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Lokales Zwischen den deutschen Welten: Lehrerin kämpft gegen Vorurteile
Leipzig Lokales Zwischen den deutschen Welten: Lehrerin kämpft gegen Vorurteile
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06:01 06.03.2018
Die gebürtige Leipzigerin Ulrike Stüwe (Mitte) ist mittlerweile Lehrerin in Münster. Jedes Jahr besucht sie mit ihren Schülern ihre alte Heimatstadt – um ihnen den Osten näher zu bringen. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Eine ganz enges Band hat Ulrike Stüwe zwischen Leipzig und Münster geknüpft. Die 52-Jährige stammt aus der Messestadt, wuchs an der Pleiße auf. Leipzig war ihr Zuhause, bis sie der Liebe wegen in den Westen ging. Das war vor etwa 13 Jahren. Im westfälischen Münster wurde sie Lehrerin für Geschichte und Sport am dortigen Schillergymnasium. Mit ihrer Heimat fühlt sie sich trotz Umzug und rund 460 Kilometern Entfernung weiterhin eng verbunden. Auch, weil Ulrike Stüwe eine ganz besondere Mission hat: Sie macht ihre Schüler mit Leipzig und dem Osten bekannt.

Einmal im Jahr organisiert Ulrike Stüwe mit jungen Leuten aus der Oberstufe einen viertägigen Ausflug in die Messestadt. Warum? „Um meinen Schülern den Osten näher zu bringen“, sagt sie. Im Jahr 2006 war es, da erzählte sie im Geschichtsunterricht von ihrer Herkunft. „Die Schüler waren neugierig und gaben den Impuls für den Besuch in Leipzig“, erinnert sich die Pädagogin. „Da waren Schüler in meiner Klasse, die hatten bis dahin noch nicht einen Schritt in den Osten gemacht.“

Leipzig bietet geschichtlich viel Potenzial

Ulrike Stüwe wollte das ändern. Leipzig ist geschichtlich bekanntlich ein dankbares Pflaster. „Von der Völkerschlacht bis zur Wiedervereinigung: In Leipzig kann ich etliche Themen unterrichten“, sagt die Lehrerin. In diesem Jahr reiste sie bereits zum elften Mal mit Schülern in die sächsische Messemetropole. Anfangs mit ihren Leistungskursen, mittlerweile sind auch Mädchen und Jungen aus anderen Kursen dabei. Auf sie wartet jedesmal ein straffes Programm. Ein Besuch im Zeitgeschichtlichen Forum, danach ein Rundgang auf den Spuren der Friedlichen Revolution zum Beispiel. Außerdem auf der Agenda: die Runde Ecke und das Völkerschlachtdenkmal. Ulrike Stüwe will mit den Exkursionen in ihre alte Heimat vor allem dafür sorgen, dass der Nachwuchs aus Westdeutschland die neuen Bundesländer kennenlernt, dabei mit Menschen aus dem deutschen Osten ins Gespräch kommt. Denn auch das musste sie feststellen: Jugendliche aus dem Westfälischen haben Vorurteile gegenüber Sachsen, Thüringern & Co. „Meine Schüler staunen jedes Mal darüber, wie schön Leipzig ist und wie offen die Leute hier sind“, berichtet sie. Nicht selten finden einige ihrer Abiturienten so sehr Gefallen an der Stadt, dass sie sich sogar für ein Studium in der Buch- und Musikstadt entscheiden.

Aus Ost-West-Kategorien ausbrechen

Im Osten herrscht eine rückständige Gesellschaft, die die Kultur nicht zu schätzen weiß. Und: Der Osten ist rechts. – Woher solche Pauschal-Einschätzungen stammen, kann Ulrike Stüwe nur erahnen. Die (sozialen) Medien dürften daran eine Aktie haben. Sind sie dann erst einmal im für sie fremden Teil des Landes, bekommen die Schüler aus Münster eine ganz andere Sichtweise aufgezeigt. „Hier laufen ja gar keine Rechtsradikalen herum, sondern freundliche offene Menschen“, lautete eine der verblüffenden Feststellungen. „Wir hatten auf unserer Reise viele wunderbare Erlebnisse. Ob es der Schaffner im Zug oder die Mitarbeiterin im Museum war: Die Schüler haben eine Herzlichkeit erfahren, die sie so nicht unbedingt kennen“, erzählt Ulrike Stüwe über die am Sonntag zu Ende gegangene jüngste Tour. Dass ihre Schüler aus den gedanklichen Ost-West-Kategorien ausbrechen, ist der Wunsch der 52-Jährigen. „Man sollte kein Urteil über einen Ort fällen, ohne selbst dort gewesen zu sein“, sagt sie.

Und Ulrike Stüwe? Sie selbst zieht es nicht nur während der jährlichen Schulausflüge in ihre alte Heimat. „Mein Sohn studiert in Leipzig, seine Großeltern leben hier, ich habe hier alte Freunde.“ Für ihre Heimat wünscht sie sich, dass die Leipziger stolz auf ihre Stadt sind. So lange es geht, will sie mit jeder ihrer Klassen gen Osten fahren. „Das ist meine Verpflichtung“, sagt sie – und will so einen Betrag zum Miteinander von Ost und West leisten.

Von Stephanie Helm

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