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Amokdrohungen gegen elf Leipziger Schulen – Polizei mit Großaufgebot

Rache für Tod von al-Bakr? Amokdrohungen gegen elf Leipziger Schulen – Polizei mit Großaufgebot

Ein Unbekannter hat am Montag in elf Leipziger Schulen, aber auch in Einrichtungen in anderen Städten mit einem Amoklauf gedroht. Die Lage sei unter Kontrolle, hieß es. Der Absender habe sich in der Mail auf den Tod des mutmaßlichen IS-Terroristen Djaber al-Bakr bezogen, so die Polizei.

Polizei-Absperrungen vor dem Kant-Gymnasium und dem Reclam-Gymnasium in Leipzig.

Quelle: André Kempner / Wolfgang Zeyen

Leipzig. Ein Unbekannter hat am Montag in elf Leipziger Gymnasien, aber auch in Bildungseinrichtungen in anderen deutschen Städten mit einem Amoklauf gedroht. Nach Angaben der Polizei seien entsprechende E-Mails mit jeweils immer gleichem Wortlaut gegen 9 Uhr in den Sekretariaten der Schulen eingegangen. Die alarmierten Beamten rückten mit einem Großaufgebot und mit Maschinenpistolen bewaffnet zu den betroffenen Gebäuden in der Messestadt aus. Sie gingen von einer ernsten Bedrohung aus, sperrten Ein- und Ausgänge rigoros ab. In Stötteritz wurde sogar die komplette Naunhofer Straße für den Verkehr abgeriegelt. Gegen Mittag konnte dann vorsichtig Entwarnung gegeben werden und die Schulen wurden wieder geöffnet. Die Lage sei unter Kontrolle, hieß es.

An mehreren Leipziger Schulen gingen am Montagmorgen Amokdrohungen ein. Die Polizei rückte zum Großeinsatz aus.

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„Es gibt bisher keine Anhaltspunkte für eine bevorstehende Gewalttat“, sagte Polizeisprecherin Maria Braunsdorf gegenüber LVZ.de. Die betroffenen elf Leipziger Schulen seien intensiv durchsucht worden, ohne dass etwas Verdächtiges gefunden wurde. In Absprache mit der Bildungsagentur wurde der Unterricht ab Mittag dann in allen Gymnasien wie gewohnt wieder aufgenommen.

Verängstigte Eltern warteten zu diesem Zeitpunkt aber schon vor den Schulen, konnten ihre Kinder dann aber auch abholen. Ein Großteil der betroffenen etwa 5.000 Schüler verblieb allerdings in den Gymnasien. Dieses Vorgehen wurde den Eltern auch ausdrücklich von den Schulleitungen empfohlen. Wie Roman Schulz, Sprecher der Leipziger Bildungsagentur erklärte, sei es wichtig, das Szenario gemeinsam mit Schülern und Lehrern aufzuarbeiten. Dafür standen am Montag auch Psychologen zur Verfügung.

Betroffene Schulen in Leipzig

Wilhelm-Ostwald-Gymnasium,
Immanuel-Kant-Gymnasium,
Neue Nikolaischule,
Anton-Philipp-Reclam-Schule,
Gymnasium Engelsdorf,
Schule an der Gorkistraße (Löbauer Straße),
Gustav-Hertz-Gymnasium,
Otto-Peters-Gymnasium,
Brockhaus-Gymnasium,
Robert-Schumann-Gymnasium,
Thomas-Gymnasium

(Angaben der Polizei, Stand 12 Uhr)

Zum genauen Wortlaut der eingegangenen Amok-Drohungen wollte die Polizei am Montag aus ermittlungstaktischen Gründen noch keine Angaben machen. „Ich kann nur sagen: In den E-Mails wurde mit Gewalt gedroht“, sagte Polizeisprecherin Braunsdorf. Nach Informationen von LVZ.de stand in der Betreffzeile der elektronischen Post lediglich das Wort „Opfer“ geschrieben – was auf einen eher jugendlichen Absender hindeuten könnte.

Ob der Täter eine Beziehung zur Messestadt hat, ist noch unklar. Denn dieselben Drohungen wie in Leipzig gingen am Montagvormittag auch in mehreren Schulen in Magdeburg, Göttingen, Osnabrück und in Oberfranken ein. „Darin wurde eine Straftat zu einem konkreten Zeitpunkt angedroht“, so Magdeburgs Polizeisprecherin Beatrix Mertens. Nach LVZ-Informationen sei von 10 Uhr die Rede gewesen. Die Leipziger Polizei wollte dies nicht bestätigen. Wie Sprecherin Braunsdorf erklärte, seien die Behörden in allen Bundesländern nun in engem Kontakt, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Gegen ihn werde aufgrund des dringenden Tatverdachts der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten ermittelt. Im Strafgesetzbuch sind dafür Haftstrafen bis zu drei Jahren genannt.

Absender droht mit Rache für Djaber al-Bakr

Nach Medienberichten soll ein Zusammenhang mit dem Suizid des Terror-Verdächtigen Djaber al-Bakr bestehen. Demnach habe der Verfasser gedroht, Rache für den Tod des in Leipzig ums Leben gekommenen Mannes üben zu wollen. „Der Versender der E-Mail nimmt Bezug auf al-Bakr“, bestätigte Polizeisprecherin Maria Braunsdorf am Nachmittag gegenüber LVZ.de. Derzeit gehe die Polizei jedoch nicht davon aus, dass ein näherer Zusammenhang bestehe. „Wie stehen noch am Anfang unserer Ermittlungen.“ Zuerst hatte die Neue Osnabrücker Zeitung von einem möglichen Zusammenhang berichtet. Nach Informationen der NOZ habe der Absender behauptet, sein „Kumpel“ sei Kämpfer des IS. Der Absender sei bezahlt worden, „damit ich sprengen kann“.

Schulz: Schulen haben einen Notfallplan und sind „fit“

Bildungsagentur-Sprecher Roman Schulz lobte am Montagnachmittag ausdrücklich die Vorgehensweise von Polizei und Schulen. Die Lehranstalten in Leipzig nicht zu evakuieren, sei eine bewusste Entscheidung der Polizei gewesen. Offenbar sollte es vermieden werden, hunderte Schüler gleichzeitig aus einem Gebäude laufen zu lassen. Außerdem verfüge jede Schule in Sachsen seit 2008/09 über einen eigenen Notfallplan. Mithin seien die Schulen „fit“, um mit schwierigen Situationen umzugehen, so Schulz weiter.

Viele der Schüler selbst wussten offenbar lange Zeit gar nichts vom Droh-Szenario. Im Reclam-Gymnasium löste die Schulleitung beispielsweise nach Eingang der E-Mail eine Notfall-Sicherung aus, bei der alle Schultüren automatisch verschlossen und nicht mehr von außen geöffnet werden konnten. Die Schüler glaubten zunächst, es handele sich um eine Brandschutzübung. Erst durch Berichte in sozialen Netzwerken und in den Medien, auf die sie per Smartphone in den Unterrichtspausen zugriffen, erfuhren die Kinder und Jugendlichen von der eigentlichen Gefahr. Viele der Eltern nahmen auch über das Internet Kontakt auf. Zum Teil sendeten die Schüler am Montag auch via Facebook und Co. Lebenszeichen und erklärten, dass es ihnen gut gehe.

mro / nöß / dom / mkl / mpu / joka

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