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Angeklagte gestehen: Übergriff als „Abreibung“ für 25 Jahre altes Verbrechen

Messer im Rücken des Opfers Angeklagte gestehen: Übergriff als „Abreibung“ für 25 Jahre altes Verbrechen

Vier Monate nach einem brutalen Überfall auf einen 52-jährigen Mann im Leipziger Südosten offenbarten am Montag seine angeklagten Peiniger ihr Motiv. Demnach wollten sie Horst G. für ein 25 Jahre zurückliegendes Sexualverbrechen „eine Abreibung“ verpassen, räumte ein Angeklagter zum Prozessauftakt vor dem Landgericht ein.

Das Landgericht Leipzig verhandelt einen Prozess um schweren Raub und gefährliche Körperverletzung.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Vier Monate nach einem brutalen Überfall auf einen 52-jährigen Mann im Leipziger Südosten offenbarten am Montag seine angeklagten Peiniger ihr Motiv. Demnach wollten sie Horst G. für ein 25 Jahre zurückliegendes Sexualverbrechen „eine Abreibung“ verpassen, räumte Mathias P. (23) zum Prozessauftakt vor dem Landgericht ein. Man habe ihm „eine reinhauen“ wollen, fügte der Mitangeklagte Daniel D. (27) hinzu. Gemeinsam mit dem dritten Angeklagten – dem Leipziger Ronny U. (35) – hatten sie der Staatsanwaltschaft zufolge am 19. Februar dieses Jahres den Geschädigten mit einer Gasdruckpistole bedroht und so schwer misshandelt, dass er im Krankenhaus notoperiert werden musste. Dem Trio waren Akten in die Hände gefallen, wonach sich der heute 52-Jährige im Jahr 1992 wegen Kindesmissbrauchs verantworten musste und auch verurteilt wurde. „Das Thema ist Vergangenheit, dafür habe ich gebüßt“, meinte Horst G., der als Zeuge vor Gericht gehört wurde. Einer der Angreifer habe ihm am Tattag gesagt: „Jetzt bekommst du, was du verdient hast.“

Die Staatsanwaltschaft warf dem Trio vor, den Übergriff auf den 52-Jährigen, der sich zur Tatzeit bei seiner Freundin in einer Wohnung in Probstheida aufhielt, genau geplant zu haben. Ronny U., ein Bekannter des Opfers, habe seinen beiden Komplizen quasi den Weg geebnet. Selbst gab er vor, noch irgendwelche Sachen abholen zu wollen.

Der Anklageschrift zufolge soll Daniel D. dem Mann in der Wohnung in der Lene-Voigt-Straße nicht nur mit der Gasdruckpistole gedroht, sondern ihm auch ein Messer in den Rücken gestoßen haben. Als Messerstecher outete sich am Montag überraschend jedoch der Angeklagte Mathias P., wobei es sich seiner Version nach um einen Unfall gehandelt hat. „Er ist mir mehr oder weniger ins Messer gelaufen.“ Als sich Horst G. ruckartig umgedreht habe, sei das passiert. „Als ich sah, dass er blutete, bin ich weggerannt“, räumte der 23-Jährige ein. Im Nachhinein müsse er zugeben: „Das alles war eine echt blöde Idee.“

Der Geschädigte berichtete dem Gericht von seiner „panischen Angst“, als er von seinen Peinigern, die teils vermummt waren, getreten worden sei. „Das Messer im Rücken“ habe er zunächst gar nicht bemerkt. „Plötzlich wurde aber der ganze Rücken warm. Ich wollte nur noch weg, flüchten und Hilfe holen.“ Er hatte eine vier Zentimeter tiefe Stichwunde erlitten.

Seine Lebensgefährtin wollte an jenem Tatabend den Polizeinotruf wählen. Als dies die Angeklagten mitbekommen hätten, sollen sie ihr massiv gedroht haben. Daniel D. habe ihr angekündigt, sie erschießen zu wollen. „Sie unterließ den Notruf aus Angst“, so die Staatsanwaltschaft. Nach der Flucht der Täter kam der Schwerverletzte in eine Klinik, wurde aber bereits am nächsten Tag auf eigenen Wunsch entlassen.

Die Täter sollen aus der Wohnung noch ein Handy, einen Laptop sowie Insulinspritzen der Lebensgefährtin des Opfers haben mitgehen lassen. Die Anklage lautet auf gemeinschaftlich begangenen schweren Raub, gefährliche Körperverletzung und Nötigung. Die 8. Strafkammer des Landgerichts hat noch drei weitere Termine anberaumt; das Urteil fällt voraussichtlich am 7. Juli.

Von Sabine Kreuz

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