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600 Euro Strafe für Frau: Jobcenter mit Milzbrand gedroht

Amtsgericht Leipzig 600 Euro Strafe für Frau: Jobcenter mit Milzbrand gedroht

Wegen eines Wut-Briefes mit Todesdrohungen an das Leipziger Jobcenter musste sich am Dienstag eine 35-jährige Frau am Amtsgericht verantworten. In dem Umschlag befand sich weißes Pulver, so dass im März 2015 wegen Milzbrand-Verdachts ein Großalarm ausgelöst wurde. Anlass des Ausrastens der Frau: Die Behörde strich ihr alle Hartz-IV-Leistungen – zu Unrecht.

Ein Brief mit weißem Pulver löste am 6. März 2015 beim Jobcenter Leipzig einen Gift-Alarm aus.

Quelle: dpa

Leipzig. In der Rückschau ist Adelin B. alles „total peinlich“. Vor einem Jahr hatte die 35-Jährige einen Wut-Brief mit Todesdrohungen an das Leipziger Jobcenter geschickt. Und damit am 6. März 2015 einen Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr ausgelöst. Es bestand der Verdacht auf Milzbrand-Erreger, weil aus dem Umschlag weißes Pulver gerieselt war. Am Dienstag wurde der Hartz-IV-Empfängerin am Amtsgericht Leipzig der Prozess gemacht.

„Ihr verdient alle den Tod, aber keinen sanften“, zitierte Richterin Marion Weißenfels aus dem Drohbrief. Man sollte „die verlogenen Mitarbeiter aufschlitzen“, hieß es weiter. „Ja, es stimmt, ich habe das geschrieben“, gab die 35-Jährige vor Gericht unumwunden zu. „Ich hatte kein Geld für nichts mehr und war in Panik, meine Wohnung, eben alles zu verlieren“, so die Angeklagte. Auslöser war, dass ihr das Jobcenter sämtliche Leistungen gestrichen hatte. „Es ging um fehlende Unterlagen.“ Sie hatte diese zweimal eingereicht; angeblich waren sie nicht angekommen. Zehnmal habe sie versucht, eine Sachbearbeiterin telefonisch zu erreichen, sei aber immer nur in der Service-Hotline gelandet. „Eine ausweglose Situation“, resümierte Verteidiger Dirk Feiertag. „An anwaltliche Hilfe dachte sie in dem Moment nicht.“

Laut Feiertag lag der Fehler jedoch beim Jobcenter. Seine Mandantin habe die Unterlagen sehr wohl eingereicht. „Sie wurden aber in die falsche Akte einsortiert. Und die Leistungen dann ganz schnell nachgezahlt“, berichtete Feiertag weiter.

„Auch wenn alles sehr unglücklich gelaufen ist, rechtfertigt das nicht ein solches Verhalten“, sagte Richterin Weißenfels. „Fehler werden überall gemacht.“ Sie redete der Angeklagten eindrücklich ins Gewissen, sich in die Lage der betroffenen Poststellen-Mitarbeiterin zu versetzen, die große Ängste ausgestanden hat. Kerstin O. (47) schilderte im Gericht, dass sie sich „furchtbar gefühlt“ habe.

Die Poststelle wurde damals evakuiert, die Feuerwehr rückte mit einem Gefahrgutzug an, war mit Spezialkräften im Einsatz, um die Substanz sicherzustellen. Milzbrand ist eine bösartige Tierseuche, die auch Menschen treffen kann. „Sie werden sicher noch für den kompletten Einsatz haftbar gemacht“, so die Richterin. Im Übrigen hatte es sich, wie Adelin B. einräumte, bei dem Pulver um harmloses Mehl gehandelt. Sie konnte damals sofort als Tatverdächtige ermittelt werden, stand doch auf dem Drohbrief ihr Absender, hatte sie zudem eine Wut-E-Mail geschickt. „Ich wollte eine Reaktion bewirken“, so die Angeklagte. Sie ist seit acht Jahren Hartz-IV-Empfängerin. Nach dem Abitur studierte sie Mathematik, Physik, Deutsch und Philosophie; brach nach zehn Semestern ab, weil sie die Studiengebühren nicht zahlen konnte. Anschließende Ausbildungen beendete sie nicht, befasst sich derzeit im Fernstudium mit Betriebswirtschaft und Wirtschaftspsychologie.

Wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten und weiterer Delikte verhängte die Richterin eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 10 Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte diese 600 Euro gefordert, der Verteidiger beantragte 500 Euro. „Meine Mandantin will für ihr Verhalten die Konsequenzen tragen.“ Bei der Strafzumessung wurde berücksichtigt, dass Adelin B. unter einer Persönlichkeitsstörung leidet, sich immer wieder in Behandlung begibt, aber derzeit keine geeignete Therapie findet. Sie habe an eine „Riesenverschwörung“ geglaubt. „Die verstecken meine Briefe“, so die Frau.

Von Sabine Kreuz

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