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20 Todesfälle seit 2015 in sächsischen Gefängnissen – vier davon in Leipzig

14 Suizide 20 Todesfälle seit 2015 in sächsischen Gefängnissen – vier davon in Leipzig

Neben dem für Aufsehen sorgenden Selbstmord des mutmaßlichen Terroristen Jaber al-Bakr starben in den vergangenen drei Jahren noch drei weitere Häftlinge im Leipziger Justizvollzug.

Blick auf die JVA Leinestraße in Leipzig. (Archivfoto)

Quelle: André Kempner

Leipzig. In Sächsischen Justizvollzugsanstalten hat es in den vergangenen drei Jahren insgesamt 20 Todesfälle gegeben – darunter 14 Suizide. Das geht aus einer Anfrage der Linken-Abgeordneten Juliane Nagel an Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) hervor. Allein in der Leipziger Justizvollzugsanstalt starben seit 2015 vier Häftlinge, drei davon befanden sich erst seit wenigen Tagen im Gefängnis der Messestadt.

Bundesweites Aufsehen erregte vor allem der Selbstmord des mutmaßlichen Terroristen Jaber al-Bakr in der Leipziger JVA, der sich im Oktober 2016 nach drei Tagen in Untersuchungshaft das Leben genommen hatte. Im Januar 2017 beging an selber Stelle ein 28-Jähriger nach nur einem Tag hinter Gittern Selbstmord, der wegen Unterschlagung, Betrug und Drogenbesitz inhaftiert worden war. Die anderen beiden Todesfälle im Leipziger Strafvollzug gehen ins Jahr 2015 zurück, betreffen einen 48-Jährigen und einen 34-Jährigen, die ebenfalls in Untersuchungshaft saßen.

Gewerkschaft fordert Streichung von kurzen Freiheitsstrafen

Neben denen in Leipzig stehen auch in Bautzen und Zwickau Todesfälle nach wenigen Tagen in Untersuchungshaft in der Statistik. Marco Bras dos Santos, Sprecher der Gefangenengewerkschaft (GGBO), nutzte die neuen Zahlen am Freitag zur Forderung, kurze Freiheitsstrafen komplett auszusetzen. „Dass der Staat die Verantwortung über das Leben von Menschen auf sich nimmt ist uns, grade bei Kurz- und Ersatzfreiheitsstrafen, unverständlich. Diese gehören ersatzlos gestrichen und Alternativangebote wie Sozialarbeit ersetzt“, so Bras dos Santos.

Zudem fehle es in den JVA an Angeboten zur Resozialisierung und an ausreichend medizinischer Versorgung der Gefangenen. „Prominentes Beispiel ist der vor einem Jahr in der JVA Dresden verletzte Ayhan Isik, der bis heute keine fachgerechte Behandlung seiner Verletzung erfahren hat“, sagte der GGBo-Sprecher.

80 Prozent der Todesfälle sind Suizide

In der größten sächsischen JVA in der Landeshauptstadt ereigneten sich auch insgesamt die meisten Todesfälle im sächsischen Justizvollzug. Alle fünf betroffenen Personen waren dort bereits seit mindestens acht Monaten in Haft. Jeweils drei Häftlinge starben seit 2015 zudem in den Gefängnissen in Waldheim und Torgau, zwei waren es in Zwickau, jeweils einer in Zeithain, Bautzen und Görlitz.

Nicht in allen Fällen waren Selbstmorde Grund für den Tod der Häftlinge, so Gemkow. In den Akten stehen auch vier tödlich verlaufene Krankheitsfälle, ein Fall einer Betäubungsmittelüberdosis und ein Todesfall aufgrund der Nachwirkungen einer körperlichen Auseinandersetzung mit einem Mitgefangenen.

Bundesweit sterben in den Gefängnissen jährlich etwa 100 Häftlinge, gut 80 Prozent der Todesfälle waren Suizide. Das höchste Risiko für einen Selbstmord in der Zelle besteht laut Statistik in den ersten 14 Tagen.

Sollten Sie selbst von Suizidgedanken betroffen sein, können Sie sich an die Telefonseelsorge in Deutschland unter den Nummern (0800) 111 0 111 oder (0800) 111 0 222 oder im akuten Fall an einen Notarzt wenden.

Von Matthias Puppe

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