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Anführer von Kinderbande muss ins Gefängnis

Amtsgericht Leipzig Anführer von Kinderbande muss ins Gefängnis

Er hatte vergebens gehofft, nach einem halben Jahr Untersuchungshaft auf freien Fuß zu kommen: Jens B. (24), mutmaßlicher Anführer einer Kinderbande aus Markkleeberg, ist am Donnerstag vom Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden.

Angeklagter Jens B.
 

Quelle: Kempner

Leipzig.  Der schmächtige Angeklagte soll Anführer einer Bande gewesen sein, die von Oktober 2015 bis März 2016 in Leipzig und Markkleeberg ihr Unwesen trieb. Das Gericht sah es als bestätigt an, dass die überwiegend aus Kindern und Jugendlichen bestehende Gruppierung ab Ende 2015 in diverse Markkleeberger Geschäfte eingebrochen hat. Ziele waren etwa ein Tabak- sowie Lottoladen, ein Imbiss, das Roller-Möbelhaus in der Städtelner Straße und der Aldi-Markt in der Koburger Straße. Auch der „Verband Jahrfeier Völkerschlacht bei Leipzig 1813 e.V.“ in Markkleeberg war zweimal von Angriffen betroffen. Ins Visier genommen hatte die Bande zudem den Verein Kinderarche Markkleeberg, wo es regelmäßig Ärger mit den Jungkriminellen gab. Ab Februar 2016 sollen Jens B. und seine Komplizen verstärkt Raubüberfälle ausgeheckt haben. So wurden zwei Rentnerinnen angegriffen. Als ein Überfall auf einen Taxifahrer am Wildpark scheiterte, kam der Angeklagte am 6. April in Untersuchungshaft.

Vor Gericht hatte Jens B. zunächst geschwiegen, dann seine Mitwirkung an einigen Taten gestanden, jedoch eine Anführerschaft bestritten. „Wir glauben dem Angeklagten aber nicht, dass er nur Mitläufer war“, stellte Richterin Walther klar. Wie berichtet, sollen die mindestens neun Bandenmitglieder in wechselnder Besetzung vorgegangen sein. Die minderjährigen Täter werden sich in gesonderten Prozessen verantworten müssen, wenn sie strafmündig sind. Jens B. war in der Bande fast der einzige Erwachsene. „Ein solcher Fall kommt nicht so oft vor“, räumte Walther ein.

Staatsanwalt Harald Römmer forderte eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren und meinte, der Angeklagte habe versucht, seinen Tatbeitrag in erheblichem Maße herabzumildern. Verteidigerin Judith Hiller ging hingegen davon aus, dass ihr Mandant nicht als Chef fungiert habe. Zudem seien nicht alle Taten nachgewiesen. Sie plädierte für ein Jahr und neun Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung. Unter Verweis auf die problematische Kindheit des Beschuldigten mit Aufenthalten in Heimen und bei Pflegeeltern wollte das Gericht ein Strafmaß finden, das Jens B. auch einen Neuanfang ermöglicht, erklärte Walther. Immerhin hatte der Markkleeberger einen Lehrvertrag fast schon sicher. Doch ausgerechnet an dem Tag, als er den Vertrag im Betrieb unterschreiben sollte, musste er seine Untersuchungshaft antreten.

Von Frank Döring

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