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200 Menschen an Massenschlägerei in Leipziger Messehalle beteiligt

Flüchtlingsunterkunft 200 Menschen an Massenschlägerei in Leipziger Messehalle beteiligt

Am Donnerstagabend ist es in der Flüchtlingsunterkunft auf der Neuen Messe zu einer Schlägerei gekommen. Daran waren etwa 200 Personen beteiligt. Sie hatten einander mit Latten und Tischbeinen angegriffen.

In der Messehalle ist es zu einer Schlägerei gekommen. Rettungskräfte richteten einen Behandlungsplatz ein.

Quelle: TNN

Leipzig. In der als Flüchtlingsunterkunft genutzten Messehalle 4 in Leipzig ist es am Donnerstagabend gegen 21.20 Uhr zu einer Massenschlägerei gekommen. Laut Polizeidirektion waren etwa 200 Personen daran beteiligt. Mehrere Menschen seien mit Latten, Tischbeinen, Bettgestellen und Ästen bewaffnet aufeinander losgegangen, erklärte Polizeisprecherin Katharina Geyer gegenüber LVZ.de. Nach Angaben der Feuerwehr wurden insgesamt fünf Menschen verletzt. Die Beamten nahmen sechs Personen in Gewahrsam. Es wird unter anderem wegen Landfriedensbruch ermittelt.

Offenbar war der Eskalation ein Streit zwischen Afghanen und Syrern vorausgegangen. Demnach habe ein 17-jähriger afghanischer Junge ein elfjähriges syrisches Mädchen mit einem Messer bedroht. Daraufhin hätte der Onkel des Mädchens den Jungen zur Rede stellen wollen, es folgte eine Rangelei. Dass das Messer dabei als Waffe verwendet wurde, konnte die Polizei bisher nicht bestätigen.

„Topf seit Tagen am Brodeln“

Die Vermutung, es habe sich bei der Auseinandersetzung um "religiöse Befindlichkeiten" gehandelt, schloss die Polizei gegenüber LVZ.de nicht komplett aus. Es liege nahe, dass die Situation aufgrund vorangegangener Unstimmigkeiten eskalierte. „Es ist wohl erst so weit gekommen, weil der Topf schon seit Tagen am Brodeln war“, erklärte Polizeisprecherin Geyer auf Nachfrage. Nach aktuellen Informationen stehe der Vorfall aber nicht in Verbindung mit dem islamischen Opferfest, das noch bis zum Sonntag gefeiert wird.

Nach der Auseinandersetzung weigerte sich eine Gruppe von Afghanen, in die Halle zurückzugehen, und verbrachte die Nacht deswegen im Freien. Torsten Wieland, Sprecher vom DRK Sachsen, bestätigte gegenüber LVZ.de, dass keiner der 150 in der Halle einquartierten Afghanen bis zum Freitagnachmittag in die Unterbingung zurückgekehrt war. "Wir versuchen, eine Lösung zu finden." Die Mitarbeiter würden aktuell mit den Betroffenen "reden, reden, reden". Alternativ müsse man gemeinsam mit der Landedirektion nach einer anderen Unterkunft suchen, "was nicht einfach werden dürfte".

Auch DRK-Mitarbeiterin verletzt

Die Rettungskräfte waren mit vier Einsatzfahrzeugen vor Ort und mussten einen temporären Behandlungsplatz vor der Halle errichten. "Eine Person hatte eine Bauchverletzung, zum Gesundheitszustand können wir derzeit nichts sagen", so ein Sprecher der Feuerwehr auf Anfrage. Laut Polizei wurde auch eine Mitarbeiterin des Deutschen Roten Kreuz (DRK) verletzt. Die 27-Jährige stürzte, als sie vor der Gruppe flüchtete, und brach sich die Kniescheibe. „Unseren jetzigen Informationen nach mussten einige Personen stationär behandelt werden“, erklärte Geyer am Freitagmorgen.

Neben dem Vorwurf des Landfriedensbruchs ermitteln die Beamten wegen Nötigung mit einem Messer, Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung. Außerdem soll ein Handy gestohlen worden sein.

