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Alle fünf Minuten eine Straftat: Kriminalität in Leipzig ist auf höchstem Stand seit 15 Jahren

Alle fünf Minuten eine Straftat: Kriminalität in Leipzig ist auf höchstem Stand seit 15 Jahren

Einbrüche, Diebstähle, Drogendelikte: Die Kriminalität in Leipzig ist im vergangenen Jahr massiv angestiegen. Mit fast 80.000 Straftaten zählte die Polizei in der Messestadt so viele Fälle wie seit 1999 nicht mehr. Der Anstieg lag mit 12,5 Prozent deutlich über dem sächsischen Durchschnitt von 4,7 Prozent.

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Die Polizei in Leipzig hat immer mehr zu tun: 2014 stieg die Kriminalität in der Messestadt um 12,5 Prozent.

Quelle: dpa

Leipzig. Vor allem die wachsende Beschaffungskriminalität durch Konsum von Crystal und anderen Drogen bereitet den Ermittlern Sorge. Das sei „kein Grund zu sagen, dass man nicht mehr auf die Straße gehen kann“, meint Polizeipräsident Bernd Merbitz. Er betonte am Freitag bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2014: „Leipzig ist sicher.“

Insgesamt registrierten die Beamten im Bereich der Polizeidirektion Leipzig im vergangenen Jahr einen Anstieg von 9,6 Prozent. Beigetragen hat dazu vor allem die Kriminalität im Stadtgebiet. Allein hier bearbeiteten die Ermittler 79.235 Fälle und damit rund 8800 mehr als noch im Jahr zuvor. Zusammen mit den seit 2013 zur Polizeidirektion gehörenden Landkreisen Leipzig und Nordsachsen wurden insgesamt 108.987 Delikte gezählt (PD Dresden: 90.250). Damit wurde in der Region im Durchschnitt alle fünf Minuten eine Straftat begangen – knapp 300 pro Tag. Mit einem Drittel aller Fälle bleibt Leipzig die Verbrechenshochburg im Freistaat.

Polizei: Zuzügler steigern Zahl der Straftaten

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Die Kurve bei den Straftaten zeigt nach oben, bei der Aufklärungsquote nach unten: Auszug aus der Leipziger Kriminalstatistik 2014.

Quelle: Polizei Leipzig

Den starken Zuzug sieht Kriminaldirektor Bernd Buchwald als einen der Gründe für diese Entwicklung. Innerhalb des vergangenen Jahres wuchs Leipzig mit rund 13.000 Einwohnern prozentual so stark wie keine andere deutsche Stadt. Vor allem 20- bis 30-Jährige zieht es in die Messemetropole – und diese sind die Kernklientel der Polizei. „Junge Menschen werden häufiger Täter und Opfer von Straftaten“, erklärt der Leiter des Referats Kriminalitätsbekämpfung. Aber auch ältere Menschen würden zunehmend relevant. „Auch Über-60-Jährige surfen heute im Internet und werden dort Opfer von Straftaten“, nennt Buchwald ein Beispiel. In einigen Fällen würden sie auch selbst zum Täter

Vor allem Diebe, Einbrecher und Räuber beschäftigen die Beamten zunehmend. „Wir haben hier einen absoluten Schwerpunkt“, sagt Buchwald. Jede zweite Straftat ist ein Eigentumsdelikt, im Stadtgebiet sogar etwas mehr. Geklaut wird nicht nur aus Wohnungen und Kellern, sondern auch von Baustellen, aus Geschäften oder aus Autos. Fast drei Navigationsgeräte werden jeden Tag geklaut. Sowohl bei fest installierten (572) als auch mobilen Geräten (372) stiegen die Zahlen rapide an. „Rund jedes zweite fest installierte Navi in Sachsen wurde in Leipzig entwendet“, sagt Merbitz. In der Mehrzahl der Fälle geht dies vermutlich auf das Konto organisierter Banden, die auch für die zunehmende Zahl an Pkw-Diebstählen verantwortlich sein dürften. 876 Fahrzeuge im Wert von 13,7 Millionen Euro verschwanden allein 2014.

24 entwendete Fahrräder pro Tag

 

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Torsten Schultze, Polizeichef Bernd Merbitz, Bernd Buchwald und Andreas Loepki (von links) bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2014.

Quelle: Robert Nößler

Ebenfalls besorgniserregend: Insgesamt sank die Aufklärungsquote der PD im vergangenen Jahr um 0,7 auf 48,2 Prozent. Allerdings wurden aufgrund der gestiegenen Anzahl der Delikte gut 1100 Tatverdächtige mehr als noch im Vorjahr ermittelt (2014: 29.708). Trotz der Sparmaßnahmen bei der sächsischen Polizei – derzeit kann die PD Leipzig auf rund 1300 Beamte zurückgreifen – ist Merbitz überzeugt: „Wir beherrschen die Lage.“  

Der Polizeichef verweist auf überdurchschnittlich hohe Aufklärungsraten in einzelnen Bereichen. So wurden bei 17,3 Prozent der Wohnungseinbrüche die Täter gefasst. Auch bei Fahrraddiebstählen liege Leipzig mit zwölf Prozent deutlich höher als noch vor einigen Jahren, betont Merbitz. Nichtsdestotrotz wurden zuletzt in Leipzig 24 Räder gestohlen – pro Tag. Von 8372 jährlich entwendeten Drahteseln stieg die Zahl 2014 auf 8850 an.

Sondereinheit soll Dieben das Handwerk legen

 

Neue Ermittlungserfolge verspricht sich Merbitz von einer bundesweit einmaligen Spezialgruppe, die sich künftig ausschließlich mit Diebstahlsdelikten beschäftigen soll. Wie LVZ-Online bereits vorab berichtete, werden dafür rund 130 Ermittler im Bereich der PD gebündelt. Ende April soll die Sondereinheit einsatzbereit sein. „Damit schaffen wir Strukturen, um auch auf die zunehmende Beschaffungskriminalität stärker zu reagieren“, sagt der Polizeichef.

So sollen beispielsweise Diebe künftig je einem Sachbearbeiter zugeordnet werden. Erwachsene Intensivtäter wollen die Ermittler stärker ins Visier nehmen. „Ziel ist es, die kriminelle Karriere irgendwann zu stoppen“, sagt der Führungsstableiter Torsten Schultze, der die neue Spezialgruppe ab der kommenden Woche aufbaut und vor allem die psychischen Folgen eines Wohnungseinbruchs mit durchwühlten Zimmern im Auge hat: „Viele Menschen ziehen um, weil sie sich nach einem solchen Vorfall einfach nicht mehr sicher fühlen.“

Robert Nößler

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