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31-Jähriger bricht Schweigen: Schüsse angeblich aus Notwehr

Ex-Disko-Krieger vor Gericht 31-Jähriger bricht Schweigen: Schüsse angeblich aus Notwehr

Im Prozess um Schüsse in der Leipziger Eisenbahnstraße brach Sooren O. erstmals am Montag sein Schweigen. „Diese Leute wollten mich töten“, rechtfertigte der 31-Jährige vor dem Amtsgericht den Einsatz seiner halbautomatischen Pistole. Damit hatte er am 8. Juli 2013 auf die Beine von zwei Kontrahenten gefeuert.

Das Amtsgericht verhandelt den Fall um Schüsse in der Leipziger Eisenbahnstraße.
 

Quelle: Andreas Döring

Leipzig.  Im Prozess um Schüsse in der Eisenbahnstraße brach Sooren O. erstmals am Montag sein Schweigen. „Diese Leute wollten mich töten“, rechtfertigte der 31-Jährige vor dem Amtsgericht Leipzig den Einsatz seiner halbautomatischen Pistole. Damit hatte er am 8. Juli 2013 auf die Beine von zwei Kontrahenten gefeuert. „Ich wollte aber niemanden ernsthaft verletzen“, erklärte der gebürtige Iraner, der Leipziger Ermittlern bereits als zentrale Figur aus dem Disko-Krieg 2008 bekannt ist. Nach Ansicht von Verteidiger Frank Wilhelm Drücke handelte sein Mandant in der Eisenbahnstraße aus Notwehr.

Ein Schuss traf Dzeladin B. (42) im linken Oberschenkel. Und Alisan O. (48) brach durch einen Treffer in der Leistengegend zusammen. Die beiden Mazedonier erlitten erhebliche Verletzungen. Eine konkrete Lebensgefahr bestand laut Rechtsmedizin allerdings nicht. Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller lastet Sooren O. gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen sowie noch weitere Delikte an. Ursprünglich war wegen versuchten Totschlags ermittelt, ein Tötungsvorsatz aber für nicht beweisbar erachtet worden.

Nach Darstellung des Angeklagten Sooren O. war er an jenem Sommertag 2013 zunächst mit seiner im siebten Monat schwangeren Freundin beim Friseur, wollte anschließend gemeinsam mit ihr in einem Lebensmittel- und Gemüsegeschäft an der Ecke zur Hildegardstraße einkaufen gehen. Nachdem ihn die beiden Mazedonier zum Verlassen des Ladens aufgefordert hätten, kam es sofort zur Konfrontation. Alisan O. sei mit Fäusten, Dzeladin B. mit einem Messer auf ihn losgegangen. „Ich hatte Angst, dass er zusticht.“ Zumal ihm kurz zuvor am Telefon angedroht worden sei, dass er bald im Rollstuhl sitzen werde, so der Angeklagte. Er habe damals allerdings nicht mit einem Angriff gerechnet, sagte er auf die Frage von Richter Klaus Hüner, warum er eine Auseinandersetzung nicht von vornherein vermieden habe. „Man macht das doch nicht, auf eine Schwangere loszugehen.“ Sooren O. hatte damals eigenen Angaben zufolge die beiden Widersacher schon zuvor in einem Restaurant wahrgenommen.

Die Hintergründe der Gewalttätigkeit blieben aber weitgehend im Dunkeln. Sooren O. mutmaßte, dass das Duo Geld von ihm wollte. „Ich arbeitete damals im Autohaus bei meinem Schwager, er hatte mir einen Mercedes zur Verfügung gestellt. Sie dachten, es geht mir gut.“

Zum Auftakt des Prozesses Mitte März waren bereits beide Opfer als Zeugen gehört worden. Doch auch sie sorgten kaum für Aufhellung der Hintergründe. Dzeladin B. konnte sich die Schussabgabe nicht erklären. „Wir hatten nie Streit“, so seine Aussage. Dabei schoss er damals drei Monate später auf dem Aldi-Parkplatz in der Eisenbahnstraße auf einen Cousin von Sooren O., der dabei leicht verletzt wurde. B. verbüßt deshalb eine mehrjährige Haftstrafe.

Das Urteil gegen Sooren O., der sich zudem noch wegen Beleidigung und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz verantworten muss, ergeht voraussichtlich am 14. April. Gestern versuchte er, sich im besten Lichte darzustellen: Seinen Angaben zufolge zog er Mitte 2015 zu seiner Mutter nach Berlin, wo er in Teilzeit als Übersetzer in Flüchtlingsheimen arbeitet. Er sei nach wie vor mit seiner Freundin liiert, sehe sein zweieinhalb Jahre altes Kind regelmäßig.

Von Sabine Kreuz

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