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Zweitägiger Lokführer-Streik bei der Bahn gestartet – Notverkehr läuft stabil

Zweitägiger Lokführer-Streik bei der Bahn gestartet – Notverkehr läuft stabil

Die Lokführer-Gewerkschaft (GDL) hat am Samstag einen zweitägigen Streik im Personenverkehr der Bahn begonnen. „Betroffen ist der Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr“, sagte eine Bahn-Sprecherin am Morgen in Berlin.

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Leerer Bahnsteig im Leipziger Hauptbahnhof: Die Lokführer haben neue Streiks angekündigt.

Quelle: André Kempner

Leipzig/Berlin. Der Ausstand trifft nicht nur Wochenendpendler, sondern auch viele Urlaubsreisende, weil in neun Bundesländern Schulferien beginnen oder enden. Stimmen aus Politik und Wirtschaft forderten die zerstrittenen Tarifpartner auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Nach Beginn des Streik lief der Notverkehr in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen am Samstag nach Angaben der Deutschen Bahn weitgehend stabil. Allerdings müssten Reisende Umwege und mehr Zeit einplanen, sagte ein Sprecher in Berlin. Im

Ersatzverkehr

sind beispielsweise

zwischen Halle und Leipzig stündlich Busse

unterwegs - auf dieser Strecke liegt auch der Flughafen. Zwischen Magdeburg und Wolfsburg fahren Busse alle zwei Stunden. Die wenigen Züge, die noch fahren, würden gut angenommen. Jeder dritte Fernzug soll dem Unternehmen zufolge fahren. Der Güterverkehr sei jedoch stark eingeschränkt.

Überblick zum möglichen Ersatzverkehr der Bahn in Mitteldeutschland

Für gestrandete Reisende stellte die Bahn eigenen Angaben zufolge Hotelzüge in Hamburg, Berlin, Frankfurt und München bereit. Am Freitag hatte die Bahn ein neues Tarifangebot vorgelegt - ohne Erfolg. Das Unternehmen bat seine Fahrgäste, sich auf der Bahn-Internetseite über die Ersatzfahrpläne zu informieren.

Der erneute Ausstand begann zunächst am Freitag um 15 Uhr im Güterverkehr, seit

Samstagmorgen 2 Uhr

sind auch Personenregional- und Fernverkehr betroffen. Gestreikt werde bis zum

Montagmorgen 4 Uhr

, so die GDL. Damit dürfte es am Montag auch noch Auswirkungen auf den Berufsverkehr geben. 

Bahn: „Die GDL läuft Amok“

Nach der Ankündigung am Freitagmorgen reagierte die Deutsche Bahn (DB) zunächst mit absolutem Unverständnis: „Die GDL läuft Amok“, hieß es in einer ersten Stellungnahme. Denn der Ausstand treffe eines der

verkehrsstärksten Wochenenden des Jahres

: Insgesamt elf Bundesländer – darunter auch Sachsen – starten am Montag in die Herbstferien. Millionen von Menschen seien von massiven Beeinträchtigungen betroffen, so die Bahn. Dazu gehören neben vielen

Urlaubern

am Wochenende auch zahlreiche

Fußballfans

. Die An- und Abreise zu den Stadien könne nicht sichergestellt werden, so die Bahn.  

Wenige Stunden vor Streikbeginn versuchte der Konzern, die GDL mit einem neuen

Tarifangebot

zur Absage des Streiks zu bewegen. Das Angebot enthält für die Lokführer eine dreistufige Einkommenserhöhung um insgesamt fünf Prozent bei einer Vertragslaufzeit von 30 Monaten. Die GDL hatte fünf Prozent Erhöhung für zwölf Monate gefordert. Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky sagte: Das „Scheinangebot“ sei nicht geeignet, in Verhandlungen einzusteigen. Die Bahn warf Weselsky vor, jedes Maß verloren zu haben. 

Das drohende Chaos versucht das Unternehmen wie bereits beim letzten Streik mit einem

Ersatzfahrplan

abzufangen, der schon vorab in Kraft tritt. Bereits

ab Freitagnachmittag

sollten schrittweise Züge aus dem Betrieb genommen werden. „Hintergrund ist das Ziel, während des Streiks mindestens ein Drittel des Angebots aufrecht zu erhalten und nach Streikende am Montagmorgen die Verfügbarkeit der Züge abzusichern“, erklärte die Bahn. Genaue Informationen, welche Verbindungen betroffen sind, sollen im aktualisierten Fahrplan auf bahn.de veröffentlicht werden.  

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Leipzig. Wieder droht das große Chaos: Die Lokführer-Gewerkschaft GDL hat erneut zu Streiks für den bundesweiten Fern- und Regionalverkehr aufgerufen. Doch wie reagieren die Fahrgäste auf den dritten Streik innerhalb weniger Tage? LVZ-Online hat bei betroffenen Reisenden nachgefragt. Die Meinungen gehen auseinander und schwanken – zwischen Verständnis und Frustration.

