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33-Jährige soll Drogen in Leipziger Gefängnis geschmuggelt haben - Prozess am Landgericht

33-Jährige soll Drogen in Leipziger Gefängnis geschmuggelt haben - Prozess am Landgericht

Auftakt in einem spektakulären Prozess am Landgericht: Anja P. (33) soll als Mitglied einer Bande mit Hilfe von Kurieren Drogen in die Leipziger Justizvollzugsanstalt (JVA) geschmuggelt und dazu auch einen Beamten bestochen haben.

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Die mutmaßliche Drogenhändlerin Anja P. will beim Prozessauftakt nicht erkannt werden.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der 36-Jährige ist vom Dienst suspendiert. Die Ermittlungen gegen ihn laufen noch.

Der Schmuggel ins Gefängnis lief monatelang über mehrere Kanäle. Drahtzieher im Knast war nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Häftling Ayhan I. (40). Von seiner Zelle aus soll er bei der Bande um die Leipziger Kellnerin Anja P. die synthetische Droge Crystal bestellt und die Lieferungen innerhalb der Anstalt an Konsumenten verkauft haben. "Um ständig Kontakt zu dem Gefangenen halten zu können, schmuggelte die Angeklagte zunächst durch verschiedene Kuriere Mobiltelefone in die JVA", sagte gestern Staatsanwältin Grit Weise. Einer der von der Bande angeworbenen "Kuriere" soll auch der JVA-Beamte Marcel K. (36) gewesen sein. "Unter Missbrauch seiner dienstlichen Stellung schleuste er fünf Handys ein." Pro Stück habe er dafür 50 Euro vom Gefangenen Ayhan I. erhalten, so Weise. Und auch Crystal soll der Bedienstete - nach bisherigen Erkenntnissen in zwei Fällen - eingeschleust haben. Dabei handelte es sich um jeweils einige Gramm, die dem Beamten außerhalb der Anstalt übergeben worden seien. "Für seine Dienste erhielt er jeweils 100 Euro Entgelt", so die Staatsanwältin.

Marcel K. wurde, wie JVA-Sprecherin Susann Mielke auf Anfrage mitteilte, suspendiert. Ein Disziplinarverfahren laufe. Laut Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz liegt bis dato keine Anklage gegen K. vor. "Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Einen Termin konnte er nicht nennen.

Außer dem Beamten heuerte die Bande, die Crystal 2012/13 kiloweise in Tschechien "besorgte" und in der die Angeklagte für den Verkauf zuständig gewesen sein soll, etliche weitere Kuriere an. Diese hätten das von Anja P. in Überraschungseiern versteckte Crystal (fünf Gramm pro Ü-Ei) in diversen Fällen über die Mauern auf das JVA-Gelände geworfen. Außerdem sei Kontakt zu Angehörigen von Insassen aufgenommen worden, die bei Besuchen die Ware heimlich weiterreichten - unter anderem in Kondomen verpackt.

Anja P. äußerte sich gestern nicht; sie schwieg auch während der Ermittlungen. Für den Fall ihres Geständnisses kündigte der Vorsitzende Richter Rüdiger Harr Freiheitsentzug von sechseinhalb bis sieben Jahren an. In vergleichbaren Fällen in Nürnberg oder Dresden seien Haftstrafen im zweistelligen Bereich verhängt - und danach vom Bundesgerichtshof - bestätigt worden, sagte Harr. Anja P., die nicht vorbestraft ist, kommt bei der Prozessfortsetzung an diesem Freitag zu Wort. Ihr werden 23 Handlungen - außer Betäubungsmittelhandel Bestechung - angelastet. Neben dem Schmuggel in den Knast soll sie in eine Reihe illegaler Geschäfte wie den Verkauf von zehn Kilo Marihuana verwickelt gewesen sein. Die Anklage listet zudem etliche Crystal-Verkäufe an Dealer auf, wobei 100 Gramm für 3000 Euro den Besitzer wechselten. Absatzgebiet: Wittenberg, Jessen und Bitterfeld.

Die Bande flog im März 2013 auf. Im Zuge der Ermittlungen von Landeskriminalamt Sachsen und Zoll gab es Telefonüberwachungen und Observierungen. Mehrere Verfahren laufen: Laut Oberstaatsanwalt Schulz wurde gegen Ayhan I. am Amtsgericht Anklage wegen Betäubungsmittelhandels erhoben. Es gibt noch keinen Prozesstermin. Momentan sitzt der türkische Staatsangehörige ebenfalls wegen Drogenhandels - in anderer Sache - hinter Gittern. Allerdings nicht in Leipzig. Zudem ist am Landgericht ein Verfahren gegen ein weiteres mutmaßliches Bandenmitglied anhängig.

In der JVA Leipzig, in der gestern 449 Gefangene einsaßen, ist laut Sprecherin Mielke Mitte 2012 ein Sicherheitsnetz installiert worden, um Überwürfe von Handys und Rauschgift zu verhindern. Nach Schätzungen haben 50 bis 60 Prozent der Insassen vor ihrer Inhaftierung Drogen konsumiert. Es würden regelmäßig Kontrollen von Zellen und Häftlingen stattfinden. Wie berichtet, hatte Justizminister Jürgen Martens (FDP) zuletzt von einer erheblichen Zunahme an Drogen-Funden in den zehn sächsischen Gefängnissen gesprochen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.01.2014

Kreuz Sabine

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