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Lokales Zweites Leben für alte Oberhemden: Sie werden zu neuen Unterhosen
Leipzig Lokales Zweites Leben für alte Oberhemden: Sie werden zu neuen Unterhosen
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20:09 14.10.2016
Tina Forberig, Christin Gertler und Bernadette Wuttke (von links) mit den Buxen der besonderen Art. Quelle: Foto: André Kempner
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Am Anfang steht immer eine visionäre Idee. Bis sie zur Marktreife entwickelt ist, braucht es einen langen Atem, durchgearbeitete Nächte und die ständige Suche nach Finanzierungsquellen. Die LVZ stellt Gründer vor, die mit ihrem Start-up auf dem Weg zum „richtigen“ Unternehmen sind. Heute: die Firma Rijuzd, bestehend aus drei jungen Frauen, die aus alten Oberhemden neue Unterhosen machen.

Es gibt klassische Modelle: blau-weiß gestreift, zum Beispiel. Es gibt aber auch die Modelle, die Christin Gertler (29), Bernadette Wuttke (27) und Tina Forberig (25) als „trashig“ bezeichnen: mit Hawaii-Muster, knallbunt. Unikate sind sie allesamt und die Muster nicht etwa einer kreativen Stoffwahl geschuldet, sondern dem Konzept des Projekts. Die Drei haben ein Startup-Unternehmen gegründet: Aus alten Oberhemden machen sie neue Unterhosen. „Rijuzd“ nennen sie sich – nach der Lautschrift von „reused“, zu deutsch „erneut benutzt“.

„Die Anekdote dazu ist ganz witzig“, erzählt Christin Gertler. Zu Weihnachten habe sie beschlossen, sich mit ihrem Freund etwas Kreatives, Selbstgemachtes zu schenken. Da ihr Freund ein kaputtes Hemd und eine kaputte Unterhose besaß, war die Idee naheliegend. Nun produzieren die Freundinnen gemeinsam die Shorts aus Shirts, wie sie sie nennen – zusammengesetzt: „Boxershirts“.

Die Hemden eignen sich demnach besonders gut, weil sie in der Regel aus Baumwolle bestehen. Nicht jeder Stoff sei bequem genug für eine Unterhose. Allerdings fungieren die Hosen gar nicht nur als Unterhosen; auch als gemütliche Hose für Zuhause oder für den Strand sind sie gedacht. „Nicht einfach eine Buxe wie jede andere“, findet Forberig.

„Uns ist wichtig, dass wir aus den alten Hemden etwas Neues, etwas Hochwertiges produzieren“, erklärt sie. Upcycling nennt man das. Deshalb haben Gertler, Forberig und Wuttke ihre ersten Hosen auch in einem Upcycling Fashion Store in Berlin verkauft. Die Kontakte haben die drei über ein Praktikum bekommen. „Wir profitieren allgemein von unserem Netzwerk, jeder von unseren Freunden kann etwas“, erklärt Forberig. Die Gründerinnen haben die Aufgaben unter sich verteilt. Christin Gertler hat einst eine Schneiderlehre abgeschlossen, sie verdient ihr Geld als Bildredakteurin beim Kinderkanal und kennt sich im Bereich der sozialen Medien aus. Bernadette Wuttke, Community-Managerin beim Händlerbund, besetzt bei „Rijuzd“ die Bereiche Management und Marketing. Forberig kann ihre Kenntnisse als Grafikerin in das Projekt einbringen.

Die Unterhosen kosten 40 Euro pro Stück. Wuttke erläutert: „Man muss aber bedenken, was da alles drin steckt, das kostet alles Geld: Das Produkt ist regional produziert, die Arbeitsstunden, das Marketing, die Website, die Flyer, die Näherei…“ Denn die Hosen werden nicht komplett selbst geschneidert. Gertler schneidet die Hemden zurecht, verbindet die Stoffe zu größeren Flächen. „Die Näherei näht dann den Rest zusammen und fügt den Gummi ein“, erklärt Wuttke.

Trotz des stolzen Preises ist das Projekt für die Mädchen bislang eines, das eine schwarze Null hervorbringt. „Allerdings ist es noch ein Baby-Projekt“, relativiert Wuttke. Im Upcycling-Store haben sie damals etwa zehn Hosen verkauft, privat nur einige wenige. „Wir müssen die Idee noch besser kommunizieren, damit es funktioniert“, vermutet Wuttke. Forberig und Wuttke wohnen in Leipzig, Gertler wohnt in Erfurt. Eine Werkstatt haben sie bisher noch nicht, alles wird von zu Hause aus gemacht.

„Insgesamt ist die Resonanz sehr positiv“, ergänzt Forberig. Und Wuttke erklärt, dass es von Anfang an so gedacht war, das Ganze nur nebenbei zu machen – erst einmal abzuwarten, ob es angenommen wird. Gerade bauen die drei Freundinnen, die sich in ihrem Medien-Studium in Mittweida kennengelernt haben, ihren Onlineshop auf, arbeiten weitere Ideen aus. „Wir planen, auf Festivals zu gehen, die Hosen dort zu verkaufen und direkt das Festivalbändchen als Erinnerung einzunähen“, erzählt Forberig. „Wir nehmen das nicht unbedingt bierernst“, erklärt Gertler.

Investiert haben sie eine Summe, die noch nicht mal im vierstelligen Bereich liegt. Und doch ist es ein Traum der drei, in ein paar Jahren von ihrem Unterfangen leben zu können. Sie wollen eigene Näherinnen anstellen, vielleicht Stoff als Ausschussware palettenweise bestellen oder mit Behindertenwerkstätten zusammenarbeiten. „Momentan ist alles kalkuliert. Wenn es gut läuft, dann werden wir mit den Preisen aber sicherlich auch noch heruntergehen können“, so Wuttke.

facebook.com/ShortsausShirts

Von Theresa Hellwig

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