Polizei verstärkt Kontrollen

Nach der Massenschlägerei will die Polizei Konsequenzen ziehen und die Messehalle 4 sowie andere Flüchtlingsunterkünfte in Leipzig „verstärkt“ mit Streifen kontrollieren. Damit trage man dem Umstand Rechnung, bei Auseinandersetzungen mit „möglichst vielen Einsatzkräften möglichst schnell vor Ort sein zu müssen“, sagte Sprecher Andreas Loepki gegenüber LVZ.de. Mehrere dutzend Fahrzeuge waren am Donnerstagabend ausgerückt, um den Streit zu schlichten.

Seit Anfang September leben Flüchtlinge in der Messehalle 4 in Leipzig. Die Erstaufnahmeeinrichtung ist eines von 31 Objekten, das die Landesdirektion sachsenweit betreibt. Jetzt öffnete die Unterkunft erstmals ihre Tore für Medien. Fotos: DRK Sachsen

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Noch am Donnerstagmittag hatte Campmanagerin Doreen Rößler vom DRK bei einem Presserundgang die Stimmung in der Messehalle 4 als „sehr gut“ beschrieben. Demnach hatte es bis dahin zwar kleinere Streitereien, aber keine größeren Vorfälle gegeben.

In der Vergangenheit war es bereits sowohl in der Messehalle 4 als auch in anderen Leipziger Flüchtlingsunterkünften zu Auseinandersetzungen zwischen Asylbewerbern gekommen. In der Ernst-Grube-Halle war Ende August bei einem Streit mit etwa 15 Beteiligten ein Mann verletzt worden. Ebenfalls Ende August waren in der Unterbringung in der Friederikenstraße etwa 50 syrische und 40 marokkanische Asylbewerber aneinandergeraten.

Zudem hat es am Donnerstagabend auch in Chemnitz einen Vorfall mit zwei Schwerverletzten gegeben.

Protestcamp für bessere Unterbringung

Vor der Schlägerei in der Messehalle 4 hatten mehrere Flüchtlinge Kritik an der Unterbringung geäußert. Beklagt wurde in erster Linie, dass Registrierung und Asylverfahren zu lange dauern würden. Des Weiteren fehle in der Unterkunft Privatsphäre, es gebe nur mangelhafte medizinische Versorgung und schlechte hygienische Bedingungen. Nach Angaben des Initiativkreises „Menschen.Würdig“ wurde ein seit Mittwoch eingerichtetes Protestcamp vor der Unterkunft bis zum kommenden Mittwoch genehmigt. Es habe entsprechende Verhandlungen mit der Neuen Messe gegeben, hieß es am Freitag.

Experte: Mehr als die Hälfte leidet unter psychischen Erkrankungen

In der Messehalle 4 leben seit zweieinhalb Wochen etwa 1800 Flüchtlinge auf engstem Raum. Nach Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) leidet mindestens die Hälfte aller derzeit Asylsuchenden in Deutschland unter einer psychischen Erkrankung - vor allem unter posttraumatische Belastungsstörungen und Depressionen. Dauerhafte Enge kann dabei die traumatischen Erlebnisse wachrufen und unter anderen zu Panikattacken, Todesängsten, Herzrasen und Atemnot führen, heißt es. Zudem seien Personen mit posttraumatischer Belastungsstörung selbstmordgefährdet.

Die Experten des BPtK berichten, dass bei vielen Flüchtlingen solche psychische Erkrankung unter anderem durch Beschuss mit Granaten und Handfeuerwaffen, Scheinexekutionen, körperliche Folter, Stromschläge, Vergewaltigungen, das Miterleben von Hinrichtungen oder durch sexuelle Erniedrigung ausgelöst wurden. 70 Prozent der Geflüchteten sind den Untersuchungen zufolge Zeugen von Gewalt gewesen, mehr als die Hälfte wurde selbst attackiert. Das müsse dringend behandelt werden. „Die ankommenden Flüchtlinge benötigen nicht nur eine Unterkunft und Lebensmittel, sondern auch eine medizinische Versorgung. Aber fast kein psychisch kranker Flüchtling erhält eine angemessene Versorgung“, sagte BPtK-Präsident Dietrich Munz. Von den Sozialbehörden würden die Erkrankungen häufig nicht als behandlungswürdig beurteilt. Der Verband fordert deshalb dringend gesetzliche Änderungen und den Einsatz von Psychotherapeuten in Flüchtlingsunterbringungen.

jhz / mpu / nöß

Neue Messe Leipzig 51.392254 12.413722
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