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Zylinderpflicht für Leipzigs ersten Olympiasieger – Hutkoffer im Alten Rathaus zu sehen

Zylinderpflicht für Leipzigs ersten Olympiasieger – Hutkoffer im Alten Rathaus zu sehen

Als Heinrich Schomburgk in Leipzig in den Zug steigt, weiß er noch nicht, dass er Geschichte schreiben wird. In seiner Hand hält er einen würfelförmigen Koffer aus braunem Leder.

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Gerlinde Rohr, Leiterin des Leipziger Sportmuseums, zeigt interessierten Besuchern den Hutkoffer von Heinrich Schomburgk im Alten Rathaus.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Darin: sein Zylinder. Acht Gepäckstücke nimmt der 27-Jährige mit nach Stockholm. Ein paar Wochen später steht er dort gesenkten Hauptes vor dem schwedischen König. Der Adlige hängt Schomburgk eine goldene Medaille um den Hals und kürt den jungen Mann zu Leipzigs erstem Olympiasieger.

„Standesgemäß“ mussten Sportler bei der Siegerehrung erscheinen, hatte Schomburgk 1908 bei den Olympischen Spielen in London gelernt, war aber selbst leer ausgegangen. Vier Jahre später gelingt ihm gemeinsam mit der Dresdnerin Dora Köring die Überraschung: Sieg im gemischten Doppel im Rasentennis. Vor den König tritt der Leipziger danach stilecht mit Hut.

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Leipzig. Als Heinrich Schomburgk in Leipzig in den Zug steigt, weiß er noch nicht, dass er Geschichte schreiben wird. In seiner Hand hält er einen würfelförmigen Koffer aus braunem Leder. Darin: sein Zylinder. Acht Gepäckstücke nimmt der 27-Jährige mit nach Stockholm. Später steht er dort gesenkten Hauptes vor dem schwedischen König, der den jungen Mann zu Leipzigs erstem Olympiasieger kürt.

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Der Koffer, den Schomburgk mit sich trug, kann derzeit in der Ausstellung „Moderne Zeiten“ des Stadtgeschichtlichen Museums im Alten Rathaus bestaunt werden. Gezeigt werden auch andere Exponate des Sportmuseums, die Bezüge zu Leipzig als Sportstadt aufweisen – darunter eine Replik der Goldmedaille von Heinrich Schomburgk.

„Er war ein Vollblutsportler“, sagt Gerlinde Rohr mit Bewunderung über Leipzigs ersten Olympiasieger. Die Leiterin des Sportmuseums steht noch heute im Kontakt mit seinen beiden Kindern und weiß zu berichten: „Er war auch ein Familienmensch.“

1885 in Leipzig als Spross einer gutsituierten Dynastie und Enkel des Industriellen Karl Heine geboren, wird auch Heinrich Schomburgk zum Kaufmann ausgebildet und später Teilhaber eines Kolonialwarengeschäftes. „Bei meinen Recherchen konnte ich jedoch nicht so recht ernsthafte Arbeit finden“, sagt die Sporthistorikerin ein wenig amüsiert. Der junge Mann habe sich intensiv dem Sport gewidmet. Neben Tennis standen auch Fußball und Eishockey auf dem Programm. „Die Schomburgks hatten das notwendige Geld, um sich diesen Dingen zu widmen und zu den Turnieren zu reisen“, erklärt Gerlinde Rohr. Ein Arbeiter beispielsweise habe damals nie die Chance gehabt, bei internationalen Meisterschaften anzutreten.

Trainiert hat der künftige Olympiasieger im 1901 gegründeten Leipziger Sport-Club, in dem bis heute neben Hockey und Fußball vor allem Tennis gespielt wird. „Das war zwar kein Verein der ganz Reichen, aber des gehobenen Mittelstandes“, beschreibt Sportmuseumsleiterin Rohr das Milieu, in dem sich Schomburgk bewegte.

Nach seiner Rückkehr 1912 aus Schweden – wo auch drei Fußballer und ein Leichtathlet Leipzig vertraten – hält sich die Euphorie in seiner Heimat in Grenzen. Kein großer Empfang für den Goldjungen der Messestadt vor dem Rathaus, selbst im Sport-Club bricht kein übermäßiger Jubel aus und den Leipziger Zeitungen ist das Ereignis nur eine kleine Meldung wert. Anders als die Stars von heute konnten Tennisspieler von ihrem Sport nicht leben. „Bei Meisterschaften oder den Olympischen Spielen war der Amateurparagraf noch viel strenger“, erklärt Gerlinde Rohr. „Die Sportler durften damit kein Geld verdienen.“

Info: Nach zehntägiger Umbaupause öffnet die Dauerausstellung „Moderne Zeiten“ im Alten Rathaus am Donnerstag, dem 26. Juli, wieder für die Öffentlichkeit.

Michael Frömmert

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