterdam–Amsterdam wurde von der KLM in Kooperation mit Ceskoslovenská Letecká Spolecnost angeboten. Außerdem gab es neue sogenannte Blitzstrecken von Halle/Leipzig nach Hannover und Bremen, nach Dresden und nach Chemnitz. Eingesetzt wurde das Schnellflugzeug Junkers Ju 160. Die Imperial Airways eröffnete am 1. April 1935 die Verbindung London–Budapest über Brüssel, Köln, Halle/Leipzig, Prag und Wien, die zur Herbstmesse auch Messegäste nach Leipzig brachte. Zehn bis zwölf Passagiere passten in die De Havilland D.H.86 „Express“.

Der Flughafen verzeichnete im Oktober 1935 einen Anstieg der Passagierabfertigung um 54 Prozent – einen Zuwachs der Frachtabfertigung um 52 Prozent – und rechnete noch mit einer Vervierfachung des Flugeisenbahn-Expressgut-Verkehrs. Der Frachtflugverkehr war damals eng mit der Reichsbahn gekoppelt: Diese unterhielt eine eigene Lufttransportflotte.

Damals wie heute: Luftfracht, die ab 1934 von Schkeuditz aus auch nachts transportiert wurde, als wichtiges Standbein in Schkeuditz. Quelle: Sammlung Hans-Dieter Tack

Wurden im Geschäftsjahr 1931/32 von Halle/Leipzig 20 752 Fluggäste befördert, so stieg die Anzahl der abgefertigten Passagiere 1936/37 auf rund 80 523. Der Luftfrachtverkehr wies eine ähnlich Entwicklung auf: 518 Tonnen beförderte Fracht 1931/32 stehen fast 1461 Tonnen 1936/37 gegenüber. Einen Weltrekord gab es 1938: Im 20-Minuten-Takt wird Berlin von Schkeuditz aus angeflogen. Kürzeste Taktungen waren bis dato mit 22 Minuten die Strecke Paris–London und mit 25 Minuten die Strecke New York–Chicago.

Der bekannte Sportler Max Schmeling startete 1936 von Halle/Leipzig aus zu seinem legendären Boxkampf gegen Joe Louis nach New York Quelle: dpa

Schmeling startet zum Super-Duell

Im Sommerflugplan 1936 wurden von Schkeuditz aus auf 22 Strecken 77 Airports angeflogen. Der Boxer Max Schmeling startete von Halle/Leipzig aus zu seinem berühmten Boxkampf am 19. Juni gegen Joe Louis in die USA. Am 30. September des Jahres wurde eine „Theaterstrecke“ für Leipziger und Hallenser zum Besuch Berliner Theater angeboten.

*Hans-Dieter Tack, 1940 in Schkeuditz geboren, lebte bis 1986 in der Region. Der Flugzeugschlosser und Diplom-Ingenieur für Maschinenbau war 17 Jahre in Schkeuditz tätig. Als profunder Kenner der Luftfahrtgeschichte arbeitete er an mehreren Publikationen mit. Er ist Vizechef der Gesellschaft zur Bewahrung von Stätten deutscher Luftfahrtgeschichte.

Von Hans-Dieter Tack* und Roland Heinrich

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