Zur Bildergalerie

Staus auf Autobahnen – Leihwagen und Fernbusse gefragt

 

Der Stillstand auf der Schiene dürfte die Lage auf den Straßen zum Ferienbeginn noch dramatisieren. Der

ADAC

rechnet am Wochenende mit deutlich erhöhter Staugefahr. „Da ist ohnehin schon viel Bewegung auf den Hauptachsen in Richtung Küste und Alpen. Durch den Streik sind noch mal deutlich mehr Fahrzeuge auf den Autobahnen unterwegs“, sagte Clubsprecherin Katharina Luca. Darunter werden wohl auch überdurchschnittlich viele Leihwagen sein. „Die Nachfragen haben seit der Streikankündigung deutlich zugenommen“, sagt Daniel Bäzol von der Hertz Agentur in Leipzig-Plagwitz. Schon beim Ausstand am Mittwoch seien in Leipzig kaum noch

Leihwagen

zu haben gewesen. „Da sind die Leute schon im Transporter losgefahren, um nach Hause zu kommen“, so der Autovermieter.

 

Das

Busunternehmen MeinFernbus

zeigte sich angesichts der erneuten Streikankündigung bei der Bahn erfreut. „Für uns ist das eine willkommene Gelegenheit zu zeigen, dass Fernbusse eine preisgünstige und vor allem zuverlässige Alternative sind“, sagte Sprecher Florian Rabe LVZ-Online. Beim Streik am Mittwoch verzeichnete der Anbieter schon eine

Verdopplung der Buchungsanfragen

. „Besonders zwischen den Metropolregionen, dazu zählt auch Leipzig, hatten wir einen starken Zuwachs an Passagieren“, so Rabe. Ähnliche Erfahrungen machte auch Flixbus. „Gegenüber gewöhnlichen Wochentagen hatten wir am Mittwoch ein

Umsatzplus von 30 Prozent

“, sagte Sprecherin Bettina Engert. Die Busunternehmen kündigten an, am Wochenende

zusätzliche Busse

einzusetzen. Dabei müssten Passagiere möglicherweise Abstriche bei zusätzlichen Dienstleistungen wie Internet im Bus machen, sagte MeinFernbus-Sprecher Rabe. „Aber die Busse fahren.“  

Hoteliers und Gastronomien befürchten Einbußen

In der

Tourismusbranche

löste die Streikankündigung Grausen aus

:

„Der Streik kommt genau zur falschen Zeit und kann besonders Hotellerie und Gastronomie schädigen“, sagte

Ines Nebelung

, Sprecherin der

Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen

(TMGS). Allerdings hoffe sie, dass sich die Einbußen in Grenzen hielten. „Die Herbstferien werden vor allem von Familien für Urlaube genutzt. Die reisen meist mit dem Auto an“, so Nebelung.  

Der Streik bei der Bahn könnte vor allem das Tourismusgeschäft in den großen Städten wie Leipzig und Dresden treffen, befürchtet

Jens Vogt

, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (

DEHOGA) in Sachsen

. „Dorthin kommen die Tagesgäste, die morgens aus dem Fenster schauen und bei gutem Wetter spontan aufbrechen“, sagte Vogt. Fielen Züge aus, blieben viele dieser Touristen zu Hause.  

Der anstehende Streik ist bereits der

dritte Ausstand

innerhalb von wenigen Tagen. Erst am vergangenen Mittwoch und in der Woche zuvor hatten umfangreiche Streiks der Lokführer sowie die kompensierenden

Ersatzmaßnahmen der Deutschen Bahn

den Zugverkehr in Deutschland zum Erliegen gebracht. Vor allem am Mittwoch, als viele Bahnreisende glaubten, erst am Nachmittag betroffen zu sein, dann aber schon am Morgen mit vorsorglichen stillgelegten Zügen konfrontiert wurden, sorgte das für Unverständnis auf den Bahnhöfen.

Die insgesamt

fünfte Streikaktion

in dieser Tarifrunde ist die bisher längste. Klar ist: Je länger die Streiks dauern, desto größer werden die

finanziellen Schäden für die Bahn und andere Unternehmen

, die darauf angewiesen sind. An einem kompletten Streiktag können allein die Umsatzeinbußen bei der Bahn einen zweistelligen Millionenbetrag erreichen. Der volkswirtsachftliche Schaden dürfte nach Expertenschätzungen bis zu 50 Millionen Euro täglich betragen.  

 

Internet: www.bahn.de

Kostenlose Hotline: (0800) 099 66 33

Matthias Puppe / Clemens Haug / Winfried Mahr / dpa

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