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Messerattacke mitten in Leipzigs Zentrum: Täter womöglich schuldunfähig

Staatsanwaltschaft Leipzig Messerattacke mitten in Leipzigs Zentrum: Täter womöglich schuldunfähig

Am 8. August griff ein Drogendealer am helllichten Tag mitten in Leipzigs Zentrum eine 56-jährige Frau mit einem Messer an und verletzte sie schwer. Jetzt deutet sich an: Der Libyer Ayman S. (28) kann für seine Bluttat womöglich nicht bestraft werden

Der Tatort des Messerangriffs im Bürgermeister-Müller-Park am Hauptbahnhof.
 

Quelle: Andreas Döring

Leipzig.  Es war eine Tat, die weithin Entsetzen auslöste: Am 8. August griff ein Asylbewerber am helllichten Tag mitten in Leipzigs Zentrum eine 56-jährige Frau mit einem Messer an und verletzte sie schwer. Jetzt deutet sich an: Der Libyer Ayman S. (28) kann für seine Bluttat womöglich nicht bestraft werden.

Wie Staatsanwalt Felix Mezger auf LVZ-Anfrage mitteilte, habe der zuständige Ermittlungsrichter des Amtsgerichts auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen den Beschuldigten, der seit 9. August in Untersuchungshaft saß, einen Unterbringungsbefehl erlassen. „In diesem wurde die einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet“, so Mezger. „Dies erfolgte, weil Gründe für die Annahme vorhanden sind, dass der Beschuldigte im Zustand der Schuldunfähigkeit oder der verminderten Schuldfähigkeit gehandelt hat.“ Nach LVZ-Informationen geht man von einer paranoiden Schizophrenie aus.

Gegen den Messerstecher würde damit gar nicht erst Anklage erhoben, sondern ein Sicherungsverfahren vor dem Landgericht eröffnet. „Derzeit wird die Frage der Schuldfähigkeit im Ermittlungsverfahren durch einen Sachverständigen geprüft“, so Mezger. „Erst nach Vorlage des Gutachtens kann eine abschließende Entscheidung getroffen werden.“

Klar ist: Sofern ein Sicherungsverfahren durchgeführt wird, sollen auch Erkenntnisse aus anderen Verfahren einfließen. Denn die Messerattacke im Bürgermeister-Müller-Park gegenüber vom Hauptbahnhof folgte einem ähnlichen Muster wie vorangegangene Attacken: Sie kam aus heiterem Himmel, war vollkommen sinnlos, scheinbar ohne jegliches Tatmotiv. Die Frau lief gegen 17.15 Uhr an einer Bank in der Grünanlage vorbei, plötzlich sprang Ayman S. auf und stach mit einem Küchenmesser, Klingenlänge: 15 Zentimeter, auf sie ein. Sie erlitt Stich- und Schnittverletzungen an der Schulter sowie am linken Ober- und Unterarm. Einige Wunden waren so tief, dass sie in einer Klinik genäht werden mussten.

Allein seit März griff der Libyer, der laut Polizei offenbar zum harten Kern der Dealerszene im Bahnhofsviertel zählt, einen Mann mit einer Metallkette an, traktierte Passanten mit einer Fahrradkette und einer Hundeleine. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist der Libyer durch das Amtsgericht Leipzig in zwei Strafbefehlsverfahren unter anderem wegen Körperverletzung und Erschleichen von Leistungen sowie wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz zu Geldstrafen verurteilt worden. Die Taten stammen aus den Jahren 2014 und 2015 – kurz nach seiner Einreise in Deutschland. In drei weiteren Verfahren wegen Körperverletzungsdelikten und in einem Verfahren wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz erhob die Staatsanwaltschaft mittlerweile Anklage. „Außerdem sind gegenwärtig zwei weitere Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung anhängig, wobei zum Teil mehrere Vorfälle in einem Verfahren bearbeitet werden“, informierte Mezger. Wenn das Gericht prüft, ob Ayman S. in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen ist, sei vor allem auch die Frage zu klären, „ob von ihm infolge seines Zustandes erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind und er deswegen für die Allgemeinheit gefährlich ist“, erklärte der Staatsanwalt.

Auf seinem Facebook-Profil ist der Mann mit den schwarzen Rastalocken vor einem Regal mit dutzenden Gewehren zu sehen. Ein weiteres Bild zeigt offenbar einen Kämpfer aus dem libyschen Bürgerkrieg – auf einem Pick-up mit aufgepflanztem Maschinengewehr...

Von Frank Döring

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